Auftaktveranstaltung zum Kreiswettbewerb 2017

Gütersloh, 01.06.2017. Rund 60 interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen trotz der tropischen Temperaturen zur Auftaktveranstaltung von ‚Unser Dorf hat Zukunft‘ ins Kreishaus Gütersloh.

Landrat und Publikum
Landrat Sven-Georg Adenauer begrüßte die Besucher und Referenten im Kreishaus Gütersloh. In der ersten Reihe (v .l.) die drei externen Referenten: Dr. Waldemar Gruber, Landwirtschaftskammer NRW, Rainer Vidal, Bürgermeister der Stadt Nieheim, und Dr. Lutz Wetzlar, Stadt- und Landschaftsplaner. Foto: Kreis Gütersloh

Auch Bürgermeisterin Susanne Mittag (Langenberg) sowie ihre Kollegen aus Borgholzhausen und Versmold, Dirk Speckmann und Michael Meyer-Hermann waren unter den Zuhörern. Mit dieser Veranstaltung startete der Dorfwettbewerb wieder auf Kreisebene. 2018 folgt dann der Landeswettbewerb und 2019 der Bundeswettbewerb.

Die diversen Kurzreferate während der Auftaktveranstaltung sollten erste neue Impulse und Ideen geben, um sich bei 'Unser Dorf hat Zukunft' zu bewerben. Denn obwohl das Interesse an der ländlichen Entwicklung steige, sinke gleichzeitig das Interesse in OWL an diesem Wettbewerb mitzumachen, stellte Landrat Sven-Georg Adenauer in seiner Begrüßung fest. "Dabei stehen wir im Kreis Gütersloh noch gut da. Denn wir haben aktive Dorfgemeinschaften und betreiben seit Jahrzehnten eine erfolgreiche Dorfentwicklung", so Adenauer weiter. Dennoch dürfe man nicht nachlassen und die Dörfer abhängen. Auch sie müssten sich anpassen und mit der Zeit gehen. Und für die Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen und Konzepte sei der Dorfwettbewerb ein sehr guter Anlass.

Mit seinem Auftaktvortrag rekapitulierte der Stadt- und Landschaftsplaner Dr. Lutz Wetzlar die Geschichte des Wettbewerbs. Die ursprüngliche Idee in den 1960er Jahren war, dass man die Dörfer schöner und sauberer gestaltet, damit sich die Menschen gerne dort niederlassen. Darum hieß der Wettbewerb auch bis ins neue Jahrtausend 'Unser Dorf soll schöner werden'. Ab den 1980er Jahren wurden mehr und mehr regionale Besonderheiten berücksichtigt: Ein toskanischer Terrakottagarten mag schön sein, aber nicht unbedingt landschaftlich passend in der norddeutschen Tiefebene wirken. Mit den 1990er Jahren beginnt ein Wandel in der Ausrichtung des Wettbewerbs. Das Dorf als gestalteter Lebensraum soll nicht nur 'schön' sein, sondern auch angeschlossen bleiben an Versorgung und Mobilität. Demnach stehen auch in diesem Jahr nunmehr fünf Faktoren im Vordergrund, die die Jury bewertet, wie Dr. Waldemar Gruber von der Landwirtschaftskammer NRW in seinem Beitrag ausführte. Das sind Konzeption und deren Umsetzung, wirtschaftliche Entwicklungen und Perspektiven, soziales und kulturelles Leben, Baugestaltung und Entwicklung sowie Grüngestaltung und Dorf in der Landschaft.

Beide Referenten waren sich einige, dass dieser Wettbewerb vor allem von einem hohen bürgerschaftlichen Engagement lebe. Das ist das eigentliche Ziel, dieses zu entfachen - nicht ein Preis noch eine Plakette am Ortseingang. Doch auch das habe Grenzen. Umso wichtiger sei, dass Verwaltung und Bürgerschaft eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen. Dann, so haben es die vergangenen Sieger des Wettbewerbs gezeigt, können nachhaltige Konzepte und Dorfentwicklungen entstehen, die auch Bestand haben.

Als Beispiel für erfolgreiche Teilnahmen am Wettbewerb stellte Rainer Vidal, Bürgermeister der Stadt Nieheim (Kreis Höxter), seine Konzepte aus den vergangenen Jahren vor. "Der Kreis Gütersloh hat alles das, was der Kreis Höxter nicht hat", ordnete Vidal die wirtschaftliche Situation und die Landflucht 'seines' Kreises launig ein. Auch die Stadt Nieheim als zweitkleinste Kommune in OWL ist davon stark betroffen. Vidals Strategie im Dorfwettbewerb ist, möglichst mit allen Ortsteilen der Stadt Nieheim teilzunehmen. Denn die Erfahrung habe gezeigt, dass das Engagement für das eigene Dorf am höchsten sei. "Da können auch schon mal zwei Kilometer einen großen Mentalitätsunterschied ausmachen." Besonders die Älteren identifizierten sich mehr mit dem Dorf als mit einem Kreis, der im Rahmen der kommunalen Neugliederung entstanden ist. Bei einer schrumpfenden Stadt wie Nieheim sieht Vidal vor allem ein großes Potenzial in der Integration von Zuwanderern. "Wer die Schule im Ort erhalten will, muss auch Flüchtlinge wollen", fasst es seine These pointiert zusammen. Darum befasst sich eines der neuesten Projekte - 'Heimatwerker' - mit der beruflichen Integration der Neubürger.

Den Abschluss der Impulsvorträge bildete Ute Kerlen. Unter dem Titel 'Frauen Power' stellte sie das Engagement der Frauen, vor allem der Landfrauen, im Dorfwettbewerb dar. Nicht selten sind es die Frauen, vor allem im sozialen Bereich, die die entscheidenden Ideen in die Dorfgemeinschaft einbringen. "Nur die Außendarstellung - das Sichtbarmachen -, ist uns nicht in die Wiege gelegt worden", stellte sie fest. Auch Kinder und Jugendliche wollen mit einbezogen werden. All das sollte man sich bewusst machen, um keine Chance oder Idee liegen zu lassen. Kerlen selbst war jahrelang Kreisvorsitzende der Landfrauen in Minden und Mitglied der Bewertungskommission auf Landesebene. 2014 ist sie zur 'Landfrau des Jahres' und damit für ihr längjähriges ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet worden.

Interessierte Ortsteile und Dorfgemeinschaften aus dem Kreisgebiet können ihre Anmeldung ab sofort und bis zum 10. Juni beim Kreis Gütersloh, Abteilung Umwelt abgeben. Die Fragebögen des Wettbewerbs sind unter www.kreis-gütersloh.de à Unserer Region à Kreis Gütersloh à Dorfwettbewerb abrufbar und müssen bis zum 20. August ausgefüllt an Astrid Hiemer, geschützte E-Mail-Adresse als Grafik, zurückgesendet werden. Die Bereisung der Teilnehmer erfolgt wahrscheinlich vom 11. bis 13. September. Die Sieger können Geld- und Sachpreise gewinnen. Der Gesamtsieger des Kreiswettbewerbs nimmt 2018 am Landeswettbewerb teil.


Vidal, Hiemer, Gröver
Rainer Vidal (Bürgermeister Stadt Nieheim) hat Astrid Hiemer und Wilhelm Gröver (Kreis Gütersloh) ein Gastgeschenk aus seiner Stadt Nieheim mitgebracht. Foto: Kreis Gütersloh

Zum Thema: 'Unser Dorf hat Zukunft'

Der Kreiswettbewerb 'Unser Dorf hat Zukunft' (früher 'Unser Dorf soll schöner werden') findet alle drei Jahre statt. Teilnehmen dürfen alle räumlich geschlossenen Ortschaften oder Gemeindeteile mit bis zu 3.000 Einwohnern und vorwiegend dörflichem Charakter.

Ziel ist es, die Menschen auf dem Land zu motivieren, die Zukunft ihrer Dörfer verantwortlich und nachhaltig mitzugestalten und weiterzuentwickeln. Die Dörfer werden angeregt, ihre kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen, baulichen und ökologischen Strukturen zu erhalten und diese im Sinne einer Zukunftssicherung weiterzuentwickeln. Das gemeinsame Handeln und das Miteinander sollen dabei im Vordergrund stehen. Dadurch sollen die Einflussmöglichkeiten der Bewohner gestärkt und eigene Mitwirkung intensiviert werden. Außerdem sollen die Zukunftsperspektiven und die Lebensqualität im ländlichen Raum verbessert werden. Nach wie vor stehen auch das Engagement und die Eigenverantwortung der Dorfbewohner im Vordergrund. Besonderes Augenmerk liegt auch auf der Entwicklung in der Wirtschaft, denn die Zukunft der Dörfer ist auch von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig.