Jobcenter und Jugendämter arbeiten eng zusammen: Job darf nicht an Kinderbetreuung scheitern

Gütersloh, 29.05.2012. Der Weg raus aus der Arbeitslosigkeit und rein in den Job darf nicht an einer fehlenden Kinderbetreuung scheitern. Darin sind sich die Bürgermeister der drei Städte mit eigenem Jugendamt und der Kreis Gütersloh einig.

Joachim Martensmeier, Lothar Busche, Theo Mettenborg, Hilde Knüwe, Paul Hermreck, Rolf Erdsiek und Christian Jung mit der unterschriebenen Vereinbarung.
Unterschrieben die Vereinbarung für eine engere Zusammenarbeit der vier Jugendämter im Kreis mit dem Jobcenter, um SGB II-Bezieher bei der Kinderbetreuung besser zu unterstützen (v.l.): Joachim Martensmeier, Lothar Busche, Theo Mettenborg, Hilde Knüwe, Paul Hermreck, Rolf Erdsiek und Christian Jung.

Denn gerade Familien und Alleinerziehende brauchen verlässliche Strukturen, um die persönliche Lebenssituation mit den beruflichen Anforderungen in Einklang zu bringen. Deshalb unterschrieben jetzt die Vertreter der Städte Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück und Verl sowie vom Kreis Gütersloh eine Vereinbarung, um bei der Kinderbetreuung eine engere Zusammenarbeit von Jobcenter und den vier Jugendämtern im Kreis Gütersloh zu gewährleisten.

"Das ein wichtiger Schritt zu einer bürgerfreundlichen Familienpolitik", erklärte Kreisdirektor Christian Jung. Fehlende Kinderbetreuung sei ein maßgebliches Vermittlungshemmnis - gerade bei Alleinerziehenden, aber nicht nur bei ihnen. Im Dezember 2011 waren laut einer Erhebung des Jobcenters von allen 12.128 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten 1655 alleinerziehende Elternteile, die mit 1261 Kindern unter 15 Jahren zusammen leben (293 waren unter drei Jahren).

"Der Stadt Verl ist die Förderung von Familien ohnehin schon immer ein großes Anliegen gewesen. Auch Alleinerziehende zu unterstützen, ist uns dabei sehr wichtig. Das stellt auch unser Familienpass unter Beweis, den wir gerade erst noch erheblich aufgewertet haben.  Deshalb begrüße ich die Vereinbarung sehr und hoffe, dass wir damit vielen Müttern und Vätern konkrete Hilfe bieten können", meinte Verlas Bürgermeister Paul Hermreck. Für die Stadt Rheda-Wiedenbrück unterschrieb Bürgermeister Theo Mettenborg den Vertrag, für die Stadt Gütersloh in Vertretung von Bürgermeisterin Maria Unger der Leiter des Geschäftsbereichs Bildung, Jugend, Familie und Soziales, Joachim Martensmeier. Mettenborg: "Ich begrüße die Unterstützung der alleinerziehenden Eltern beim Wiedereinstieg in den Beruf. Das ist für sie persönlich und zugleich für die Gesellschaft ein Gewinn."

Zur praktischen Umsetzung: Wenn SGB II-Bezieher ihrem Arbeitsvermittler im Jobcenter signalisieren, dass sie eine Kinderbetreuung benötigen, wendet sich der Vermittler direkt an das entsprechende Jugendamt - in Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück und Verl an das städtische, für alle anderen Kommunen im Kreis Gütersloh an das des Kreises. Das kurz und knapp gehaltene Formular zum Betreuungswunsch landet dann bei den Experten vor Ort auf dem Tisch. Martensmeier: "Gerade viele junge Eltern wissen häufig gar nicht, wie vielfältig die Betreuungsformen sind und dass Kommunen und Kreis zum Beispiel auch Tagesmütter und -väter vermitteln." Der erwerbsfähige Leistungsempfänger verpflichtet sich, Kontakt mit den Kinderbetreuungsexperten der Jugendämter aufzunehmen. Die klären in der Zwischenzeit, welche Möglichkeiten für den gewünschten Zeitraum zur Verfügung stehen. Dann erhält der Jobcenter-Mitarbeiter eine Rückmeldung, die im Idealfall lautet: Vermittlungshemmnis Kinderbetreuung ausgeräumt.

So sollen SGB II-Bezieher schnelle und konkrete Unterstützung erhalten bei der Frage, wo und wann bekomme ich einen Betreuungsplatz für mein Kind oder meine Kinder? Das können Betreuungsplätze in Kindertageseinrichtungen, bei Tagesmüttern- oder -vätern oder der offenen Ganztagsschule sein. Auch immer mehr Unternehmen haben die Betreuungsbedarfe erkannt und erleichtern durch Betriebskindergärten die Vermittlung von Plätzen. Die Spezialisten in den Jugendämtern stehen auch für weitere Fragen allen Müttern und Vätern mit Rat und Tat zur Seite.

Seit Anfang des Jahres nimmt der Kreis Gütersloh die Aufgaben nach dem Sozialgesetzbuch (Hartz IV) als verantwortlicher Grundsicherungsträger allein wahr. Anspruch war es von Anfang an, eine integrierte Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Sozialpolitik aus einem Guss zu realisieren: Die enge Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern und Jobcenter steht für diesen Anspruch.  "Das Jobcenter", so Abteilungsleiter Rolf Erdsiek im Fachbereich 5/Jobcenter beim Kreis Gütersloh, "berät und begleitet die Familien und Alleinerziehenden, um eine berufliche Integration in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen, die Jugendämter sorgen für die Kinderbetreuung - das ist Arbeit Hand in Hand." Und für die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt im Jobcenter Kreis Gütersloh, Hilde Knüwe, ist die Vereinbarung auch ein Stück Chancengleichheit: "Die Betreuung von Kindern sicherzustellen, trägt entscheidend zu einer gleichberechtigten Teilhabe beider Elternteile, insbesondere aber von Frauen am Arbeitsmarkt bei."

Zum Thema: "Alleinerziehend - aber nicht allein"

Dieser Kerngedanke wird auch in einem seit April 2012 durchgeführten speziellen Projekt für Alleinerziehende im SGB II umgesetzt. Unter dem Titel "Alleinerziehend - aber nicht allein!" werden 120 Alleinerziehende intensiv über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr von persönlichen Ansprechpersonen aus dem Fallmanagement des Jobcenters Unterstützungs-, Betreuungs- und Beratungsleistungen zur Verfügung gestellt.

Erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die alleinerziehend sind, waren bereits im Optionsantrag als eine der Zielgruppen benannt worden, um die man sich künftig verstärkt individuell kümmern will. Entsprechend der Problemlagen werden vorhandene, regionale Netzwerkstrukturen genutzt, um die Voraussetzungen für  eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt zu schaffen.