Pflege und Beruf vereinbaren: Lunchpakete - Infos und Schnittchen in der Mittagspause

Gütersloh, 28.06.2017. Wer übernimmt welche Aufgaben, wenn Eltern pflegebedürftig werden? Welche gesetzlichen Regelungen gibt es? Pflege ist kein rein medizinisches oder pflegerisches Thema. Es stellt viele Familien vor Herausforderungen. Wie sie mit denen besser umgehen können, erfahren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kreises Gütersloh und der Polizei in ihrer Mittagspause.

Pauly-Teismann und WendtGroßbildansicht
Elke Pauly-Teismann (l.) war Referentin des zweiten Lunchpakets. Ellen Wendt hatte die dreiteilige Inforeihe rund um die Pflege organisiert.

Die Gleichstellungsbeauftragte Ellen Wendt hat eine kleine Veranstaltungsreihe unter dem Titel 'Lunchpakete - Informationen rund um das Thema Pflege' initiiert. Damit keiner der Mitarbeiter hungrig wieder an den Arbeitsplatz gehen muss, gibt es zu den 'Lunchpaketen' nicht nur Infos, sondern auch Schnittchen und Getränke. "Sie dabei zu unterstützen, Pflege und Beruf zu vereinbaren, ist für uns ein wichtiges Ziel", wird Landrat Sven-Georg Adenauer im Flyer zur Reihe zitiert. Es gehöre für ihn auch zu einem attraktiven Arbeitgeber, in solchen Lebenslagen Unterstützung anzubieten. Das gehe von sehr flexiblen Teilzeitmodellen - um die 80 Arbeitszeitmodelle gibt es beim Kreis Gütersloh - bis hin zu solchen Info-Veranstaltungen. Adenauer ist oberster Dienstherr von mehr als 1400 Beschäftigten beim Kreis und etwa 500 bei der Polizei und unterstützt die Vereinbarung von Familie und Beruf - und zur Familie zählen eben auch die Eltern und nicht nur die Kinder. "Wir haben Experten unter unseren Mitarbeitern, von deren Wissen andere profitieren. Da bietet sich diese Art der Unterstützung geradezu an." So hatte denn auch Monika Brummel, Sachgebietsleiterin Pflege aus der Abteilung Soziales, den Auftakt bestritten. Sie informierte über Neuerungen in der Pflegeversicherung, die Pflegegrade und die Leistungen, die 2017 angepasst worden sind. Rund 20 Teilnehmer, mehr Frauen als Männer, kommen regelmäßig zu den Veranstaltungen. Den dritten Termin wird der Rechtsanwalt Uwe Maiwald bestreiten und dabei über die Abgeltung von Pflegeleistungen vor und nach dem Erbfall sprechen. Elke Pauly-Teismann hatte das am wenigsten technische Thema: 'Kann man die Pflegeverantwortung in der Familie gerecht verteilen? Familienstreit rechtzeitig erkennen zu und verhindern.' Die Diplom-Pädagogin, die hauptberuflich bei der pro Wirtschaft GT, der Wirtschaftsförderung für den Kreis Gütersloh, das Thema 'Vereinbarkeit von Familie und Beruf' bearbeitet, hatte sechs Tipps mit zur einstündigen informativen Mittagspause mitgebracht. Die ersten beiden hielt sie für die wichtigsten: 1. Frühzeitig miteinander reden. "Am besten noch heute oder morgen", empfahl Pauly-Teismann. Fast keiner rede gerne über Krankheit und Tod. Deswegen schöben viele diese Gespräche auf die lange Bank. Sie empfahl, Anlässe zu nutzen: Beispielsweise über Themen wie Patientenverfügung oder die Notfallmappe das Gespräch mit den Eltern Richtung Pflege zu lenken. "Wie wollen wir alt werden?", laute die zentrale Frage, auf die eine Antwort gesucht werden müsse. Das Nicht-Aufschieben gelte natürlich auch für die Gespräche mit den Geschwistern, unter denen schnell Streit aufkommen könne, wenn es um Zeit und Geld gehe. Der zweite Tipp der Diplom-Pädagogin: "Verständnis für die Situation des anderen aufbringen. Klingt banal, ist es aber nicht. "Jede Familie hat ihre eigene Geschichte und die gilt es zu berücksichtigen." Wer das Gespräch mit Eltern, Geschwistern und denen, die noch involviert sind, gesucht hat, der wird sich konkreten Aufgaben widmen. Eine muss ganz am Anfang stehen, so Pauly-Teismann. Tipp 4: "Aufgabenklarheit verschaffen." Nur wer im Blick hat, was alles geregelt werden muss - vom möglichen Badumbau über die häusliche Pflege bis zur Frage der Mobilität, um nur einige Beispiele zu nennen, kann diese Aufgaben auch verteilen. Tipp 6 gilt es übrigens auch unbedingt zu beherzigen: "Für sich selbst sorgen, Unterstützung suchen." Das haben die 20 Teilnehmer mit ihren Besuch beim Lunchpaket schon ansatzweise gemacht. Paul-Teismann: "Im Schnitt pflegen Menschen acht Jahre lang einen Angehörigen und sind danach häufig selbst krank, sei es der Rücken oder psychische Probleme." Nur wer sich selbst gesund halte, könne anderen helfen. Um das zu verdeutlichen helfen auch drastische Bilder: Bei einem Druckabfall im Flugzeug sollen Erwachsene erst sich die Sauerstoffmaske aufsetzen und dann ihren Kindern - sonst drohen sie in Ohnmacht zu fallen, bevor sie sich selbst geholfen haben.