Social Media bringt neue Herausforderungen mit sich

Gütersloh, 02.10.2017. Ein Blick am Morgen auf die Waage entscheidet, ob der Tag mit einem Lächeln oder mit Selbsthass beginnt. Denn die Zahlen sind Freund und Feind von Essgestörten zugleich. Mit diesem Beispiel erklärte Sarah Herrmann von ‚jugendschutz.net‘ bei der Fachveranstaltung ‚Dick, dünn, perfekt?! – Neue Herausforderungen im Bereich der Ess-Störungen‘ das Leid der Essgestörten.

Informierten mit der Fachveranstaltung 'Dick, dünn, perfekt?!' über neue Herausforderungen im Bereich der Essstörungen (v. l.): Ellen Wendt (Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Gütersloh), Dr. med. Moritz Noack (Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie), Doris Schlüter (Abteilung Gesundheit), die stellvertretende Landrätin Dr. Christine Disselkamp, Maike Czekala (Ärztin im LWL Klinikum) und Sarah Herrmann (jugendschutz.net).  Foto: Kreis GüterslohGroßbildansicht
Informierten mit der Fachveranstaltung 'Dick, dünn, perfekt?!' über neue Herausforderungen im Bereich der Essstörungen (v. l.): Ellen Wendt (Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Gütersloh), Dr. med. Moritz Noack (Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie), Doris Schlüter (Abteilung Gesundheit), die stellvertretende Landrätin Dr. Christine Disselkamp, Maike Czekala (Ärztin im LWL Klinikum) und Sarah Herrmann (jugendschutz.net). Foto: Kreis Gütersloh

Die Fachveranstaltung, organisiert vom Netzwerk Ess-Störungen im Kreis Gütersloh, hat über die Auswirkung von sozialen Medien auf das körperliche Erscheinungsbild und das Essstörungsbehandlungskonzept der LWL-Universitätsklinik Hamm informiert. Rund 100 Personen aus den Bereichen der Pädagogik, Medizin, Ernährungsberatung, Psychotherapie und Psychologie nahmen an der Veranstaltung im Kreishaus Gütersloh teil.

Die Referentin Herrmann erklärte, dass die zunehmende Digitalisierung des Alltags und die Kommunikation durch soziale Medien auch die Verbreitung und Wahrnehmung von Essstörungen beeinflussen. Im Netz finden sich viele sogenannte 'Pro Ana' und 'Pro Mia Seiten'. 'Ana' ist die beschönigende Abkürzung von 'Anorexia nervosa', der Magersucht, während sich hinter 'Mia' die Krankheit 'Bulimia nervosa', die Bulimie, verbirgt. Diese Seiten geben Anleitungen um abzunehmen, indem man hungert und geben Tipps und Tricks, damit man seine Essstörung geheim halten kann, erklärte Herrmann.

"Wie soll man an Erkrankte herankommen, wenn einem anonym Tipps gegeben werden, wie man Essen vermeiden kann", fragte sich Dr. Christine Disselkamp, stellvertretende Landrätin, in ihrer Begrüßung und lobte die "sehr wichtige" Arbeit des Netzwerks, durch die "immer wieder informiert, sensibilisiert und Hilfe angeboten wird".


Sarah Herrmann berichtete über die Arbeit von jugendschutz.net im Internet zum Thema Essstörung Foto: Kreis GüterslohGroßbildansicht
Sarah Herrmann berichtete über die Arbeit von jugendschutz.net im Internet zum Thema Essstörung Foto: Kreis Gütersloh

Das Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Jugendschutz im Internet, jugendschutz.net, versucht unter anderem genau solche Seiten aus dem Netz zu nehmen. "Heranwachsende können die Tragweite dieser Seiten nicht so einschätzen wie Erwachsene", sagte Herrmann. Anstelle der 'Pro Ana/Mia'- Seite werde dann ein Platzhalter eingestellt, der versucht die Betroffenen in Richtung Therapie und Hilfe zu lenken, indem er Informationen und Links zu Beratungsstellen gibt. Schwierig werde es bei WhatsApp-Gruppen, erklärte Herrmann, denn die Gruppen seien geschlossen und somit sei die Kommunikation der Kontrolle entzogen. Daher kann derzeit nur gegen Aufrufe zur Gründung oder dem Eintritt solcher Gruppen vorgegangen werden.

Wie und wo Erkrankte behandelt werden können, zeigten Maike Czekala, Ärztin im LWL Klinikum und Dr. med. Moritz Noack, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Czekala stellte die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Gütersloh vor. Hier werden mit 30 stationären Plätzen jede Art der Essstörung behandelt. Dr. Noack erklärte im Anschluss das Essstörungsbehandlungskonzept der LWL-Universitätsklinik Hamm und berichtete von seinen Erfahrungen in der Therapie mit Jugendlichen.


Zum Thema: Netzwerk Ess-Störungen im Kreis Gütersloh

Im Juni 2010 wurde das 'Netzwerk Ess-Störungen im Kreis Gütersloh' gegründet. Vertreten sind darin die Abteilung Gesundheit des Kreises Gütersloh, die Bürgerinformation Gesundheit und Selbsthilfekontaktstelle des Kreises Gütersloh (BIGS), die Caritas Sucht- und Drogenhilfe, die Frauenberatungsstelle und Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt Gütersloh, die Gleichstellungsstellen der Stadt und des Kreises Gütersloh und die pro familia Beratungsstelle Gütersloh. Das Ziel der Kooperation ist es, die Transparenz über die Präventions- und Hilfsangebote zu verbessern und die Vernetzung zwischen den Einrichtungen zu fördern. Das Netzwerk organisiert unter anderem Veranstaltungen wie die Ausstellung 'Klang meines Körpers'. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen fünf junge Frauen und ein Mann, die mit Texten, Collagen und Musikstücken Einblicke in ihr Leben, ihre Wünsche und Sehnsüchte geben und ihre Wege aus der Essstörung zeigen.