Zensus-Erhebungsstelle dicht: 31 von 51.000 fehlten am Ende

Rheda-Wiedenbrück, 16.05.2012. Die letzten Kartons sind gepackt, die Stecker der Computer gezogen: Das Zensus-Team für den Kreis Gütersloh räumt die eigens angemieteten Büros in Rheda-Wiedenbrück. Im September 2010 starteten die Vorbereitungen im Kreis Gütersloh für die bundesweite Volkszählung, jetzt ist das Projekt zumindest für Bianca Sell und ihr Team beendet.

Bianca Sell und Heidi Holtkamp
Sitzen auf den letzten gepackten Umzugskartons: Bianca Sell (r.), Leiterin der Zensus-Erhebungsstelle für den Kreis Gütersloh, und ihre Stellvertreterin Heidi Holtkamp.

Nur für 31 von insgesamt rund 51.000 Personen konnte bis zur Schließung der Erhebungsstelle kein Fragebogeneingang registriert werden. Sell zieht eine zufriedene Bilanz.

"Das besondere an dieser Aufgabe war für uns, dass alles neu war: Die Aufgabe, das Programm, das Team, das Büro", sagt sie rückblickend. "Und man konnte niemanden fragen, wie habt ihr das denn gemacht?" Es gab niemanden, der Fragen hätte beantworten können. Die letzte Volkszählung von 1987 lässt sich nicht mit dem Zensus 2011 vergleichen, die Aufgabe war einmalig.

"Kreative Organisation" sei häufig von Nöten gewesen, viele Dinge ließen sich nur schwer planen, EDV-Systeme der IT.NRW streikten mitunter und die eigens zur Dateneingabe eingestellten Mitarbeiter waren zur Untätigkeit gezwungen. "Wir wussten nicht, was auf uns zu kam und haben eigentlich alles aus dem Boden gestemmt", sagt Heidi Holtkamp, Sells Stellvertreterin.

Es gab keinen Totalverweigerer, jemand der explizit gesagt hat, ich mache da nicht mit. Die 31 fehlenden Personen bewegen sich angesichts der Gesamtzahl im Promillebereich. Sell: "Von denen haben wir trotz festgesetzter Zwangsgelder keine Fragebögen zurückbekommen". 10.000 grüne Mappen mit den Unterlagen beherrschten vor allem im Erhebungsjahr 2011 die Büros - ob der Mappenfarbe auch schon mal "die grüne Hölle" genannt, wie Holtkamp anmerkt.

Elf Mitarbeiter haben die Großaufgabe bewältigt, unterstützt von 429 Erhebungsbeauftragten, die alle geschult werden mussten. Vom Schüler bis zum Jahrgang 1920 war die Truppe der Erhebungsbeauftragten bunt gemischt. Von denen haben sie fast ausschließlich positive Rückmeldungen erhalten. Holtkamp: "Einige haben berichtet, dass sie das bereichert hat. Sie haben viel Gastfreundschaft erfahren zum Beispiel bei Familien mit Migrationshintergrund oder auch älteren Befragten."

Eine der größten Herausforderungen war die Personalplanung: Wie viel Personal braucht man wann und für wie lange. Die Zahl der Köpfe im Team schwankte daher und über lange Zeit gab es mehr Mitarbeiter als Arbeitsplätze. Jetzt widmen sie sich neuen Aufgaben beim Kreis Gütersloh.