Eltern und Kinder entdecken Spiel und Sprache

Von Nils Krieft

Harsewinkel, 24.11.2017. Wenn Kinder miteinander spielen ist die Sprache zweitrangig. Auf das weitere Leben und auch das der Eltern trifft dieses weniger zu. Deshalb hat das Programm ‚Griffbereit‘ das Ziel die Grundlage für eine solide Mehrsprachigkeit der Kinder zu legen und dabei auch die Eltern zu fördern.

Griffbereit-Gruppe in MarienfeldGroßbildansicht
Die 'Griffbereit'-Gruppe in der Turnhalle der Kita. Foto: Kreis Gütersloh

In Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Gütersloh und der Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Träger hat die Stadt Harsewinkel als erste Kommune im Kreis das Programm seit Oktober in die Kita 'Die Spürnasen' in Marienfeld gebracht.

 

Zugegeben, die Spannung der Märchenstunde überträgt sich nicht auf alle Kinder. Die Aufmerksamkeitsspanne der 1- bis 3-Jährigen reicht beim nun sechsten Treffen der Gruppe von staunendem Zuhören bis zu wildem Herumlaufen durch die Turnhalle der Kita in Marienfeld. Aber mit einem Satz zum Ende der Geschichte von Hänsel und Gretel zieht die Elternbegleitung Reyhan Erfidan wieder alle Kinder in ihren Bann: "Und jetzt dürft ihr so ein Knusperhäuschen selbst basteln."

Einmal die Woche für zwei Stunden kommen Mütter und Kinder mit verschiedenen Migrationshintergründen in die Kita 'Die Spürnasen'. Das Programm 'Griffbereit' ist aber mehr als eine Märchen- oder Backstunde. Die fünf Frauen und sechs Kinder aus Syrien, der Türkei, Kasachstan oder Eritrea sollen neben Sprachkenntnissen weitere Dinge mit nach Hause nehmen. Jedes Treffen folgt einem ritualisierten Ablauf. Auch damit die Aktivitäten dann zu Hause wiederholt werden können. Nach dem gemeinsamen Begrüßungslied wird zurückgeschaut, was vergangene Woche gemacht wurde. "Was hast du uns letzte Woche gemalt", fragt die zweisprachige Ansprechpartnerin Erfidan eines der Kinder und erinnert an die Bilder, die nun an der Wand der Turnhalle hängen.


Kinder und ErzieherinGroßbildansicht
Angela Fislake (stellvertretende Leiterin der Kita) legt mit Ariam das süße Fundament. Joel und Berkan schauen zu. Foto: Kreis Gütersloh

Nach der kurzen Rückschau geht es nun in einem Gruppenraum an das Formen der Leckerei. Gemeinsam mit den Eltern bauen die Kinder heute aus Butterkeksen verziert mit allerhand Süßem ein kleines Knusperhäuschen ­- fast wie das der bösen Hexe im Märchen. Die erzieherische Herausforderung für die Eltern heute ist klar: Das Haus muss erst stehen, bevor es gegessen wird.

Die Märchenbackstunde ist nur einer von vielen 'Griffbereit'-Bausteinen, um die jede Woche die Treffen gestaltet werden. Die Elternbegleitung kann aus insgesamt 64 Bausteinen samt Material auswählen. Jeder Baustein soll weitere Ziele umsetzen. So beispielsweise die Stärkung des Selbstwertgefühls der Eltern und Kinder oder das frühe Kennenlernen einer deutschen Bildungsinstitution durch die Eltern.

Nachdem die Häuschen fertig gebastelt sind, dürfen die Kinder naschen. Für die Eltern und Begleitung gibt es Kaffee, die Kinder können sich nebenbei austoben. Auch die kleine gemeinsame Mahlzeit, der Austausch zwischen den Eltern während die Kleinen zusammen spielen, ist fester Teil eines jeden Treffens. "Sonst gibt es aber gesündere Sachen", betont Erfidan.

Monika Edler-Rustige von der Stadt Harsewinkel überbrachte die Grüße der Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide und lobte bei ihrem Besuch den Kindergarten: "Ich finde das ganz toll, dass der Kindergarten sich immer wieder öffnet für diese Projekte. Ich danke auch der AWO und dem Kreis Gütersloh, die dieses Projekt mit Herz und Verstand unterstützen", so Edler-Rustige weiter. Ingrid Bramert vom Kommunalen Integrationszentrum Kreis Gütersloh konnte das Lob nur zurückgeben: "Wir machen dieses Projekt wirklich gerne, aber ohne die Stadt ginge das einfach nicht. Vielen Dank, dass die Stadt Harsewinkel uns das ermöglicht."

Auch die Nachfolgeprogramme für etwas ältere Kinder und Schüler der Grundschule, 'Rucksack KiTa' und 'Rucksack Schule' werden in Harsewinkel durchgeführt und führen die Elternbildung, sowie die Förderung der Mehrsprachigkeit in den Tageseinrichtungen und Schulen weiter.

Zum Ende der zwei Stunden hat Erfidan wieder die volle Aufmerksamkeit bei sich. Sie schlägt die Triangel. Die Kinder wissen schon: Jetzt geht es zum Abschluss nochmal zur Verabschiedung für die Woche in die Turnhalle, bevor es dann nach Hause geht. Ihr Häuschen dürfen sie mitnehmen - wenn sie es denn noch nicht direkt verschlungen haben.