Jobcenter legt Jahresbericht 2015 vor: Mehr Hartz IV-Bezieher trotz sehr guter Konjunktur

Gütersloh, 24.03.2016. Zum zweiten Mal legt das Jobcenter Kreis Gütersloh einen Jahresbericht vor, um für mehr Transparenz in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (Hartz IV) zu sorgen. Aktueller Tenor: „Obwohl die Beschäftigungslage und die Nachfrage nach Arbeitskräften im Kreis Gütersloh hervorragend sind, hat die Zuwanderung dazu geführt, dass auch wir 2015 mehr Anträge auf Grundsicherungsleistungen bearbeiten und deutlich mehr Leistungen an Grundsicherungsempfänger auszahlen mussten“, so Fred Kupczyk, Leiter des Gütersloher Jobcenters.

Der Jahresbericht steht auf der Tagesordnung des nächsten Ausschusses für Arbeit und Soziales am 18. April und wird dort ausführlich vorgestellt. Die Sitzung beginnt um 15 Uhr im Kreishaus Gütersloh, Sitzungsraum 4.

Dem 20-seitigen Bericht, der auf den Internetseiten des Kreises Gütersloh unter der Rubrik Jobcenter eingesehen werden kann, sind zahlreiche Details und Grafiken zum Geschäftsverlauf 2015 zu entnehmen. Danach wuchs die Zahl der Haushalte im Leistungsbezug (Bedarfsgemeinschaften) im Vergleich zum Vorjahr um 388 beziehungsweise 4,4 Prozent an. Benötigten im September 2014 beispielsweise 8.829 Haushalte Geldleistungen vom Jobcenter, so waren es ein Jahr später 9.217. In den Haushalten lebten im September zusammen 18.923 Personen. Von diesen waren 12.926 erwerbsfähig und standen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.

 

Erfreulicher Weise konnten rund 250 mehr Menschen in Arbeit vermittelt werden als 2014. Damit stieg die durchschnittliche Integrationsquote trotz der steigenden Zahl der Leistungsberechtigen um rund zwei Prozentpunkte. Auch die Ausbildungsstellenvermittlung konnte dank der hohen Ausbildungsbereitschaft der heimischen Wirtschaft im dritten Jahr in Folge verbessert werden. So wurden 409 junge Menschen in eine Ausbildung vermittelt. Davon haben 345 eine betriebliche oder eine überbetriebliche Ausbildung begonnen, 64 starteten in eine voll qualifizierende schulische Berufsausbildung. Für nur drei Jugendliche (2014: 12) fand sich keine Lösung.

 

Dies ist vor allem auf die gute Beschäftigungslage im Kreis Gütersloh zurück zu führen: So hat der Kreis mit 61,4 Prozent landesweit die höchste Beschäftigungsquote (NRW 53,9 Prozent) und bietet mit seiner Branchenvielfalt im verarbeitenden Gewerbe gute Arbeitsmöglichkeiten.

 

Einen etwas breiteren Raum im Jahresbericht nimmt die Zuwanderung ein. Denn neben anerkannten Flüchtlingen und Asylberechtigten kommen auch viele Menschen aus dem (ost)europäischen Ausland in den Kreis Gütersloh, um hier eine Arbeit aufzunehmen. Damit steigt auch die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit weiter an. Lag ihr Anteil an allen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im November 2013 noch bei 27,8 Prozent, so stieg er bis November 2015 bereits auf 33,9 Prozent. Während Menschen aus den Kriegs- und Krisenländern hier vor allem Schutz suchen, kommen EU-Bürger aus Polen, Rumänien und Bulgarien vor allem in den Kreis Gütersloh, um hier zu arbeiten. Zu nennen ist hier insbesondere der Bereich der Zeitarbeit oder die Fleischwarenindustrie. Entsprechend dem hohen Besatz familiengeführter Unternehmen konnten die meisten Arbeitsaufnahmen (58 Prozent) weiterhin außerhalb von Personaldienstleistern erfolgen.

 

Die Anhebung der gesetzlichen Leistungen, der Niedriglohnsektor, aber auch Ursachen wie Familiennachzug oder knapper und teurer werdender Mitwohnraum haben dazu beigetragen, dass die Ausgaben des Jobcenters sowohl bei den Grundsicherungsleistungen als auch bei den Kosten für Unterkunft weiter gestiegen sind. Bei den Bildungs- und Teilhabeleistungen wird erfreulicherweise sichtbar, dass nach Einführung dieser Leistungen die Leistungen für Lernförderung und Teilhabe an kultureller Bildung, aber auch für Mitgliedschaften in Vereinen stärker nachgefragt werden und damit ein Beitrag zur sozialen Integration geleistet wird.