Neue Ideen für den Dorfwettbewerb

Gütersloh, 06.12.2017. Gemüsekiste, Abenteuerspielplatz, Mitfahrerbank oder das Ziel, bis 2025 energieautark zu sein – der Wettbewerb ‚Unser Dorf hat Zukunft‘ hat bisher viele zukunftsweisende Projekte im Kreis Gütersloh hervorgebracht. Gerade erst ist der alle drei Jahre auf kommunaler Ebene stattfindende Dorfwettbewerb zu Ende gegangen. Lintel (Rheda-Wiedenbrück) hieß am Ende der Sieger, der den Kreis Gütersloh im Wettbewerb auf Landesebene 2018 vertreten wird.

E-Bike LadestationGroßbildansicht
Ideen für die Zukunft: E-Bike-Ladestation in Lintel (Rheda-Wiedenbrück).

Doch bei allem Engagement der teilnehmenden Orte zeigt sich nicht nur im Kreis Gütersloh, dass die Teilnehmerzahl sinkt. Aus unterschiedlichen Gründen scheinen immer mehr Orte in NRW sich nicht mehr beteiligen zu wollen oder zu können. Zu einer Besprechung über die zukünftige Ausrichtung des Kreiswettbewerbs 'Unser Dorf hat Zukunft' trafen sich nun die Vertreter der sechs Kreise aus Ostwestfalen-Lippe und der Stadt Bielefeld im Paderborner Kreishaus, um über mögliche Veränderungen zu diskutieren, die den Wettbewerb für die Dörfer der Region zukünftig interessanter und attraktiver machen sollen.

Denn die Teilnehmerzahlen gehen nicht nur in der Region OWL zurück, sondern auch in NRW und bundesweit. Im Kreis Paderborn nahmen dieses Jahr noch 18 von 62 Dörfern teil. Auch in anderen Kreisen ist diese Tendenz zu erkennen. Im Kreis Gütersloh haben sieben teilgenommen und in Minden-Lübbecke neun; im Kreis Herford fand 2017 kein Wettbewerb statt. Allein in den Kreisen Lippe (30) und Höxter ist noch eine höhere Akzeptanz da: In Höxter verglichen sich im jährlich stattfindenden Wettbewerb (in den Kreisteilen) über die letzten drei Jahre insgesamt 52 Dörfer.

"Die Akzeptanz des Wettbewerbs ist in den vergangenen Jahren rückläufig, es meldeten sich zuletzt weniger Dörfer an als früher, obwohl der Wettstreit der Dörfer im Rahmen einer Verbesserung der ländlichen Entwicklung ein wichtiger Baustein für jedes Dorf ist", umschreibt Wilhelm Gröver, Abteilungsleiter Umwelt beim Kreis Gütersloh, den Grund der überkommunalen Zusammenkunft. "Manche Dörfer fühlen sich mit der komplexen Präsentation überfordert, da man sich natürlich in den zur Verfügung stehenden 90 Minuten der Dorfbesichtigung immer gut verkaufen möchte und dieses einige Arbeit im Vorfeld bedeutet", so Gröver weiter. Aber die Vorbereitung und die Teilnahme selbst sei für alle immer ein Gewinn. Bei der Beschäftigung mit dem Istbestand eines Ortes werden sich die Teilnehmer immer der Stärken und Schwächen ihres Ortes bewusst - das sei der erste Schritt zu Veränderungen.

Die Fachleute aus den Kreisverwaltungen waren sich einig, den bestehenden Wettbewerb im Grunde zu erhalten und im Detail zu verbessern, um zukünftig wieder mehr Dörfer zur Teilnahme zu motivieren. Eine Forderung ist, auch zwischen den alle drei Jahre stattfindenden kommunalen Dorfwettbewerben eine regelmäßige Beratung durch die jeweiligen Kreise durchzuführen. Außerdem soll nicht nur der Wettbewerb im Mittelpunkt stehen, - bei dem es Gewinner, aber auch immer Verlierer gibt -, sondern zukünftig soll einzelnen Projekten höhere Beachtung geschenkt werden.

Benjamin Dally von der Hochschule OWL, der den Diskussionsprozess wissenschaftlich begleitet, forderte die Beteiligten auf, nachfolgende Formate mit zu berücksichtigen: 'Wettstreit der Ideen, statt Wettstreit der Dörfer', 'Werkstatt statt Wettbewerb', 'Stärkere Arbeit in Konzepten' und 'Mehr Informationen an die Dörfer mit Workshops, Werkstätten und Beratung'.

Die vereinbarten Punkte sollen demnächst den Organisatoren des Landeswettbewerbs vorgestellt werden. Zudem wird intern in den Kreisen weiter diskutiert und die Rahmenbedingungen der Veranstaltung unter Berücksichtigung der Empfehlungen der Hochschule verbessert. Damit wollen die Kreise weiterhin positiv zur ländlichen Entwicklung in OWL beitragen.