Heide in Niehorst: Tanklager gilt als "kleine Senne"

Gütersloh, 29.05.2012. Was herauskommen kann, wenn Behörden, eine Bio-Station, Bewirtschafter und Bürger sich gemeinsam um Heide in Gütersloh kümmern, schauten sich jetzt 30 Interessierte an. Niehorster Sandmagerrasen und Heideflächen waren das Ziel einer Exkursion, die von drei Fachkundigen geleitet wurde.
Teilnehmer des HeidespaziergangesGroßbildansicht
Exkursionsteilnehmer lauschen dem Feldgrillengesang in Niehorst. Foto: Jürgen Albrecht.

Bernhard Walter (Biostation Gütersloh/Bielefeld), Dr. Jürgen Albrecht (Fachbereich Umweltschutz Stadt Gütersloh) und Wolfgang Schulze von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Gütersloh führten die Gruppe zum ehemaligen Niehorster Natotanklager: "Das ist quasi unsere Keimzelle", so Schulze, "von der aus versucht wird, sowohl Pflanzen als auch die Tierwelt nährstoffarmer Standorte zu verbreiten. Das Tanklager kann man auch als "kleine Senne" betrachten, denn die Artenvielfalt ist hier sehr groß."

In der Tat: Mehr als 160 seltene Stechimmen, die Feldgrille als eine von 12 Heuschreckenarten, Heidelerche und Baumpieper, eine Vielzahl von Flechten, Moosen und typischen Pflanzen kommen dort vor. Die Fläche gilt als gesetzlich geschützter Biotop nach Bundesnaturschutzgesetz. Aber Schutzstatus allein schützt noch nicht. Denn das Offenland würde schnell verbuschen und sich zu Wald entwickeln. Daher wurden vertragliche Regelungen mit dem Grundstückseigentümer und Bewirtschafter getroffen, der die Fläche pflegt. Zudem sichern gezielte Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen das offene Gelände. Alle Heide- und Sandmagerrasen können nur dauerhaft existieren, wenn sie regelmäßig gepflegt werden. Licht ist der wichtige Lebensfaktor.

Damit die gefährdeten Lebensgemeinschaften auf magerem Sand zu einem Verbund wachsen können, hat die Stadt Gütersloh in der Umgebung Flächen langfristig gesichert. Dort kann sich potenziell Heide und Magerrasen entwickeln - mit all den Seltenheiten, die nur auf nährstoffarmem Sand vorkommen. Ein akustisches Juwel konnten die Teilnehmer nördlich des Tanklagers vernehmen: das Zirpen zahlreicher Feldgrillen.

Eindruck hinterließ die etwa zwölf Hektar große Kompensationsfläche, die in Teilen abgeschoben wurde und die damit beste Voraussetzung für die Entwicklung nährstoffarmer Magerrasen- und Heidestandorte erfüllt. "Mit dem gerade beginnenden lockeren Bewuchs haben Flussregenpfeifer und Kiebitze bei ausreichender Feuchte, aber auch die Heidelerchen beste Möglichkeiten, hier Lebensraum und Brutmöglichkeiten zu finden", erklärte Bernhard Walter.

Wie bürgerschaftliches Engagement Hand in Hand geht mit den behördlichen Schutzaktivitäten, konnten die Wanderer unter einer Stromtrasse sehen. Dank privatem Engagement wurde hier eine ehemals durchgewachsene Blaufichten-Weihnachtsbaumkultur gerodet und der Mutterboden abgeschoben. Nach Einsaat mit Heide blühte im letzten Sommer bereits großflächig Heidekraut. Im Dienste des Artenschutzes fand in diesem Frühjahr eine freiwillige Pflegeaktion mit dem Heimatverein Isselhorst, Imkern und Jägern, der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (GNU) und engagierten Menschen vom Wertkreis Gütersloh statt.

Auf Charaktervögel des Offenlandes und der Wälder machte Dr. Jürgen Albrecht die Teilnehmer aufmerksam. Der Gesang von Goldammer, Fitis, Kleinspecht und aller vier heimischen Grasmückenarten wurde zum hörbaren Erlebnis.

Im Spätsommer zur Heideblüte soll eine weitere Exkursion stattfinden.

Unter dem Motto "Feldgrillen in der Niehorster Heide" bietet die GNU am Donnerstag, 31. Mai, um 18 Uhr eine Exkursion an. Treffpunkt ist an der Straße "An den Sandgruben" vor der Eselranch.