Heimat-Jahrbuch 2015: Die Kriege der vergangenen Jahrhundert

Gütersloh, 26.11.2014. Das besondere Augenmerk der aktuellen Ausgabe des Heimat-Jahrbuchs liegt auf den Auswirkungen der Kriege der vergangenen Jahrhunderte auf die Menschen im Kreis Gütersloh. Landrat Sven-Georg Adenauer, der Föttmann-Verlag und das Redaktionsteam stellten die neueste Ausgabe vor.

Heimatjahrbuch Vorstellung
Stellten in der Knopfmanufaktur das Heimat-Jahrbuch 2015 vor (v.l.): Dr. Rolf Westheider (Redaktionsmitglied Heimat-Jahrbuch), Bernhard Klotz (Heimatverein Verl, Autor des Heimat-Jahrbuches), Manfred Dolleschel (Besitzer des Hauses Maasjost, Seniorchef der Firma Union Knopf), Martin Maschke (Kreisheimatpfleger), Ralf Othengrafen (Kreisarchivar und Chefre-dakteur Heimat-Jahrbuch), Friedrich Flöttmann (Flöttmann-Verlag), Fried-rich Fischer (Redaktionsmitglied Heimat-Jahrbuch) und Landrat Sven-Georg Adenauer.

Über das Haus Maasjost, in dem die Manufaktur in diesem Jahr aufgebaut worden ist, hat Autor Bernhard Klotz einen Beitrag für das Jahrbuch verfasst.

 

Seit 1982 erscheint das "Heimat-Jahrbuch Kreis Gütersloh", Friedrich Fischer hatte damals die Erstausgabe initiiert und ein Redaktionsteam um sich versammelt. Die aktuelle Ausgabe ist die 33., die wie in den Vorjahren mit einem Themenmix aus Geschichte, Wirtschaft, Natur, Freizeit, Bildung, Kirche und Kultur aufwartet. Das Heimat-Jahrbuch wird vom Kreis Gütersloh herausgegeben und erscheint mit einer Auflage von 3.500 Exemplaren im Flöttmann Verlag Gütersloh. Die redaktionelle Leitung hat Kreisarchivar Ralf Othengrafen. Der farbige, reich bebilderte Jahresband enthält auf 184 Seiten 26 Einzelbeiträge. Im örtlichen Buchhandel oder über den Flöttmann Verlag Gütersloh kann das Buch zum Preis von 12 Euro erworben werden. Auf den Internetseiten des Kreisarchivs (www.kreis-guetersloh.de/sh/Kreisarchiv) finden Interessierte einen Index mit den bisher erschienenen Themen. Natürlich ist das Heimat-Jahrbuch, neben den vorherigen Ausgaben, auch in der Präsenzbibliothek des Kreisarchivs Gütersloh verfügbar. Wer zu Orts- oder Regionalgeschichte forscht, Schulprojekte vorbereitet oder Familienforschung betreibt, findet dort auch weitere Beratung. Wer sich für die Knopfmanufaktur

 

Wie haben die Menschen in unserer Region die Kriege der vergangenen Jahrhunderte erlebt? Dieser Frage geht das Heimjahrbuch in verschiedenen Beiträgen nach. So nahmen drei Brüder der adligen Familie Korff gen. Schmising, die ihren Stammsitz auf Schloss Tatenhausen bei Halle hatte, als Offiziere am Feldzug gegen Napoleon teil (1815). Anhand von Feldpostbriefen und Erinnerungsberichten zeichnet die Autorin Elisabeth Sommer nicht nur die Schlachten, sondern auch den militärischen Alltag nach: den schmerzhaften Tod von Kameraden, die unzureichende Behandlung von Verwundeten und die schwierige Versorgung der Truppen, die immer wieder auch Requirierungen bei der Zivilbevölkerung erforderlich machte.

 

Als einfache Soldaten erlebten der Marienfelder Joseph Brügge und der Wertheraner Künstler Peter August Böckstiegel den Ersten Weltkrieg (1914-1918). Joseph Brügge hatte sich in der deutschen Kolonie Kiautschou auf dem chinesischen Festland eine neue Existenz aufgebaut, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Er nahm als Obermatrosenartillerist an den aussichtslosen Kämpfen gegen die japanische Armee teil und geriet nach der Kapitulation der deutschen Kolonialtruppen in japanische Kriegsgefangenschaft. Unter schwierigen Bedingungen musste er bis Ende 1919 - ein Jahr nach Beendigung des Krieges - in Kriegsgefangenschaft ausharren, ehe er endlich nach Deutschland, in seinen Geburtsort Marienfeld zurückkehren konnte.

 

Auch Peter August Böckstiegel wurde im Ersten Weltkrieg zum Militär einberufen. Für den Maler aus Werther war dies umso schmerzhafter, hatte er doch erst wenige Monate vor Kriegsausbruch seine spätere Ehefrau Hanna Müller kennen gelernt. Der Krieg wird die beiden - bis auf wenige Urlaubsbesuche - für mehrere Jahre trennen. Ihnen bleibt nur ein intensiver Briefwechsel zwischen Heimat und Front. Insgesamt mehrere hundert Briefe von Peter August Böckstiegel an Hanna Müller haben sich erhalten und wurden von der Autorin Dr. Helga Schoen ausgewertet. Die Briefe bieten Einblicke in die Beziehung des jungen Paares, aber auch in den künstlerischen Schaffensprozess und militärischen Alltag Böckstiegels.

 

Fanden die Schlachten des Ersten Weltkrieges noch fern der ostwestfälischen Heimat statt, musste die Zivilbevölkerung im Zweiten Weltkrieg unmittelbar unter den Folgen der modernen Kriegsführung leiden. So flogen die Alliierten von 1939 bis1945 fast 40 Luftangriffe auf Gütersloh, davon einige speziell auf den Flugplatz Gütersloh. Insgesamt starben durch abgeworfene Bomben und die Beschießung durch Bordwaffen über 300 Menschen. Von den knapp 7.000 Wohnungen, die 1939 in Gütersloh vorhanden waren, wurde über ein Drittel beschädigt oder zerstört. Anhand von Zeitzeugenberichten macht der Historiker Nobert Ellermann diese schwere Zeit erlebbar.

 

Von der kulturellen Vielfalt und dem ehrenamtlichen Engagement im Kreis Gütersloh zeugen das Festival "Europa tanzt in Versmold", das "Volksbank-Symposium Junge Kunst" in Gütersloh und das Clarholzer Hochsprungmeeting. Seit dem Frühjahr 2013 unterhält die Stadt Versmold insgesamt drei Städtepartnerschaften: mit dem polnischen Dobczyce, dem spanischen Tui und dem serbischen Vrdnik. Es sind lebendige Partnerschaften, getragen vom Engagement der Mitarbeiter der Stadtverwaltung, aber insbesondere auch dem ehrenamtlichen Mitwirken von Vereinen und Privatpersonen. Bisheriger Höhepunkt der Städtepartnerschaften war das mehrtägiges Festival "Europa tanzt in Versmold". Knapp 200 Tänzerinnen, Tänzer und Musiker aus den Partnerstädten kamen im Oktober 2013 nach Versmold und brachten das Publikum in der Sparkassenarena zum Toben.

 

Mit einer ungewöhnlichen Idee ging der Lehrer für Mathematik und Kunst am Evangelisch Stiftischen Gymnasium in Gütersloh, Johannes W. Glaw, 1988 zur Volksbank Gütersloh. Es ist allerdings keine Geschäftsidee im engeren Sinne, für die er bei der Bank um Unterstützung wirbt. Er möchte vielmehr ein Arbeitstreffen junger Künstler auszurichten. Sie sollen zum Arbeiten im Evangelisch Stiftischen Gymnasium zusammenkommen, eine Woche lang gemeinsam wirken und anschließend ihre Sachen ausstellen. Die Volksbank ließ sich von der Idee begeistern und sie ging in Serie: das "Volksbank-Symposium Junge Kunst" fand im November 2014 nun schon zum dreizehnten Mal in Gütersloh statt.

 

Seit über zehn Jahren findet in Clarholz ein sportliches Ereignis ersten Ranges statt: das Clarholzer Hochsprungmeeting. Organisiert von der Leichtathletik-Abteilung von Victoria Clarholz und der Laufgruppe LG Volldampf zieht die Veranstaltung immer wieder Scharen von Zuschauern in die Sporthalle an der Wilbrandschule. Das Hochsprungmeeting zeichnet sich durch ein hochkarätiges Wettbewerberfeld aus, wie der Autor Michael Wöstheinrich zu berichten weiß: Sportler aus der Region, aber auch aus vielen deutschen Leichtathletik-Hochburgen und dem benachbarten Ausland finden alljährlich den Weg nach Clarholz.

 

In einem weiteren Beitrag geht es um den Besuch der englischen Königin Elisabeth II. in Gütersloh im Jahr 1965, den sie für einen Besuch der auf dem Flughafen stationierten Soldaten der Royal Air Force nutzte. Auf dem Weg zum Flugplatz bereitete ihr die Gütersloher Bevölkerung einen herzlichen Empfang. Von einer Besonderheit bei ihrem Besuch weiß Autor Rudolf Herrmann zu berichten: da der Sonderzug der Königin die TWE-Strecke von Gütersloh Hbf bis in den Gleisanschluss auf dem Flugplatz befuhr, ist sie der wohl prominenteste Fahrgast, der die TWE jemals benutzt hat.

 

Eine unternehmerische Erfolgsgeschichte zeichnet Andreas Wiedenhaus nach: Vor 125 Jahren von Hugo Simons gegründet, entwickelte sich die Firma Simonswerk aus Rheda zum Branchenführer für Bandtechnik. Mit über 500 Mitarbeitern und Tochtergesellschaften in Großbritannien, Polen und den USA hat sich das Unternehmen als Komplettanbieter spezialisiert auf die Herstellung von Bändern und Bandsystemen für Wohnraum-, Objekt- und Hauseingangstüren für den weltweiten Einsatz.

 

Auf einen Gang durch die Geschichte Rietbergs nimmt uns Stadtarchivar Manfred Beine mit. Von der Ersterwähnung 1289 über die Wirren der Reformation und die verspätete Industrialisierung bis zur Gegenwart zeichnet er die Entwicklungslinien der Stadtgeschichte nach.

 

Auch der Autor Bernhard Klotz zeichnet über einen langen Zeitraum Entwicklungslinien nach, allerdings nicht die einer Stadt, sondern des Hauses Maasjost. Im Zentrum Verls diente es zunächst als Heuerlingshaus, dann viele Jahrzehnte als Geschäftshaus und Druckerei. 2011 kaufte schließlich Manfred Dolleschel das Anwesen und eröffnete hier 2014 ein Knopfmuseum mit einer historischen Knopfmanufaktur. Wer die Manufaktur besichtigen will, sollte sich an den Heimatverein Verl (Telefon 05246/82209) wenden.

 

Mit den Siektälern spürt Helge Jung einer landschaftlichen Besonderheit des Ravensberger Hügellandes nach. Besonders rund um Häger bei Werther haben sich diese kastenförmig eingetieften, schmalen Täler mit steiler Böschungskante und ebenem Talgrund erhalten. Der kastenförmige Ausbau der Siektäler erfolgte am Ende des 18./ Beginn des 19. Jahrhunderts, um möglichst viel überschwemmbares und leicht zu bewirtschaftendes Grünland in der Talsohle zu gewinnen. Die Siektäler haben eine herausragende Bedeutung für das Landschaftsbild und einen besonderen Wert für den Biotopverbund, als Standort für artenreiche Lebensgemeinschaften.