Schullandschaft im nördlichen Kreisgebiet: Landrat regt Mediation an

Gütersloh, 25.01.2013. Landrat Sven-Georg Adenauer und Kreisdirektor Christian Jung wollen angesichts der Schuldebatte im Norden des Kreises Gütersloh nicht warten, bis weitere Fakten geschaffen werden. Sie werden die fünf Kommunen zu einem Mediationsverfahren einladen, um möglichst eine einvernehmliche und zukunftsfähige Lösung zu erarbeiten.

Lehrer unterrichtet Schüler

"Als Landrat habe ich das Ziel, in einer Region mit rund 100.000 Einwohnern für die Schülerinnen und Schüler ein optimales Bildungsangebot vorzuhalten - sowohl was die Wahlmöglichkeit angeht als auch die Nähe zum Wohnort", erklärt Adenauer. Angesichts des sich bereits abzeichnenden Geburtenrückgangs sei es jedoch unrealistisch, auf mittlere Sicht für sechs Oberstufen in Halle/Westf., Versmold, Borgholzhausen, Steinhagen und Werther/Westf. ausreichend Schüler-Anmeldungen zu erhalten.

Wie Kreisdirektor Christian Jung im Schul-, Kultur- und Sportausschuss des Kreises Gütersloh am Montag, 21. Januar, berichtet hatte, haben die bisherigen Gespräche zu keiner für alle Beteiligten zufriedenstellenden Lösung geführt.

Wie bekannt, wird in Halle/Westf. die Neugründung einer Gesamtschule - und die Abschaffung der Real- und Hauptschule - geplant. In Versmold existiert bereits ein Ratsbeschluss, gemeinsam mit dem Träger CJD eine Sekundarschule zu gründen. Die dortige Hauptschule soll ebenfalls geschlossen werden. In Steinhagen liegt die Genehmigung für eine neue Sekundarschule bereits vor, die Hauptschule nimmt bereits seit zwei Jahren keine Schüler mehr auf.

Die Planungen werden nachhaltige Auswirkungen auf die Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule in Kreisträgerschaft mit ihren Standorten Werther/Westf. und Borgholzhausen haben. Besonders die Sekundarschule in Versmold dürfte Auswirkungen haben auf die Anmeldezahlen am Standort Borgholzhausen der Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule. Die Gesamtschulpläne in Halle/Westf. berühren nicht nur die Zukunft der Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule (Standort Werther/Westf.), sondern auch das Kreisgymnasium Halle und das Wirtschaftsgymnasium am Berufskolleg Halle. Neben diesen drei Schulen an vier Standorten gibt es derzeit drei weiterführende Schulen in den fünf Kommunen: Das Evangelische Gymnasium Werther, das Gymnasium in Trägerschaft des CJD in Versmold und das städtische Gymnasium Steinhagen.

Angesichts der Geburtenentwicklung ist im Schuljahr 2020 von einer Schülerzahl zwischen 150 und 160 in Halle/Westf. auszugehen. Dies würde höchstens für zwei Schulen mit jeweils drei Klassen/Zügen reichen. Adenauer: "Der sinkende Geburtenrückgang wird bei den Schülern nicht durch Zuzug kompensiert werden können." Wer glaube, dies sei eine temporäre Erscheinung, ignoriere alle Aussagen der Demografie. Wie stark der Geburtenrückgang in den vergangenen zwölf Jahren (2000-2011) in den fünf Kommunen war, zeigen die Zahlen von IT NRW.

Wie im Schul-, Kultur- und Sportausschuss am Montag, 21. Januar, angekündigt, wird der Kreis Gütersloh ein so genanntes Moderationsverfahren (Schlichtungsverfahren) bei der Bezirksregierung beantragen, sollte die Gesamtschule in Halle/Westf. im dortigen Schulentwicklungsplan festgeschrieben werden. Vor diesem offiziellen Verfahren will der Landrat jedoch alle Schritte ausschöpfen, zu einer einvernehmlichen gemeinsamen Lösung zu kommen. "Ich will mir in dieser wichtigen Frage nicht vorwerfen lassen, nicht alles probiert zu haben."

Geburtenzahlen 2000 - 2011

Jahr

Borgholz-hausen

Halle

Steinhagen

Versmold

Werther

2000

97

233

212

239

141

2001

92

211

223

213

125

2002

110

205

210

195

117

2003

87

216

187

199

109

2004

77

218

185

201

111

2005

79

193

181

183

110

2006

89

194

181

175

85

2007

78

170

160

194

107

2008

64

192

160

169

106

2009

75

175

167

176

76

2010

71

160

170

168

88

2011

58

161

149

132

86

Quelle: IT NRW