Mut zu mehr Gelassenheit: Jakobs-Greiskraut

Gütersloh, 16.07.2010. Vor allem Pferdebesitzern und Landwirten ist es ein Dorn im Auge, aber es hat in der Natur seine Berechtigung: Das Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea). Nicht erst seit ein paar Jahren ruft diese Pflanze ein geteiltes Echo hervor.

Jacobs-Greiskraut oder Jakobs-Kreuzkraut ist eine mehrjährige meist 30 bis100 Zentimeter große Staude mit einer Blattrosette am Grunde, aus der im zweiten Jahr die Blütenstände treiben. Sie ist Bestandteil der heimischen Flora und weit verbreitet.
Jacobs-Greiskraut oder Jakobs-Kreuzkraut ist eine mehrjährige meist 30 bis100 Zentimeter große Staude mit einer Blattrosette am Grunde, aus der im zweiten Jahr die Blütenstände treiben. Sie ist Bestandteil der heimischen Flora und weit verbreitet.

Die sonnengelbe Blüte dieser in Europa und Westasien heimischen Pflanze bereichert die Landschaft mit ihren Blüten von Juni bis September. Sie wächst an Bahndämmen und auf Brachflächen, in übernutzten Pferdeweiden, am Rande von Parkplätzen und auf Brachländern - auch am Kreishaus Gütersloh kommt sie vor.

Die Pflanze ist giftig. Das Jakobs-Greiskraut enthält in allen Teilen der Pflanze Pyrrolizidin-Alkaloide, die für Säugetiere toxisch sind. Beschrieben wurden Vergiftungen bei Pferden und Wiederkäuern.

Die Pflanze in der Landwirtschaft

Hans-Martin Bröskamp von der unteren Landschaftsbehörde weiß: "Pferde und Rinder sind wohl empfindlicher als Schafe und Ziegen. Dabei wird die Pflanze in der Regel von erfahrenen Tieren aufgrund ihres bitteren Geschmackes gemieden." In Heu und Silage verliere das Jakobs-Greiskraut diese Geschmackseigenschaften, behielte jedoch seine Giftigkeit. In diesem Zustand würde die Pflanze dann nicht mehr erkannt und mit dem Futter aufgenommen. Die besondere Gefährlichkeit bestehe in der kumulativen Wirkung des Giftes. Über den Zeitraum der Aufnahme sammelten sich die Pyrrolizidin-Alkaloide in der Leber an, was zur Schädigung der Leberzellen und damit zur Erkrankung des Tieres führen könne.

Gefahren sinnvoll abwenden

"Im Grünland sorgen deshalb die Viehhalter selbst dafür, dass ihre Flächen frei von Jakobsgreiskraut bleiben. Sie stechen die Pflanzen frühzeitig aus", weiß der Pflanzen-Fachmann und plädiert gleichzeitig für Gelassenheit im Umgang mit dem Kraut: "Auf nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen, beispielsweise auch Straßenrändern wachsende Bestände des Jakobs-Greiskrauts sind als natürlich anzusehen. Auf diesen wirtschaftlich nicht genutzten Flächen besteht aus naturschutzfachlicher Sicht grundsätzlich keinerlei Veranlassung, Bestände zu bekämpfen."

Ökologische Belange sinnvoll berücksichtigen

Denn die Pflanze ist im Gefüge der Lebewesen durchaus wichtig. "Zwingend angewiesen ist der Blut-Bär auf das Jakobs-Greiskraut. Die auffällig orangegelb-schwarzgestreifte Raupen frisst einzig an dieser Pflanze", erklärt Claudia Quirini von der Biostation Gütersloh-Bielefeld. Die Raupe nehme durch Fraß am Jakobs-Greiskraut die giftigen Pyrrolizidin-Alkaloide auf und mache sich somit für Fressfeinde ungenießbar. "Die grellen Farben von Raupe und Falter dienen als Warnung für die Feinde", weiß die Diplom-Biologin. Der Blut-Bär ist eine Wärme liebende Art, die in der Westfälischen Bucht auf der Roten Liste steht und für unseren Raum als stark gefährdet gilt.

Neben zahlreichen weiteren Schmetterlingsarten und Wildbienen, die die auffällig gelben Blüten des Jakobs-Greiskrautes als Nektarpflanze nutzen, leben wohl auch spezialisierte Arten der Rüsselkäfer auf dieser Pflanzenart. Insgesamt wurden bislang mehr als 200 Arten von Wirbellosen an der Pflanze nachgewiesen, die damit eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele Insekten darstellt.

Die Pflanze in der Stadt

In der Stadt, wo es in der Regel keine Viehaltung gibt, führt das Jakobs-Greiskraut daher nicht zur unmittelbare Gefährdung von Tierbeständen. Und giftige Pflanzen gäbe es sowohl in der Stadt als auch auf dem Lande zu Hauf. Bröskamp: "Wenn wir alle giftigen Arten bekämpfen wollten, hätte man viel zu tun, gerade in Ziergärten finden sich viele auch für Kinder nicht ungefährliche Arten: Maiglöckchen, Eisenhut, Narzisse, aber auch Sträucher und Bäume wie Goldregen, Rhododendron, Eibe oder Lorbeerkirsche."

Die Kreisverwaltung behält das Greiskraut auf den Wiesenflächen am Kreishaus im Auge, um einer übermäßigen Ausbreitung entgegenzuwirken. Bei Bedarf werden überhand nehmende Pflanzen ausgegraben und schadlos beseitigt.