Kommunales Integrationszentrum: Theaterpädagogik und Sprachförderung in Grundschulen

Rheda-Wiedenbrück/Gütersloh, 29.05.2017. „Ich heiße Hasan, bin neun Jahre alt und mag Computerspiele“, spricht das Grundschulkind selbstbewusst durch seine eigenhändig gebastelte Tröte. Beim Glockenschlag kommt jedes der Kinder einzeln in den Raum, nimmt seinen Platz auf der pinken Markierung ein und stellt sich laut und deutlich dem Publikum vor – so die Theorie.

Theaterpädagogik
Mit Instrumenten und selbstgebastelten Requisiten haben die Kinder und Lehrer viel Spaß bei der Theaterprobe (v. l.): Asaad, Vera Lengersdorf (Kommunales Integrationszentrum), Ruha, Monika von Recklinghausen (Teamleitung OGGS), Hasan, Erika Langer (Schulleiterin), Christian, Christine Ruis (Theaterpädagogin).

Textaussetzer und verpasste Einsätze gehören aber zu jeder Theaterprobe dazu. Schauspielerin und Theaterpädagogin Christine Ruis unterstützt die Kinder, die erst seit wenigen Monaten in Deutschland leben. In dem Theaterprojekt sollen die Kinder spielerisch ihre Deutschkenntnisse verbessern.

Bei den meisten neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen sind Deutschkenntnisse kaum bis gar nicht vorhanden. "Das Beherrschen der deutschen Sprache ist wichtig für eine erfolgreiche schulische und berufliche Ausbildung und soziale Integration", erklärt Vera Lengersdorf vom Kommunalen Integrationszentrum Kreis Gütersloh, die das Theaterprojekt mit organisiert. Das Kommunale Integrationszentrum Kreis Gütersloh hat zum Ziel, allen zugewanderten Menschen, die im Kreis Gütersloh leben, einen umfangreichen Zugang zu Bildung, Ausbildung, Beruf und gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen. Bei diesen Zielen stehen die Themen 'Integration durch Bildung' und 'Integration als Querschnittsaufgabe' im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Kooperationspartnern will das Kommunale Integrationszentrum im Kreis Gütersloh Rahmenbedingungen für eine gelungene und nachhaltige Integration entwickeln.

Für das Schuljahr 2016/2017 konnten das Kommunale Integrationszentrum drei Maßnahmen zur Unterstützung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen im Bereich der 'Durchgängigen Sprachbildung' aus dem 100.000-Euro-Topf anbieten, den die Kreispolitik extra zur Verfügung gestellt hat. Gefördert werden die Maßnahmen 'Handlungsorientiertes Deutschlernen', 'Feriensprachcamps' und 'Theaterpädagogik und Sprachförderung in den Grundschulen'.

Die Willkommensklasse der Wenneberschule in Rheda-Wiedenbrück betreut zurzeit 15 neuzugewanderte Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren aus dem arabischen Raum, Rumänien und Bulgarien. Elf davon nehmen am Projekt 'Theaterpädagogik und Sprachförderung' teil. Zwei Wochen lang erarbeitet Ruis jeden Nachmittag mit den Kindern anhand des Buches 'Die große Wörterfabrik' von Agnès de Lestrade ein Theaterstück. Die Kinder basteln Requisiten, bewegen sich zu Glockenklängen und können so ganz ohne Leistungsdruck miteinander spielen, tanzen und sprechen.

"Hand - Fuß - Hand - Fuß", gibt Ruis passend zu unterschiedlichen Glockenklängen die Anweisung zum Klatschen und zum Stampfen. Nach einigen Koordinierungsschwierigkeiten bekommen die Kinder auch die abwechselnde Bewegung von linkem Fuß und rechtem Fuß hin. Am Ende wird das fachmännische Verbeugen geübt. "Wenn ihr das schafft, klatschen wir", ermahnt Schulleiterin Erika Langer die unruhig werdenden Kinder. "Auf die Plätze, fertig, los", kündigt Ruha den Einsatz ihrer Mitschüler an und den Kindern gelingt eine vollendete Verbeugung.

Das Pilotprojekt 'Theaterpädagogik und Sprachförderung' wird an drei Schulstandorten im Kreis Gütersloh angeboten. Das außerunterrichtliche Angebot soll spontanes und natürliches Sprechen unterstützen. Gleichzeitig können die Kinder Schule als einen positiv besetzten Ort erleben, an dem sie Freude empfinden. Während der Theaterproben sind sie ausgelassen und ungezwungen und auch die Verständigung klappt immer besser. Durch den Besuch des Mitmachstückes 'Kommissarin Flunke und die Schurken' im Theater Gütersloh lernen sie Theater zusätzlich aus einem weiteren Blickwinkel kennen.

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