Demografiebericht 2015: Weiterhin Bevölkerungswachstum zu erwarten

Der Kreis Gütersloh zählt seit vielen Jahren zu den Kreisen in Nordrhein-Westfalen, die den stärksten Zuwachs der Bevölkerung verzeichnen. Von 2010 bis 2014 wies der Kreis Gütersloh ein Wachstum auf, das etwas stärker war, als im letzten Demografiebericht vorausgeschätzt wurde.

Demographische Ausgangssituation und Annahmen für die Bevölkerungsvorausberechnungen

Präsentierten den Demografiebericht 2015 (v.l.): Wilhelm Gröver, Dr. Jürgen Flöttmann, Landrat Sven-Georg Adenauer, Reinhard Loos und Albrecht Pförtner.Großbildansicht
Präsentierten den Demografiebericht 2015 (v.l.): Wilhelm Gröver, Dr. Jürgen Flöttmann, Landrat Sven-Georg Adenauer, Reinhard Loos und Albrecht Pförtner.

Hierfür war vor allem die positive Entwicklung der Wanderungsgewinne (noch vor Einsetzen der Flüchtlingsmigration) ursächlich. Dieser Trend der Wanderungsgewinne sowie die vor allem im Jahr 2015 stark gestiegene Flüchtlingsmigration führte zu einer  Erhöhung der Wanderungsannahmen gegenüber dem letzten Demografiebericht aus dem Jahr 2011. Die einzelnen Gemeinden im Kreis Gütersloh sind jedoch sehr unterschiedlich von der zunehmenden Zahl der Zuzüge betroffen.

Die Vorausberechnungen in diesem Demografiebericht unterscheiden sich von anderen Bevölkerungs- vorausberechnungen dadurch, dass sie auf den Einwohnerdaten der lokalen Meldeämter basieren, nicht auf den beim Statistischen Landesamt geführten Daten.

 


Ergebnisse für den Kreis

Nach den Vorausberechnungen würde die Bevölkerungszahl des Kreises Gütersloh bis zum Jahr 2035 zwischen 0,2 Prozent (untere Variante) und 8,5 Prozent (obere Variante) zunehmen. Die Veränderung wird in den einzelnen Altersgruppen sehr unterschiedlich erfolgen, sodass insgesamt die Alterung der Bevölkerung weiter zunehmen wird. Die 0-18jährige Bevölkerung wird bis 2035 voraussichtlich zwischen 0,6 Prozent (obere Variante) und 10,2 Prozent (untere Variante) abnehmen. Die demografisch und ökonomisch wichtige Altersgruppe zwischen 25 und 44 Jahren wird im Zeitraum 2015-2035 in der unteren Variante um 6,3 Prozent abnehmen und in der oberen Variante um 4,8 Prozent zunehmen. Die ältere Bevölkerung zwischen 65 und 80 Jahren wird zwischen 42 Prozent in der unteren und 46 Prozent in der oberen Variante zunehmen. Die hochbetagte Bevölkerung (80 Jahre und älter) wird zwischen 54 Prozent in der unteren und 58 Prozent in der oberen Variante zunehmen.


Ergebnisse für einzelne Gemeinden

Alle Gemeinden werden nach den Vorausberechnungen für den Zeitraum 2015 bis 2035 insgesamt (obere Variante) Wanderungsgewinne verzeichnen. Bis auf eine Gemeinde (Harsewinkel) werden alle Gemeinden für den Zeitraum 2015 bis 2035 Geburtendefizite aufweisen. Inwieweit die Wanderungsgewinne die Geburtendefizite im Einzelnen kompensieren können, ist in den Gemeinden sehr unterschiedlich.

Die Gegenüberstellung von Oberer und Unterer Variante (das heißt einer optimistischen Variante, die hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der Wanderungsgewinne von relativ hohen Werten ausgeht, und einer moderaten Variante) führt im Wesentlichen zu drei unterschiedlichen Entwicklungsmustern:

1)    Beide Varianten weisen eine Zunahme der Bevölkerungszahl auf. Hier ist bis 2035 mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem deutlichen Bevölkerungswachstum zu rechnen. Zu diesen Gemeinden zählen Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück und Verl.

2)    Die Obere Variante weist kontinuierlich steigende Bevölkerungszahlen auf, während die Untere Variante nur geringe oder keine Veränderungen besitzt. In diesen Gemeinden kann mit einem moderaten Wachstum gerechnet werden. Hierzu zählen Harsewinkel, Rietberg, Steinhagen und Versmold.

3)    Die Obere Variante ist durch einen Anstieg der Bevölkerungszahlen gekennzeichnet, während die Untere Variante abnehmende Bevölkerungszahlen aufweist. Für diese Gemeinden ist die Aussage nicht so eindeutig. Ein Bevölkerungswachstum ist nur unter relativ starken Wanderungsgewinnen (im Vergleich zum Basiszeitraum) möglich. Zu dieser Gruppe gehören die Gemeinden Borgholzhausen, Halle, Herzebrock-Clarholz, Langenberg, Schloß Holte-Stukenbrock und Werther.

Einen Überblick über die relative Entwicklung  in der Oberen Variante bis zum Jahr 2035 liefert diese Tabelle, nach Gemeinden und Altersgruppen:

Alter

0-2

3-5

6-9

10-15

16-18

19-24

25-44

45-64

65-79

80-109

Ges

Kreis

1,08

1,11

1,07

0,96

0,87

0,93

1,05

0,95

1,47

1,58

1,09

BGH

1,05

1,05

0,94

0,81

0,78

0,86

0,99

0,87

1,47

1,31

1,01

SGT

1,10

1,13

1,15

1,07

0,98

0,99

1,06

0,97

1,45

1,59

1,12

HAL

1,00

1,10

0,93

0,89

0,83

0,95

1,00

0,86

1,34

1,52

1,03

HAR

1,11

1,12

1,15

0,98

0,89

0,91

1,09

0,99

1,49

1,68

1,11

HCL

1,05

1,02

0,90

0,86

0,75

0,93

0,98

0,95

1,61

1,46

1,05

LAN

1,11

1,15

2,00

0,86

0,74

0,91

1,07

0,92

1,66

1,59

1,09

RIE

1,04

1,08

1,13

0,90

0,80

0,85

1,03

0,90

1,60

1,71

1,07

RWD

1,12

1,08

1,06

0,92

0,82

0,93

1,07

1,02

1,44

1,40

1,09

SHS

1,04

1,08

1,04

0,96

0,84

0,88

1,02

0,87

1,46

1,79

1,05

STH

1,08

1,09

1,11

0,95

0,82

0,89

1,01

0,89

1,34

1,61

1,0

VERL

1,10

1,12

1,04

0,99

0,85

0,94

1,07

1,02

1,55

1,69

1,12

VERM

1,02

1,10

1,03

0,92

0,85

0,88

1,07

0,92

1,51

1,58

1,08

WER

1,07

1,15

0,95

0,92

0,83

0,89

1,01

0,87

1,37

1,58

1,04

 

 


Weitere Analysen

Erstmals wurden in diesem Demografiebericht auch Wanderungsanalysen vorgenommen. Dabei wurde für die kreisangehörigen Gemeinden untersucht, aus welchen Kreisen bzw. Ländern die höchsten Zuzugszahlen kommen und wohin die stärksten Fortzüge stattfinden. Ein weiteres Kapitel stellt die Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Ortsteile im letzten Jahrzehnt dar.

Zum Thema: Demografiebericht 2015 in Stichworten

Ein Überblick über die Wanderungsströme mit der Stadt Münster. Quelle: Demografiebericht Kreis Gütersloh 2016Großbildansicht
Ein Überblick über die Wanderungsströme mit der Stadt Münster. Quelle: Demografiebericht Kreis Gütersloh 2016

  • Kreis Gütersloh und pro Wirtschaft GT unterstützen die 13 Kommunen im Kreis mit einem Gesamtdemografiebericht für die ganze Region, der Letzte ist von 2011.
  • Warum jetzt ein neuer Bericht? Dieser dient der Vorbereitung der Region auf den geplanten Regionalplan der Bezirksregierung Regierung Detmold. Der Demografiebericht operiert mit echten Zahlen aus den Einwohnermeldeämtern. Damit werden zukünftige Spielräume für Siedlungsräume begründet.
  • Die Gutachter rechnen mit zwei Varianten, einer "pessimistischen" (unteren)  und einer "optimistischen" (oberen) Variante, die sich aber  in der Vergangenheit als realistischere erwiesen hat.
  • Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
  • Der Kreis Gütersloh wächst bis 2035 um maximal  30.000 Einwohner.
  • Auch im Kreis gibt es die größte Zuwanderung in die größeren Städte wie zum Beispiel Gütersloh mit maximal  11.000 neuen Einwohnern  bis 2035.
  • Durch die Flüchtlinge wird kein erheblicher Wanderungsgewinn erwartet, aber die Alterung wird abgemildert.
  • Die Lebenserwartung eines männlichen Gütersloher Neugeborenen hat sich deutlich erhöht auf 79 Jahre, mehr als im Bundesdurchschnitt, das heißt man lebt im Kreis Gütersloh länger und gesünder.
  • Die Senioren über 80 Jahre nehmen bis 2035 um bis zu 58 Prozent zu.
  • Die Zahlen der Rentner ab 65 (bis 80 Jahre) werden fast verdoppelt.
  • Dagegen gibt es kein Wachstum mehr bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren, eher eine leichte Abnahme bis zu 10 Prozent.
  • Harsewinkel und Schloß-Holte Stukenbrock haben Spitzenwerte bei den Geburten und liegen mit 1,72 (Geburten je Frau) weit über den Bundesdurchschnitt mit 1,47.
  • Erstmalig wurde die Bevölkerungsentwicklung in den Ortsteilen bis 2014 untersucht, auch hier gibt es bei den Altersstrukturen erhebliche Unterschiede.
  • Erstmalig liegen Zahlen für Wanderungen aus und in die Kommunen vor. Dazu ein Beispiel aus Gütersloh: Während aus der Türkei in den vergangenen vier Jahren nur 112 Personen zuzogen, so waren es aus Polen 2606 und aus Rumänien 1797 Personen (viele davon vermutlich bei einem großen Konzern der Fleischwirtschaft  beschäftigt) .

Demografiebericht 2015

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