Auftakt zum Klimaschutzkonzept: Energiebewusstsein schaffen!

Gütersloh, 20. April 2012. Er kam, sah und gewann. Prof. Dr. Bernhard Mundus aus Münster gewann die Menschen für sich und sein Thema: "Klima- und Ressourcenschutz im Kreis Gütersloh – die zentrale Aufgabe zur Sicherung der Zukunft", lautete sein anspruchsvoller Vortrag vor vollem Saal in der Rotunde des Kreishauses Gütersloh.

Prof. Dr. Mundus in der Rotunde des Kreishauses Gütersloh vor vollem Saal
Volles Haus. Während im Hintergrund noch Stühle angeschleppt werden, beginnt Professor Dr. Ing. Bernhard Mundus von der Fachhochschule Münster mit seinem Vortrag.

Ansprechend war Mundus im besten Sinne des Wortes. Man wartete darauf, dass er einem die gute alte Glühbirne verbieten werde, was er nicht tat. Provozierend und zugleich humorvoll machte der Professor der Fachhochschule Münster den 120 Interessierten aus dem Kreis  Gütersloh deutlich: Wir wissen eigentlich kaum etwas über Energie, mehr wissen wir darüber, was sie kostet. Szenarien stellte der Professor auf, was mit dem Klima geschieht, wenn wir weiter so verbrauchen, wenn wir nichts tun. Düster. Seine Forderung: "Den Schritt von der fossilen zur regenerativen Energieversorgung schaffen."

Genau diesen Faden nahm später am Abend Elektromeister Markus Schierl auf, der über Speichertechnologie referierte. Einig waren sich der Handwerker und der Wissenschaftler, dass wir das Problem lösen, wenn es uns gelingt, Energiespeicher zu entwickeln.

Es war wohl auch aus Mundus' Munde die Aussage, dass die dezentrale Energieversorgung zunehmen muss und sich auf regionale Akteure verlagert, die plötzlich klar machte, warum man eigentlich abends um sieben im Kreishaus sitzt. Landrat Sven-Georg Adenauer hatte es zuvor in seiner Begrüßung gesagt: "Wir haben die Schwierigkeit, aber auch die Chance, ein globales Thema lokal anzupacken. Unaufgeregt und nicht ideologisch verbrämt", solle man das tun.

Unterdessen mahnt Mundus weiter: "Diskutieren sie über den ersten Schritt überhaupt: Energie einsparen!" Erst danach kämen die Gedanken zur Erhöhung der Umwandlungseffizienz. Und dann erst kommen die regenerativen Energien. Denn erst, wenn wir unseren Verbrauch senken, können die regenerativen Energien langfristig unseren Bedarf abdecken. Und dann noch mal Mundus zur Glühbirne: Das seien Kleinigkeiten im Vergleich zu den wirklich großen Verbrauchern: Raumwärme, Produktionswärme und mechanische Energie für Mobilität. Dieses bestätigte sich auch in der ersten Energiebilanz für den Kreis Gütersloh. Diese hat das Büro infas enermetric aus Emsdetten als Grundlage des Klimaschutzkonzeptes aufgestellt. Reiner Tippkötter von Infas-Enermetric: "Sie haben eine gute Plattform hier in Gütersloh. Nutzen Sie das."

Impulsreferate in eben diese Richtung kamen von Uwe Pöppelmann seitens der Stadtwerke Gütersloh ("Netzwerke schaffen und Bürger beteiligen") und Fritz Husemann, Firmeninhaber aus Gütersloh, der sich Gesetze wünschte, die die Effizienz steigern. Plakativ forderte er, dass eine Kaufentscheidung nicht mit dem Blick auf das Preisschild, sondern mit dem Blick auf die Kosten für den laufenden Betrieb fallen müsse: "1,5 Prozent einer Pumpe gehen für den Kaufpreis drauf, 0,5 Prozent für die Installation und 98 Prozent sind Energiekosten. "Wer kauft, sollte den Lebenszyklus des Produktes betrachten." Dass er positiv denkt, zeigte Rüdiger Ropinski in Vertretung des Rietberger Bürgermeisters. Er stellte in den Raum, dass Rietberg bis 2030 energieautark sein wolle - was der Raum mit einem Raunen quittierte.

Mit einem Statement meldete sich Oliver Groteheide aus Gütersloh zu Wort. "Es ist kein Wissensproblem", stellte der Bürger fest. Er fragte in die Runde: "Wo sitzt der Feind?" - und nannte explizit "Wirtschaft und Lobbyarbeit."

Mundus aber machte Mut. Beispiele führte er aus dem Kreis Steinfurt an, wo Stadtwerke aus der näheren Umgebung Strom kaufen und an die Bürger liefern. Wo zertifizierte Engergieberater gewerkneutral beraten - wichtig für das Wohnen im ländlichen Raum. Und er machte klar, dass der Kreis Gütersloh mit dem Klimaschutzauftakt gerade eine riesige Chance hat, die es wahrzunehmen gelte. "Wir (damit meinte er die Steinfurter) haben gar nicht genug Akteure, um all die guten Projekte abzuarbeiten." Da ermutigte Energiemanagerin Kim Nadine Ortmeier zum Schluss des Auftaktes: "Wer Interesse am Thema hat, kann in den Workshops über den Sommer mitarbeiten. Wir werden über Presse und Internet weiter informieren."

Rund war das, was das Energieteam des Kreises Gütersloh mit Fachbereichsleiter Frank Scheffer, Abteilungsleiter Wilhelm Gröver, Wolfgang Schulze, Ursula Thering und Kim Nadine Ortmeier angestoßen hatten. Aber der Clou kam zum Schluss. Der Hebel, wo man ansetzen muss, die Lösung. Leise kam sie daher und allmählich dämmerte es, es geht nicht um bloß Energie und Technik. Es geht um Erziehung und Bildung. Mundus: "Wir müssen unsere junge Generation mit diesem Wissen ausstatten. Die, die um das Jahr 2000 geboren wurden, die demnächst Entscheider sind, denen müssen wir das Energiebewusstsein mitgeben."

Kontakt : Kim Nadine Ortmeier, Telefon: 05241/85-2763.

Rechenexempel

Wieviel ist eine Kilowattstunde?

Der Wissenschaftler, der das Gefühl für Energie(verbrauch) schärfen will, bedient sich einer Vergleichsrechnung:

Um eine Kilowattstunde Energie zu erzeugen, müsste der Professor zehn Stunden lang mit einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde radeln.

Mit dieser Energie könnte er

  • einmal die Waschmaschine bei 60 Grad laufen lassen,
  • 17 Stunden lang eine 60-Watt Glühlampe brennen lassen
  • oder 18 Minuten lang sein Haus heizen.

Zum Vergleich: Wir Bundesbürger verbrauchen pro Tag rund 100 Kilowattstunden Energie.