Jobcenter Kreis Gütersloh: Erfolgreiche Integration in den deutschen Arbeitsmarkt

Von Silja Erdsiek

Gütersloh, 26.04.2016. Die Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt ist für das Jobcenter Kreis Gütersloh eine große Herausforderung.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer
Inhaber Paul-Hermann Huxohl ist sehr zufrieden mit Isak Abdulmassih aus Syrien.

Nach Abschluss des Asylverfahrens und der offiziellen Anerkennung als Flüchtling sind die Jobcenter für die Arbeitsvermittlung zuständig. Um die überwiegend 18- bis 30-jährigen Neubürger zu vermitteln, sind die Mitarbeiter deshalb auf enge Zusammenarbeit mit heimischen Unternehmen und Betrieben angewiesen. Um die Sprachbarriere überbrücken zu können, nehmen die meisten Flüchtlinge zunächst an einem Sprachkurs teil, bevor es auf Arbeitssuche geht. Das Unternehmen Hermann Huxohl & Sohn hat einem der Teilnehmer nach einem erfolgreichen Praktikum nun eine weitere Anstellung ermöglicht.

 

Damit Betriebe potenzielle neue Arbeitnehmer besser kennen lernen können, gibt es die Möglichkeit, innerhalb eines berufsbezogenen Sprachkurses ein einmonatiges Praktikum zu absolvieren. So war es auch bei dem 42-jährigen Isak Abdulmassih aus Syrien. Der gelernte Zimmermann lebt seit einem Jahr mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Deutschland. Um die Sprache zu erlernen, machte er zunächst einen sechsmonatigen Sprachkurs bei Inlingua, gefolgt von einem weiteren sechsmonatigen berufsbezogenen Sprachkurs bei der AWO mit einem vierwöchigen Praktikum. Dieses absolvierte er im Edelholzsägewerk Hermann Huxohl & Sohn, das unter anderem Hölzer für den bekannten Flügel- und Klavierbauer Steinway & Sons in Hamburg und New York produzieren. "Man hat direkt gemerkt, dass er gelernter Zimmermann ist", erzählt Inhaber Paul-Hermann Huxohl. "Er weiß, wie man ein Stück Holz anzufassen hat." Auch die Einbringung in den Betrieb und das Klima unter den Kollegen sei kein Problem gewesen: "Am Anfang hatte ich Bedenken, aber innerhalb von drei Tagen hatte er sich hier schon ganz integriert", erzählt Huxohl.

 

"In Deutschland hat bis jetzt alles gut geklappt", erzählt Isak Abdulmassih. "Ich möchte mir hier ein neues Leben aufbauen. In Syrien habe ich alles verloren. Mein Haus und alle meine Werke wurden zerstört." Als Zimmermann stellte er in Syrien unter anderem Möbel aus Holz her. Huxohl sieht für Abdulmassih Aufstiegsmöglichkeiten in seinem Betrieb: "Er ist zuverlässig und immer pünktlich." Bald soll Abdulmassih seinen Gabelstaplerschein machen. "Er bleibt oft länger oder kommt samstags, um das Gabelstaplerfahren zu üben", erzählt Huxohl.

 

Die AWO und vor allem Katrin Schneider vom Jobcenter in Gütersloh haben den Syrer bei der Suche nach einem Praktikumsplatz und bei der anschließenden Anstellung unterstützt: "Sie hat mir sehr bei den Gesprächen mit Hermann und beim Ausfüllen der Papiere geholfen", erzählt Abdulmassih, der seinen Chef inzwischen dutzt. Seine Werke aus Syrien hat Isak Abdulmassih als Bilder auf seinem Handy gespeichert. "Oft helfen Bilder oder Videos mit denen man zeigt, was man in der Vergangenheit erarbeitet hat", erklärt Katrin Schneider. "Wenn keine Arbeitspapiere oder Zeugnisse vorliegen, muss man sich so weiterhelfen."

 

Das Arbeitsverhältnis von Abdulmassih wurde vom Jobcenter gefördert. Arbeitgeber können bei der Einstellung von arbeitslosen Bewerbern mit individuellen Vermittlungshemmnissen einen Eingliederungszuschuss beantragen. Bei Abdulmassih waren es zum einen geringe deutsche Sprachkenntnisse, zum anderen fehlende berufliche Kenntnisse, die in dieser Branche auf dem deutschen Arbeitsmarkt erforderlich sind, erklärt Schneider. "Wir sind auf Arbeitgeber wie Herrn Huxohl angewiesen. Im Moment könnte es ruhig noch mehr davon geben." 

 

Unternehmen, die Interesse daran haben, Flüchtlingen ein Praktikum zu ermöglichen, können sich mit dem Unternehmensservice des Jobcenters unter 05241/85-4466 in Verbindung setzen.