"Ein Koffer voll Hoffnung - Arbeitsmigration im Kreis Gütersloh (1955-1973)"

Gütersloh, 30.07.2014. „Ein Koffer voll Hoffnung – Arbeitsmigration im Kreis Gütersloh 1955 – 1973“ lautet der Titel einer Ausstellung, die letztmalig vom 5. bis zum 29. August im Foyer des Kreishauses Gütersloh gezeigt wird.

Koffer voll Hoffnung
Die Ausstellung "Ein Koffer voll Hoffnung" über die Lebensläufe von 15 Arbeitsmigranten wird zum Abschluss im Kreishaus Gütersloh gezeigt.

Sie war bereits im Stadtmuseum Gütersloh, in Rietberg, Harsewinkel, Werther, Steinhagen, Rheda-Wiedenbrück, Versmold, Herzebrock-Clarholz und Borgholzhausen zu sehen und wird jetzt zum Abschluss der Wanderung im Kreishaus gezeigt.

 

Die Ausstellung ergänzt die aktuelle Integrationsdebatte um eine historische Perspektive: Gezeigt wird nicht nur die allgemeine Geschichte der Arbeitsmigration im Kreis Gütersloh von 1955 bis 1973, sondern vor allem auch die persönlichen Lebenswege der ehemaligen Gastarbeiter, ihre (Lebens)Geschichten stehen im Zentrum: Mit welchen Erwartungen kamen sie nach Deutschland, welche Erfahrungen machten sie hier, wie kam es, dass sie hier dauerhaft ansässig wurden? Die Ausstellung spürt diesen und vielen weiteren Fragen nach. Die Lebensläufe von fünfzehn Arbeitsmigranten lassen den Teil des deutschen Wirtschaftswunders lebendig werden, der bisher in der öffentlichen Wahrnehmung nur wenig Beachtung fand.

 

Der Kreis Gütersloh hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Region entwickelt, die in vielen Bereichen von Zuwanderern mitgeprägt wurde. Über 30.000 Menschen mit ausländischem Pass leben heute im Kreis Gütersloh. Viele von ihnen sind in den 1950er und 1960er Jahren als Arbeitsmigranten hierhergekommen. Die Anwerbeverträge, die die Bundesrepublik Deutschland ab 1955 mit Italien, Spanien, Griechenland, der Türkei, Portugal, Tunesien, Marokko sowie Jugoslawien unterzeichnet hat, boten den rechtlichen Rahmen für diese Zuwanderung.

 

Die Arbeitsmigranten kamen in der Regel mit einem klaren Ziel nach Deutschland: hart arbeiten, genügend Geld sparen und nach ein paar Jahren in die Heimat zurückkehren. Doch viele blieben, aus dem Vorübergehend wurde ein Dauerhaft. Die Arbeitsmigranten holten ihre Familien nach oder gründeten sie hier. Aus Deutschland war fast unmerklich ein Einwanderungsland und damit Heimat für Millionen zugewanderter Menschen geworden. Die Geschichte der Arbeitsmigration ist im Kreis Gütersloh bisher nur ungenügend dokumentiert. Die Ausstellung möchte hierzu Abhilfe schaffen und die für die gegenwärtige und zukünftige Entwicklung der Region so wichtige Phase aus einer historischen Perspektive näher beleuchten.

 

Die Ausstellung wurde von der Arbeitsgemeinschaft der Archive im Kreis Gütersloh in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Gütersloh erarbeitet. Ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, Kunstausstellungen und Theateraufführungen hat an den einzelnen Ausstellungsstationen weitere Aspekte zur Geschichte der (Arbeits-)Migration aufgegriffen und vertieft.