Perspektive Berufsabschluss: Studienergebnisse veröffentlicht - Jugendliche bewerten Bildungsgänge der Berufskollegs positiv

Gütersloh, 19.03.2012. Wie beurteilen Jugendliche den Übergang von der Schule in den Beruf? Welche Chancen haben sie nach Abschluss eines Bildungsganges? Diese und weitere Fragen beantwortet eine Studie des Bildungsbüros des Kreises Gütersloh und der Sozialforschungsstelle der Technischen Universität Dortmund. Überraschendes Ergebnis: Jugendliche bewerten Bildungsgänge durchaus positiv und das zurecht.

Präsentation der Studienergebnisse im Kreishaus Gütersloh
In Kleingruppen diskutierten (v.l.) Rainer Palsherm, Kolping-Berufsförderungszentrum, Kreisdirektor Christian Jung, Kathrin Adämmer, Leiterin des Projekts "Perspektive Berufsabschluss", Dr. Bastian Pelka, von der Sozialforschungsstelle der Technischen Universität Dortmund, Dr. Rüdiger Krüger, Leiter der Volkshochschule Reckenberg-Ems, Gudrun Ma-ckensen, Leiterin der Abteilung Schule, Bildungsberatung und Sport, und Heinz Driftmeier, Leiter des Carl-Miele-Berufskollegs, die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen im Kreishaus Gütersloh mit weiteren Akteuren des Übergangsmanagements.

Befragt wurden rund 700 Schülerinnen und Schüler der ein- und zweijährigen Bildungsgänge der Berufskollegs des Kreises Gütersloh im Rahmen des Bildungsmonitorings des BMBF-Programms "Perspektive Berufsabschluss". Zu unterschiedlichen Zeitpunkten innerhalb ihrer Schulausbildung bewerteten die Schülerinnen und Schüler ihre berufliche Entwicklung sowie ihre private Lebenswelt. Die Ergebnisse der Studie und daraus entwickelte Handlungsempfehlungen wurden am Montag, 19. März 2012, mit etwa 40 Akteuren des Übergangsmanagements im Kreishaus Gütersloh diskutiert.

"Die ein- und zweijährigen Bildungsgänge werden oft als schulische Hängematte oder Parkposition betrachtet", berichtete Kathrin Adämmer, Leiterin des Projekts "Perspektive Berufsabschluss". "Aber den Zugewinn, den die Jugendlichen hier sowohl hinsichtlich ihrer beruflichen Perspektive als auch für ihr Privatleben erkennen, ist erstaunlich." 42 Prozent der Schülerinnen und Schüler konnten nach Abschluss des Bildungsganges in eine Ausbildung wechseln, Dreiviertel von ihnen sogar in ihrem Zielberuf.

Nicht überraschend aber auch in dieser Studie bestätigt: Das Praktikum ist weiterhin der Königsweg in die Ausbildung und je besser der Schulabschluss, desto höher ist die Chance auf eine Ausbildung. "Interessant ist, dass ein Wechsel von einem Bildungsgang in einen anderen sich keineswegs negativ auf die Karriere auswirkt", erklärte Dr. Bastian Pelka von der Sozialforschungsstelle der TU Dortmund.

Fast chancenlos sind hingegen Jugendliche, die den Bildungsgang abrechen. Jungen mit Migrationshintergrund und schlechtem Schulabschluss, deren Eltern nicht erwerbstätig sind, seien besonders benachteiligt, so Pelka.

Dr. Bastian Pelka am Rednerpult
Dr. Bastian Pelka präsentierte die Ergebnisse der Studie zur Jugendsicht auf die Bildungsgänge der Berufskollegs des Kreises Gütersloh.

Um sich beruflich zu orientieren suchen Jugendliche zunächst häufig im privaten Umfeld Rat. Wie die Studie verdeutlicht, erfahren Schüler mit Migrationshintergrund dabei zuhause weniger Unterstützung. "Das zeigt uns, wie wichtig es ist, Eltern aktiv in die Berufsorientierung ihrer Kinder mit einzubeziehen. Vor allem ist es wichtig, Eltern mit Migrationshintergrund für diese wichtige Rolle weiter zu sensibilisieren", betonte Gudrun Mackensen, Leiterin der Abteilung Schule, Bildungsberatung und Sport.

Schulabbrecher gezielt in den Blick zu nehmen und durch ein vernetztes Übergabesystem aufzufangen, ist eine weitere Empfehlung, die aus der Studie resultiert.

"Auch das System der Ansprache können wir verbessern. Mädchen kommen besser mit Lehrkräften klar, Jungen und Migranten hingegen mit Ausbildern", so Pelka. Weiterhin wurde der Aufbau eines kontinuierlichen Bildungsmonitorings für den Kreis Gütersloh von der Sozialforschungsstelle Dortmund empfohlen. Nur so sei es auch zukünftig möglich, aktuelle Entwicklungen zu erfassen und entstehende Bedürfnisse schnell und effektiv in der Bildungslandschaft des Kreises zu berücksichtigen.

Zum Thema: Perspektive Berufsabschluss

"Perspektive Berufsabschluss" ist ein Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, das durch strukturelle Veränderungen den Anteil von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohne beruflichen Abschluss dauerhaft senken will. In 49 Modellregionen sollen dafür Netzwerke in den beiden unterschiedlichen Förderschwerpunkten "Regionales Übergangsmanagement" und "Abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung" nachhaltig etabliert werden.

Der Kreis Gütersloh ist einer von bundesweit 27 Projektstandorten mit dem Förderschwerpunkt "Regionales Übergangsmanagement". Ziel ist es, vorhandene Förderangebote aufeinander abzustimmen, um Jugendlichen einen problemloseren Anschluss von der Schule in eine Berufsausbildung zu ermöglichen.

"Perspektive Berufsabschluss" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung aus Bundesmitteln und von der Europäischen Union aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds mit insgesamt rund 38 Millionen Euro finanziert. Am 31. März 2012 läuft das im Mai 2008 im Kreis Gütersloh gestartete Projekt aus.