Pilotprojekt individuelle Förderung: Kinder und Jugendliche in ihrer Vielfalt fördern

Gütersloh, 15.03.2012. Der Kreis Gütersloh ist eine von fünf Pilotregionen in Nordrhein-Westfalen, in denen sich gesamte Schulkollegien für eine Weiterbildung in individueller Förderung bewerben können. Das Angebot des nordrhein-westfälischen Schulministeriums und der Bertelsmann Stiftung richtet sich an Schulen der Sekundarstufe I, die alle Klassen nach einem abgestimmten Konzept der individuellen Förderung unterrichten möchten.

Die Initiatoren des Projekts
Stellten die Weiterbildung in individueller Förderung etwa 90 Vertretern der weiterführenden Schulen im Kreishaus Gütersloh vor: (v.l.) Ulrich Kober, Leiter des "Kompetenzzentrums Demokratie und Integration" der Bertelsmann Stiftung, Angela Müncher, Bertelsmann Stiftung, Schulamtsdi-rektorin Christel Dahlhoff-Hilbert, Tamara Sturm-Schubert, Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW, Michael Uhlich, Leiter Abteilung Schule Bezirksregierung Detmold, Kreisdirektor Christian Jung und Gudrun Mackensen, Leiterin Abteilung Schule, Bildungsberatung und Sport Kreis Gütersloh.

Am Donnerstag, dem 15. März, informierten sich etwa 90 Vertreter der weiterführenden Schulen im Kreishaus Gütersloh über das Projekt.

"Wir freuen uns, als Kreis Gütersloh dabei zu sein. Die Schulen wünschen sich in diesem Veränderungsprozess gute Unterstützung", erklärt Gudrun Mackensen, Leiterin der Abteilung Schule, Bildungsberatung und Sport beim Kreis Gütersloh. In der ersten Phase können sich acht bis zehn der 35 weiterführenden Schulen im Kreis an dem Projekt beteiligen - je nachdem wie groß die Schulen sind. Nach der Vorstellung am Donnerstag haben die Schulen 14 Tage Zeit, sich anzumelden. Sollten mehr Schulen Interesse an dem Projekt haben, muss ausgewählt werden.

"Schulklassen von heute sind viel heterogener als früher, es gibt gerade im Sekundarbereich I viele Veränderungen", zeigt Schulamtsdirektorin Christel Dahlhoff-Hilbert die Notwendigkeit des Projekts auf. Man nehme: 6 Kinder mit Migrationshintergrund, 2 Kinder mit Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, 2 Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche und dazu noch 15 Kinder, die zwar keine besonders ausgewiesenen Merkmale haben, von ihren Kompetenzen, Fertigkeiten und Fähigkeiten her aber zufällig so unterschiedlich sind wie ein Dutzend Fingerabdrücke. Und siehe da: fertig ist eine reale Klasse, wie wir sie kennen. "Wir müssen die Lehrkräfte stärken mit dieser Vielfalt und mit den Problemen, die damit einhergehen, umzugehen", betont Ulrich Kober, Leiter des "Kompetenzzentrums für Demokratie und Integration" der Bertelsmann Stiftung.

Sechs engagierte Moderatoren und Moderatorinnen, ausgewählte Lehrkräfte, die mit der Hälfte ihrer Arbeitszeit für das Projekt freigestellt sind, befinden sich bereits in der Ausbildung. Sie stellten sich den Vertretern der Schulen vor. Im Kreis Gütersloh wird das Projekt organisiert vom Bildungsbüro (Gudrun Mackensen) und dem Kompetenzteam Kreis Gütersloh (Christel Dahlhoff-Hilbert), die Bezirksregierung Detmold steht unterstützend zur Seite.

Wissenschaftler der Universität Münster konzipierten die Fortbildung und werden sie begleiten. Ziel ist, die Schulen fit zu machen für einen besseren Umgang mit immer heterogeneren Klassen. Erheblich höhere Anmeldezahlen an Gymnasien haben dazu ebenso beigetragen wie steigende Zahlen von Schülern mit Migrationshintergrund. Die Herausforderung an Lehrkräfte, allen Schülern in einer Klasse gerecht zu werden, wird nochmals größer, je mehr Schulen sich dem gemeinsamen Unterricht für behinderte und nicht behinderte Kinder öffnen.

"Das Pilotprojekt ist ein Anfang - sowohl das Land NRW als auch die Bertelsmann Stiftung denken an eine Ausweitung. Es ist keine Eintagsfliege", stellt Dahlhoff-Hilbert klar. Schulen, die jetzt nicht in die zweijährige Ausbildung einsteigen können, erhalten später ein erneutes Angebot.

Das Angebot richtet sich nicht an einzelne Lehrkräfte, sondern nur an Kollegien, die als Team ein gemeinsames Konzept individueller Förderung im Unterricht für ihre Schule erarbeiten möchten. Ab dem Schuljahr 2012/13 bieten NRW-Schulministerium und Bertelsmann Stiftung die Fortbildungen in den Pilotregionen Bonn, Borken, Düsseldorf, Gütersloh und Hamm an.

Weitere Auskünfte erteilt das Bildungsbüro des Kreises Gütersloh, Tel.: 05241 85 1507.