Kfz-Koryphäe Anja Wemhöner: Wenn der Ferrari aus Dubai vor der Tür steht …

Gütersloh, 17.07.2018. Zulassungsgeschäft ist nicht gleich Zulassungsgeschäft. Wenn es schwierig wird, dann ist vor allem eine an der Herzebrocker Straße 140 gefragt: Anja Wemhöner. Die Teamleiterin gehört zu denen unter den 28 Kolleginnen und Kollegen, der fast nichts unbekannt ist in dem Geschäft. Weder der Ferrari aus Dubai noch die Zugmaschine, die bis dato nur zu Brauchtumszwecken eingesetzt worden ist.

Bei rund 60.000 Kunden pro Jahr sind normale dabei, kuriose und unseriöse. Rund zwei Mal pro Woche kommen die Uniformierten von der benachbarten Polizei zur Hilfe.

"Früher kamen Fahrzeugimporte vor allem aus Nachbarländen wie Österreich oder Frankreich", erzählt Wemhöner. "Heute kommen häufig sehr hochpreisige Autos beispielsweise aus den Vereinigten Arabischen Emiraten oder den USA - ein Ferrari aus Dubai war auch schon dabei." Gerade bei Luxusschlitten gilt ein aufmerksamer Blick den Fahrzeugpapieren. Sind sie echt? Wemhöners Telefon klingelt und eine eher westfälische Fachfrage kommt von der Kollegin: Muss für die Zugmaschine, die bisher nur für Brauchtumszwecke - sprich für den Karneval - eingesetzt war, ein Fahrzeuggutachten erstellt werden, wenn es wieder im normalen Betrieb als Traktor eingesetzt werden soll? Antwort: "Nein, es ändert sich ja nur der Verwendungszweck."

Die Zulassungsstelle ist die Dienststelle in der Kreisverwaltung, die den meisten Besucherverkehr hat. 28 Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter sorgen tagtäglich für einen reibungslosen Ablauf. Zum Jahreswechsel 2017/18 wurde mit 310.687 zugelassenen Fahrzeugen erneut eine Rekordzahl erreicht.

Wemhöner ist inzwischen seit 30 Jahren Teil der Zulassungsstelle. Das Geschäft sei komplizierter geworden, weil internationaler. Sonderfälle sind an der Tagesordnung, keine Ausnahme. Das Verfahren im Allgemeinen ist umfangreicher geworden. Ein Grund dafür sind die steigenden Importzahlen von ausländischen Fahrzeugen und die damit verbundenen Gesetze, die die Sacharbeiter kennen und beachten müssen. Früher wurden überwiegend nur Autos aus dem Inland beim Kreis zugelassen. Auch durch den sogenannten Abgasskandal ist in den vergangenen Monaten ein erhöhter Erfassungsaufwand der fahrzeugspezifischen Daten erforderlich geworden. Noch so ein aktueller Trend: Hochpreisige, aber kaputte Fahrzeuge, deren Reparatur sich in den USA oder Westeuropa nicht lohnt, werden in Osteuropa wieder 'fit' gemacht und hierzulande verkauft. Nicht alle dieser Luxuskarossen sind sauber. Da wird auch schon mal die Fahrgestellnummer überprüft - wie gesagt, die Polizei sitzt nebenan und hat es nicht weit.

Die 24 Mitarbeiterinnen, die heute an den Schalterplätzen in der Zulassungsstelle arbeiten, sind in drei Gruppen mit jeweils sieben Kollegen eingeteilt. Die übrigen drei Mitarbeiterinnen sind die jeweiligen Teamleiterinnen. Zu diesen gehört Anja Wemhöner und erledigt in dieser Funktion neben den üblichen Aufgaben einer Sachbearbeiterin unter anderem  auch die Dienst-, Urlaubs- und Einsatzplanung. Gemeinsam mit der Sachgebietsleitung arbeitet sie außerdem gesetzliche Änderungen aus und gibt die notwendigen Informationen an die Kolleginnen und Kollegen weiter. "Sie hat Lust dazu, in die rechtlichen Feinheiten einzutauchen", sagt Abteilungsleiter Detlef Stieg über sie. Zum Nutzen der Kunden: Wemhöner versteht sich als Beratungsinstitution. Und als Internetbeauftragte der Abteilung sorgt sie dafür, dass die Dienstleistungen der Zulassungsstelle im Internetauftritt des Kreises stets aktuell und informativ für den Bürger dargestellt werden.

Die Wartezeit liegt derzeit in der Zulassungsstelle durchschnittlich bei weniger als 20 Minuten. Durch die Einführung von QR-Codes auf den Zulassungsdokumenten ist es den Kunden inzwischen sogar möglich, ihre Fahrzeuge online und von zu Hause aus abzumelden und wieder zuzulassen.

Die meisten Anliegen müssen jedoch im Kreishaus bearbeitet werden - an guten Tagen kommen 300 bis 400 Kunden in die Zulassungsstelle.