Spannen von 3,18 bis 8,57 Euro: Erstmals qualifizierter Mietspiegel für den ganzen Kreis

Gütersloh, 29.06.2016. Wie viel Miete kann ich für meine Wohnung verlangen? Ist die geforderte Miete für eine Wohnung angemessen? Dies sind Fragen, mit denen sich Vermieter und Mieter bei der Vermietung einer Wohnung oder bei einer Mieterhöhung gleichermaßen beschäftigen. Ab Freitag, 1. Juli, wird es für Vermieter und Mieter im Kreis Gütersloh einfacher, hierauf Antworten zu finden und sich einen transparenten Überblick über den Mietwohnungsmarkt zu verschaffen.

Erstmalig liegt jetzt für alle 13 Städte und Gemeinden ein qualifizierter Mietspiegel gemäß § 558d BGB vor. Die Mietspiegel bieten sowohl für Vermieter als auch für Mieter die Möglichkeit, in eigener Verantwortung die ortsübliche Vergleichsmiete zu ermitteln. So können sie beispielsweise prüfen, ob eine Mietänderung gerechtfertigt ist. Auch bei Neuabschluss eines Mietvertrages kann der Mietspiegel eine Orientierungshilfe sein.

 

Die Mietspiegel stellen eine Übersicht der in den Städten und Gemeinden am Erhebungsstichtag, dem 1. Januar 2016, gezahlten Mieten für Wohnungen vergleichbarer Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage dar. Wesentliches Element des Mietspiegels ist die Mietpreistabelle, die sich in Wohnungsgrößenklassen und Baualtersklassen gliedert. Durch diese Klassifizierung lässt sich jede Wohnung zuordnen und ein Mittelwert sowie eine Mietpreisspanne ermitteln.

 

Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist bei fast allen Mietspiegeln im Kreis festzustellen, dass große Wohnungen in Altbeständen (Baualtersklasse bis 1960) am günstigsten zu haben sind. Kleine Wohnungen in jüngeren Baujahren sind in der Regel am teuersten. Die Spannen der Nettokaltmieten reichen dabei von 3,18 €/m² (Wohnungen mit über 95 m² in der Baualtersklasse bis 1960 in Borgholzhausen) bis 8,57 €/m² (Wohnungen von 25 bis 50 m² der Baualtersklasse 2003 bis 2015 in Verl).

 

Das arithmetische Mittel weist den günstigsten Wohnungstyp mit 4,17 €/m² in Borgholzhausen aus. In Verl sind für den günstigsten Wohnungstyp bereits 5,10 €/m² zu zahlen. Der teuerste Wohnungstyp mit einer gemittelten Wohnungsmiete von 7,61 €/m² findet sich in Gütersloh. In Versmold und Langenberg zahlt man für den teuersten Wohnungstyp einen Euro weniger. Insgesamt betrachtet ist das Mietniveau in Verl, Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück und Schloß Holte-Stukenbrock am höchsten.  Am günstigsten wohnen Mieter in Langenberg, Borgholzhausen und Versmold.

 

In den Mietspiegeln der Kommunen finden sich nicht nur Tabellen mit Zahlen, sondern allerlei Informationen: Wie man mit den Daten richtig umgeht, welche rechtlichen Grundlagen dem Zahlenwerk zugrunde liegen und wie die Fachbegriffe definiert sind. Die praktische Anwendung der Mietspiegeltabelle wird mit einem Beispielfall erläutert.

 

Das Institut 'F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt GmbH' aus Hamburg hat den Mietspiegel nach anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen im Auftrag der Städte und Gemeinden erstellt. Koordiniert wurde dieser Prozess von der Kreisverwaltung. Eingebunden waren in einem Arbeitskreis Vertreter der Städte und Gemeinden, die Interessenverbände der Vermieter und Mieter sowie weitere Akteure am Wohnungsmarkt. Die Städte und Gemeinden sowie der Mieterbund Ostwestfalen-Lippe und Umgebung e.V. als Interessenverband der Mieter und der Verband Haus & Grund Ostwestfalen-Lippe e. V. als  Interessenverband der Vermieter haben die Mietspiegel anerkannt. Für die Stadt Gütersloh steht die Anerkennung durch den Rat der Stadt Gütersloh noch aus. Sobald die Anerkennung erfolgt, soll der Mietspiegel der Stadt Gütersloh ebenfalls rückwirkend zum 1. Juli gültig sein.

 

 

Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Befragung aller Eigentümer nicht preisgebundener Mietwohnungen - sowohl in Mehrfamilienhäusern als auch in Ein- und Zweifamilienhäusern. Erfreulich war der für eine Massenbefragung in der Fläche sehr gute Rücklauf: Das Institut verwertete die Daten von mehr als 15.000 Mietwohnungen. Das entspricht zirka 22 Prozent des Wohnungsbestands, der relevant ist für den Mietspiegel.

 

Die abgestimmten und anerkannten Mietspiegelbroschüren sind ab sofort bei der jeweiligen Stadt- oder Gemeindeverwaltung, dem Mieterbund Ostwestfalen-Lippe und Umgebung e.V. und dem Verband Haus & Grund Ostwestfalen-Lippe e. V. erhältlich. Sie werden zeitnah auch im Internet auf den Seiten der Städte und Gemeinden und der Verbände einsehbar sein. Auf den Internetseiten des Kreises Gütersloh finden sich sämtliche Mietspiegelbroschüren seit Mittwoch, 29. Juni. Der Mieterbund Ostwestfalen-Lippe und Umgebung e.V. berät Mieter zu Fragen der Eingruppierung.  Vermieter erhalten Rat beim Verband Haus & Grund Ostwestfalen-Lippe e. V. oder beim jeweiligen Haus & Grund-Verein vor Ort.