Equal Pay Day 2012: "Schluss mit ungleicher Bezahlung der Frauen"

Gütersloh. Rund 23 Prozent verdienen Frauen hier zu Lande weniger als ihre männlichen Kollegen. Damit ist Deutschland Schlusslicht in Europa, lediglich in Österreich, Tschechien und Estland werden Frauen noch schlechter bezahlt.

Die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt und des Kreises Gütersloh gemeinsam mit dem DGB und der NGG mit Flyern zum Equal Pay Day
Fordern gleichen Lohn für gleiche Arbeit: (v.l.) Gaby Böhm, Ge-schäftsführerin der NGG in OWL, Ellen Wendt, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Gütersloh, Inge Trame Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gütersloh und Astrid Bartols, Vorsitzende und Geschäftsführerin des DGB OWL.

"Mit dieser Lohnungerechtigkeit muss endlich Schluss sein", fordern die Gleichstellungsstellen der Stadt und des Kreises Gütersloh gemeinsam mit dem DGB. Zum Equal Pay Day sagen sie der ungleichen Bezahlung von Frauen mit Vorträgen und Workshops den Kampf an.

"In Sachen Entgeltgerechtigkeit ist Deutschland Entwicklungsland und das trotz entsprechender Gesetze und Verfassungsnormen", sagt Inge Trame, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gütersloh. Am 23. März haben Frauen in Deutschland das Auskommen erzielt, welches ihre männlichen Kollegen bereits am 31. Dezember des vergangenen Jahres ihr Eigen nennen konnten. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung verdienen Frauen in einem so genannten Frauenberuf in Vollzeit durchschnittlich 2.766 Euro brutto. Männer hingegen verdienen in einem so genannten Männerberuf durchschnittlich 4.877 Euro brutto.

Und damit nicht genug: Immer mehr qualifizierte Frauen finden sich in der Leiharbeit wieder, die sehr häufig mit Niedriglöhnen agiert. "Im Kreis Gütersloh haben wir rund 2.500 Leiharbeiter im Niedriglohnbereich. Davon sind 600 Frauen, Tendenz steigend", berichtet Astrid Bartols, Vorsitzende und Geschäftsführerin des DGB OWL. "Hinzu kommt die große Anzahl an Frauen mit 400-Euro-Jobs. Fast 80 Prozent der Beschäftigten in diesem Bereich sind Frauen." Dadurch wachse der Bedarf an ergänzendem Arbeitslosengeld II, der sogenannten Aufstockung, die nicht nur die betroffenen Frauen sondern auch die Kommunen belaste.

Häufig werden Entgeltunterschiede auf so genannte Familienzeiten, auf eine höhere Bereitschaft der Frauen Familien- und Pflegearbeiten zu übernehmen, zurückgeführt. Auch sind Frauen nach wie vor deutlich seltener auf den gut bezahlten Führungsebenen anzutreffen. "Nachvollziehbare Gründe, warum Frauen bei vergleichbaren Tätigkeiten schlechter bezahlt werden als Männer, gibt es überhaupt nicht", meint Ellen Wendt, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Gütersloh. Familienzeiten führten nicht zu einer Minderung der Qualifizierung im Beruf. Insbesondere seien diese Frauen besonders fähig, sich ihre Zeit gut einzuteilen, da sie Familie und Job unter einen Hut kriegen müssten, so die Gleichstellungsbeauftragte.

"Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, das muss das Ziel sein. Deutschland darf nicht länger Schlusslicht in Europa sein" betont Gaby Böhm, Geschäftsführerin der NGG in OWL. "Mit Workshops und Vorträgen wollen wir für das Thema sensibilisieren." Der Equal Pay Day soll dafür der Startschuss sein. In einem Vortrag am 26. Juni um 19 Uhr in der Volkshochschule Gütersloh wird Prof. Dr. phil. Martina Stangel-Meseke die "Lebensfairläufe" für Frauen und Männer beleuchten. Im Herbst werden die Akteurinnen zu einem Workshop zum Thema "Entgeltungleichheit" einladen, der sich an Interessenvertretungen in Betrieben, Verwaltungen und Kommunen, aber auch andere Interessierte richten wird. Wendt: "Wir möchten in Gütersloh ein breites Bündnis für die Entgeltgleichheit schaffen."