Kernthema Naturschutz lockt über 80 Teilnehmer

Gütersloh,21.03.2016. Das Interesse war groß – denn es ging um Flächen und Flächen sind ein knappes Gut.

Arbeitsgruppe diskutiert über Anregungen, Kritik und Vorschläge
Eindeutig die Arbeitsgruppe mit dem meisten Zulauf: 'Schutzgebiete'. Anregungen, Kritik und Vorschläge für Konfliktlösungen war ihr Arbeitsauftrag.

Der Landschaftsplan für die Stadt Gütersloh drehte sich im dritten Workshop um das Kernthema, den Naturschutz. Und darum, wo dieser unter Berücksichtigung anderer Interessen, etwa der der Landwirte, zu seinem Recht kommt. Im Kreishaus Gütersloh wurden Flächen vorgestellt, die ökologisch wertvoll sind und es wert wären, unter Schutz gestellt zu werden. Dafür hatte das Büro NZO-GmbH, das seit Mitte 2014 zusammen mit dem Kreis Gütersloh an dem Landschaftsplan arbeitet, im vergangenen Jahr unter anderem eine Biotopkartierung gemacht.

 

Über 80 Teilnehmer aus Politik, Landwirtschaft, Kammern und Naturschutzverbänden waren der Einladung ins Kreishaus Gütersloh gefolgt. Fast die Hälfte waren Landwirte. Bevor in vier Arbeitsgruppen konkrete Wünsche und - teils konkurrierende - Ziele erarbeitet wurden, gab es vielfältigen Input: So stellte unter anderem Dr. Günter Bockwinkel von der NZO aus Bielefeld die im vergangenen Jahr vorgenommene Biotoptypenkartierung vor. Die war nötig geworden, weil mit den alten Daten aus den 90er Jahren des vergangenen Jahrtausends nichts mehr anzufangen sei. Unter Berücksichtigung bereits bestehender Daten - etwa dem Flächennutzungsplan, dem Regionalplan und Wiesenvogelkartierungen - lassen sich Suchräume für Schutzgebiete herausarbeiten. Diese Suchräume bilden die Basis für die weitere Diskussion, in der mögliche Konflikte mit anderen Nutzungen und Anforderungen an den Naturschutz aufgezeigt werden. Die beiden ersten Workshops hatten diese anderen Nutzungen zum Inhalt: Im ersten ging es um Erholung und Freizeit, im zweiten um Landwirtschaft.

 

Das Ergebnis der Biotoptypenkartierung fasste Dr. Bockwinkel zusammen: Es gibt im Stadtgebiet eine reich gegliederte, bäuerliche Kulturlandschaft. In den vergangenen Jahren hat es einen Verlust landwirtschaftlicher Flächen zugunsten vor allem von Siedlungen gegeben. Es gibt hochwertige Feuchtgrünlandflächen, dies sei vor allem ein Erfolg des Vertragsnaturschutzes im Kreis Gütersloh. Aber es gebe auch deutliche Defizite bei der Entwicklung von Gewässern und Auen sowie bei Lebensräumen der offenen Feldflur. Die Suchbereiche, mit denen weitergearbeitet wird, sind: Niehorst, Krullsbach, Krullsbach-Ost, Reiherbach/Röhrbach, die Naturschutzgebiet Lichtebach, Spexard und Große Wiese (Erweiterungen) und der Flughafen (mit angrenzender Emsaue). 

 

In vier Arbeitsgruppen beschäftigten sich die Teilnehmer des Workshops mit den Entwicklungszielen für die Landschaft, den Suchräumen für Schutzgebiete, der Gütersloher Kulturlandschaft und der zukünftigen Entwicklung des Flughafengeländes. In der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit wurden bemerkenswert viele Ideen und Anregungen, aber auch Bedenken dazu von den Teilnehmern formuliert.

 

Die Planer werden nun die Ergebnisse der bisherigen Bürgerbeteiligung auswerten und in der zweiten Jahreshälfte einen detaillierteren Entwurf des Landschaftsplanes vorlegen. Parallel dazu wird sich eine Arbeitsgruppe des Kreistags mit dem Thema befassen. Sofern der Entwurf dann nach intensiver Prüfung und Überarbeitung eine ausreichende Planreife erlangt hat, wird eine Offenlage mit der Möglichkeit der Einsichtnahme und Stellungnahme für die Bürger erfolgen.

 

Über alle wichtigen Arbeitsschritte und Ergebnisse wird laufend auf der Internetseite des Kreises Gütersloh unter www.kreis-guetersloh.de informiert (Rubrik: Umwelt / Landschaftspläne / Landschaftsplan Gütersloh).

 

Zum Thema: Landschaftsplan

Ein Landschaftsplan ist eine vom Kreistag beschlossene Satzung (für Jedermann geltendes Ortsrecht), für den baulichen Außenbereich im Kreisgebiet. Neben dem Landschaftsplan steht für den bebauten Bereich, ebenfalls als Satzung beschlossen, der Bebauungsplan. Der Landschaftsplan hat die Aufgabe, die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege für die unbebauten Bereiche darzustellen und rechtsverbindlich die notwendigen Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen festzusetzen. Für Behörden sind die in einem Landschaftsplan genannten Entwicklungsziele bindend. Das wirkt sich unmittelbar aus, wenn zum Beispiel in einer im Landschaftsplan als Auengebiet bezeichneten Fläche ein Bauantrag gestellt wird.