Frühwarnsystem kreisweit eingerichtet: "Frühe Hilfen für Herzebrock-Clarholz"

Herzebrock-Clarholz, 23.03.2011. Zusammengearbeitet hat man schon vorher zum Wohl der Kinder. Jetzt soll diese Zusammenarbeit noch besser werden – und vor allem verbindlicher. Im Begegnungszentrum der Josefschule in Herzebrock-Clarholz haben viele Partner die Kooperationsvereinbarung für das Soziale Frühwarnsystem "Netzwerk Frühe Hilfe" für die Gemeinde Herzebrock-Clarholz unterschrieben.
Vertragsunterzeichnung für das Soziale Frühwarnsystem "Netzwerk Frühe Hilfe"Großbildansicht
Heinz-Dieter Wette (vorne l.) und Lothar Busche unterzeichneten zusammen mit allen Kooperationspartnern die Vereinbarung des Netzwerks "Frühe Hilfen".

Damit ist gleichzeitig das Ziel erreicht worden, kreisweit in jeder Kommune ein soziales Frühwarnsystem zu etablieren. Ziel ist es, im Verbund die unterschiedlichen Probleme von Kindern und Familien früher wahrzunehmen und dementsprechend früher Hilfe anzubieten. Mitarbeiter der Abteilung Jugend, Familie und Sozialer Dienst des Kreises Gütersloh, Vertreter vieler Institutionen, die direkt mit Kindern und Familien zu tun haben sowie Heinz-Dieter Wette, allgemeiner Vertreter von Bürgermeister Jürgen Lohmann, unterzeichneten den Vertrag. Wette: "Ich freue mich, dass es gelungen ist, in harmonischer Runde während der fünf örtlichen Informations- und Schulungsveranstaltungen in der Mediothek der von-Zumbusch-Schulen alle Kooperationspartner für das Soziale Frühwarnsystem zu sensibilisieren."

Das Ziel des Sozialen Frühwarnsystems ist die frühe Förderung von Kindern und deren Familien. Die Politik hatte die Kreisverwaltung beauftragt, kreisweit ein solches System zu etablieren. Riskante Entwicklungen von Kindern und ihren Familien sollen bereits in ihrer Entstehung erkannt werden, ihnen sollen Hilfen angeboten werden. Damit will man verhindern, dass die Probleme wachsen und immer größer werden. "Hier in Herzebrock-Clarholz hat sich die Zusammenarbeit als sehr pragmatisch erwiesen", lobt Lothar Busche, Abteilungsleiter Jugend, Familie und Sozialer Dienst. Man habe auf lang bewährte Zusammenarbeit zurückgreifen und viele neue Partner für die Kooperation gewinnen können. So unterschrieben neben der Gemeinde und dem Kreis unter anderem die Träger der örtlichen Kindergärten, Hebammen, Kirchengemeinden, Ärzte und Schulen den Kooperationsvertrag.

Das Konzept des Frühwarnsystems geht davon aus, dass bisher häufig zu spät erkannt worden ist, wo Hilfe von Nöten ist. "Risiken und Gefahren für Kinder entstehen nicht von heute auf morgen, sie kündigen sich an. Aber die anfangs schwachen Signale riskanter Entwicklungen werden nur unzureichend erkannt", erläuterte Reinhild Birkenhake, Leiterin der Regionalstelle Süd des Kreises Gütersloh. Durch die Vernetzung aller bereits existierenden Hilfssysteme - vom Kindergarten über das Jugendamt und die Kirchengemeinde bis zur Hebamme - soll das soziale Frühwarnsystem die Betreuungs- und Beratungsangebote verbessern, frühzeitig Hilfe für belastete Familien bieten.

Das Frühwarnsystem funktioniert nach der Kette "wahrnehmen, warnen, handeln". Gefahrenpotenziale müssen erkannt werden, die Akteure müssen Sensoren entwickeln, Hinweise prüfen, bewerten und filtern. In einem zweiten Schritt sind Warnungen an die weiterzugeben, die zum Handeln verpflichtet sind, etwa das Jugendamt, das unter anderem per Gesetz dem Wohl des Kindes verpflichtet ist. Und schließlich muss zeitnah gehandelt werden - mitunter gemeinsam mit anderen Institutionen. Ob Beratung, Unterstützung oder professionelle Hilfen, die "Frühen Hilfen" bieten ein vielseitiges, frühzeitiges Angebot an die Familien und werden natürlich in Abstimmung mit den Familien getroffen.

Alle Kooperationspartner erhalten ein gemeinsam erarbeitetes Handbuch mit Handlungsanleitungen und Arbeitshilfen. "Wer meldet wem was wann?" Auf solche Fragen gibt das Handbuch Auskunft. "Da führen wir unter anderem die Indikatoren auf, die darauf hinweisen, ob sich eine Situation im grünen, im gelben oder schon im roten Bereich bewegt", erläutert Christiane Dahlmann von der Regionalstelle Süd beim Kreis Gütersloh. "Wer von den Kooperationspartnern unsicher ist, ob eine Situation als kritisch anzusehen ist, kann zu uns kommen und wir beraten ihn." Wohlgemerkt anonym, denn würden Namen genannt, sei die Regionalstelle verpflichtet, sich selbst direkt ein Bild zu machen.