Verabschiedung von Dr. Günter Brüning: Der Lotse verlässt das Schiff

Gütersloh, 15.07.2011. Im Kreishaus wird über Günter Brüning gesagt: "Bevor er da war, gab es nur Kartons." Er ist der Vater des Kreisarchivs, er hat es aufgebaut und gepflegt.

Dr. Günter Brüning
Dr. Günter Brüning. Zum letzten Mal preußische Fadenheftung. Foto: Manuel Nakunst

Günter Brüning studierte Geschichte und Theologie in Münster, schon damals wurde seine Leidenschaft für Archive, alte Bücher und Akten geweckt. Neben seinem Studium arbeitete er im Bistumsarchiv Münster. Nach Promotion und Referendarzeit als Staatsarchivreferendar fing Günter Brüning 1984 beim Kreis Gütersloh an. Damals gab es noch kein Archiv.

"Aus der Theorie heraus war es ein mächtiger Praxisschock", erklärt Brüning. In den Kellern und auf den Dachböden suchte er alles "was von Beamten Beschriebenem noch übrig war" von 1815 bis 1984 zusammen. Am Anfang seiner Tätigkeit musste er noch im Keller des ehemaligen Kreisständehauses in Rheda-Wiedenbrück arbeiten. Er sorgte dafür, dass ein Magazin mit Regalen und eine Archivwerkstatt eingerichtet wurden. Pionierarbeit ist der passende Begriff für die ersten Jahre im Kreisarchiv.

Bei der Zusammenführung der Altregistraturen der Kreise Halle und Wiedenbrück wurde so manche Kuriosität entdeckt, wie die Akte zur Durchführung des Ziegenbockhaltungsgesetzes. Besonders in Erinnerung blieben Brüning die beiden Umzüge des Archivs. Im Jahre 1997 zog das Kreisarchiv auf den Reckenberg in das Kreishaus Rheda-Wiedenbrück. Bei dem Umzug lief einiges schief. "Keiner konnte ahnen, dass einer der Mitarbeiter der Umzugsfirma Analphabet war. Viele der vorher mühselig und ausführlich beschrifteten Akten wurden falsch einsortiert", erzählt Brüning. Auch der zweite Umzug im Jahre 2007 in das "Haus des Bauern" an der Bielefelder Straße verlief nicht ohne Komplikationen. Bei einem der Umzugswagen brach eine Achse. Was war geschehen? "Die Annahme der Umzugsmänner, dass Papier leicht sei, erwies sich leider als falsch", so Brüning lachend.

Er hat gerne im Kreisarchiv gearbeitet, "das Verhältnis mit den Kollegen war immer überragend". Während dieser Zeit war er vier Jahre Sprecher der Kreisarchivare auf Landesebene, hat den Ausbilderschein erworben, drei Auszubildende und dutzende Praktikanten begleitet. Auch die vielen Besucher, egal ob Schüler, Staatsarbeiter, Heimatforscher oder Interessierte haben ihm stets Freude bereitet. Je näher der letzte Arbeitstag kommt, desto wehmütiger wird Günter Brüning: "Damit hätte ich nicht gerechnet, ist schon seltsam".

Schon lange ist er dabei, "38 Jahre bin ich im Altpapier". Im Moment ist der Ruhestand für ihn nicht greifbar. "Es wird sich einiges ändern". Das alte Siedlerhaus in Wadersloh, seine beiden Schweine und der große Garten werden seine neuen Prioritäten. "Da gibt es immer etwas zu tun". Auch seinen anderen Hobbies, der Analyse von theologischen Texten aus dem Mittelalter und der Literatur wird er ausgiebig nachgehen.