Traumberuf Regisseur: Christian Ditter lehrt Schüler das Filmen

Gütersloh, 04.05.2012. Der Wunsch, Regisseur zu werden, dürfte bei vielen Schülern des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums nach dem Besuch von Regisseur und Drehbuchautor Christian Ditter deutlich gewachsen sein. Anhand von Filmausschnitten zeigte er den Jugendlichen, was es heißt einen Film zu drehen.

Christian Ditter mit den Schülern vom ESG
Christian Ditter zeigte den Jugendlichen, was es heißt einen Film zu machen.

Auf Einladung des Netzwerks Filmbildung Gütersloh kam der erfolgreiche Regisseur ans Evangelisch Stiftische Gymnasium, an dem er selbst als Schüler in einer Video AG die ersten Drehversuche startete. Dann bei einem ARD-Videowettbewerb gewannen er und sein Team den dritten Platz.

"Bei der Preisverleihung habe ich das erste Mal gehört, dass man das auch studieren kann. Von da an stand fest: Ich will Regisseur werden! Sehr zur Freude meiner Eltern", erinnerte sich Ditter schmunzelnd.

Heute dürften diese jedoch beruhigt sein, denn mit Filmen wie "Vorstadtkrokodile" und "Wickie auf großer Fahrt" sowie Serien wie "Türkisch für Anfänger" und "Doctor's Diary" hat der 34-Jährige bereits zahlreiche Preise gewonnen.

Christian Ditter
Christian Ditter erklärt Szenen aus dem Storyboard

Seine Begeisterung für den Beruf von damals spürten auch die Schüler von heute. Anhand einzelner Szenen aus den "Vorstadtkrokodilen" erklärte Ditter das "Making-of" des Films. "Als Regisseur muss ich entscheiden, wo die Kamera steht und was der Schauspieler tun soll. Und das alles vor dem Dreh", betonte Ditter. Das geschieht mit Hilfe des sogenannten Storyboards, kleine szenische Grafiken, die die Kameraeinstellung wiedergeben.

Wenn Nick Reimann alias Hannes, Hauptdarsteller aus den Vorstadtkrokodilen, bei seiner Mutprobe das Dach einer alten Ziegelei runterrutscht, dann muss klar sein, wie diese Szene aufgenommen werden soll. Dass Nick solche Szenen selber dreht und kein Stuntman zum Einsatz kommt, löste bei den 6. bis 8. Klässlern Verwunderung aus. "Klar, die zehn Meter hohe Ziegelei aus dem Film haben wir am Set nachgebaut. Aber auch von einem zwei Meter hohen Modell kann man böse fallen. Deswegen ist er mit Seilen gesichert", verdeutlichte Ditter.

Nachdem der Film abgedreht war wurden diese wegretuschiert. Verschwunden sind auch die dicken Matten, die unter der Modell-Ziegelei lagen. Hinzu kam statt dessen ein gutes Stück der Außenwand, so dass das Gebäude im Film nicht zwei sondern zehn Meter hoch aussieht.

Christian Ditter mit den Schülerinnen Anna-Lena Himmelmeier und Greta Vogelsang
Schülerinnen Anna-Lena Himmelmeier und Greta Vogelsang inszenierten in einer Schauspielübung mit den Worten "Bitte" und "Nein" einen spannungsreichen Auftritt

Solche Arbeiten brauchen Zeit. "Gedreht haben wir nur 45 Tage. Aber bis so ein Film steht braucht man circa eineinhalb Jahre." Allein für das Storyboard braucht der Regisseur ungefähr ein halbes Jahr. Nach dem Dreh folgt dann zum einen das Schneiden, denn die Szenen werden nicht chronologisch sondern nach Drehort gefilmt. Zum anderen werden alle Dialoge und viele Toneffekte später noch mal eingespielt, da es am Set oft zu laut ist, als dass man verstehen könnte, was die Schauspieler sagen. Und auch die Filmmusik wird später untergemischt. Das nennt man dann Tonpostproduktion. Außerdem müssen die Visual Effects eingearbeitet werden, wie das Wegretuschieren von Sicherheitsseilen oder das Hinzufügen von Bildhintergründen.

Bei 3D-Produktionen, wie dem ersten deutschen 3D-Film "Wickie auf großer Fahrt", der von Ditter inszeniert wurde, wird alles noch mal schwieriger. "Da kann man viele Fehler machen", meinte der Regisseur. "Wenn die Schnitte falsch gesetzt werden, kann dem Zuschauer schwindelig werden oder er bekommt Kopfschmerzen."

Christian Ditter gibt den Schülern Autogramme
Zum Schluss gab es noch Autogramme für die Schüler

Daher auch der Tipp für die Schüler: "Macht eure Filme möglichst kurz, damit sie fertig werden." Er selbst habe anfangs viel gedreht und wenig fertig gestellt, das sei frustrierend. Zwei Personen, eine die etwas will und eine andere, die genau das nicht will, reiche oftmals schon aus. Dass das funktioniert, wurde gleich in einer Schauspielübung mit den Schülerinnen Anna-Lena Himmelmeier und Greta Vogelsang unter Beweis gestellt. Lediglich mit den Worten "Bitte" und "Nein" inszenierten die beiden einen spannungsreichen Auftritt. "Wenn ein Film fertig ist und ihr seht den dann auf der großen Leinwand… Das ist super! Das geht mir heute noch so", schwärmte Ditter.

Welche Filme als nächstes von ihm zu erwarten sind, das wollte Ditter noch nicht verraten. "Nur soviel: Sie werden alle spannend!"