Investition in die Infrastruktur dank der EU: Valmieras Vorzeige-Grundschule

Valmiera, 20.07.2011. In Valmiera, dem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum der Region Vidzeme, ist der Fortschritt trotz Wirtschaftskrise an allen Ecken sichtbar.

Inesis Bokis vor der einzigen innerstädtischen AutobrückeGroßbildansicht
Inesis Bokis vor der einzigen innerstädtischen Autobrücke, die im nächsten Jahr unter anderem mit EU-Fördergeldern erneuert wird. Während der Bauzeit soll eine Behelfsbrücke über den Fluss Gauja führen.

Davon überzeugte sich die Delegation unter Leitung von Landrat Sven-Georg Adenauer während einer fünftägigen Reise in die Partnerregion.

Fast sämtliche Hauptstraßen sind mitsamt der Kanalisation erneuert worden, im Oktober soll der letzte Bauabschnitt fertig werden. 19 Millionen Lats (zirka 27 Millionen Euro) an EU-Fördergeldern hat die Stadt Valmiera in Infrastrukturprojekte stecken können.

Neben Straßen soll davon auch die einzige innerstädtische Autobrücke über die Gauja erneuert werden, die in den 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts von den deutschen Besatzern gebaut worden ist. "Wir haben 20 Jahre davon geträumt und viel diskutiert", berichtete Bokis. Im nächsten Jahr kann die Delegation aus dem Kreis Gütersloh die Baustelle besichtigen. Allein rund sechs Millionen Lats an EU-Mitteln flossen in die neue Grundschule. Zu deren Baukosten musste die Stadt allerdings selbst vier Millionen Lats beisteuern - fast die Hälfte des jährlichen ureigenen städtischen Budgets.

Durch EU-Fördergelder kann Valmiera sein städtisches Budget von jährlich 9,5 Millionen Lats auf über 20 Millionen erhöhen. "Das ist das Geld aus ganz Europa, auch Ihr Geld", sagte Bürgermeister Inesis Bokis und bedankte sich stellvertretend bei der deutschen Delegation für die Hilfe aus Brüssel.


Eingang zur neuen Grundschule in ValmieraGroßbildansicht
Über 14 Millionen Euro kostete der Bau der Vorzeige-Grundschule von Valmiera...

Dank der Fördergelder und dem enormen eigenen finanziellen Kraftakt hat Valmiera jetzt eine Vorbild-Grundschule. Direkt neben dem Staatlichen Gymnasium steht der moderne Baukörper. "Sie wird zu den besten, in Lettland neu gebauten Schulen gezählt", berichtete der Bürgermeister. Im vergangenen Jahr eröffnet, besuchten die Grundschule im abgelaufenen Schuljahr 450 Schüler, die von 27 Lehrern unterrichtet werden. Die moderne Sporthalle ist in den Baukörper integriert, alle Klassenzimmer verfügen über elektronische Tafeln und die Mensa hat 200 Sitzplätze.

Halle (Westf.), seit dem 16. Juli offiziell Partnerstadt von Valmiera, ist mit gut 21.000 Einwohnern etwas kleiner als Valmiera (rund 27.000). Nach der Kommunalreform aus dem Jahr 2009 ist Valmiera eine der neun selbständigen Städte Lettlands, in denen 80 Prozent der Bevölkerung lebt (allein in der Hauptstadt Riga mit ihren über 700.000 Einwohnern lebt fast ein Drittel der Bevölkerung). Aber das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Region Vidzeme hat Probleme. Es gibt eine starke Abwanderung gerade der jungen Letten ins Ausland - die Arbeitslosigkeit der Unter-25-Jährigen liegt bei 35 Prozent. Und die Geburtenrate liegt laut Bürgermeister Inesis Bokis bei lediglich 1,1 (Kindern pro Frau).


Innenhof der neuen Grundschule in ValmieraGroßbildansicht
...450 Schüler besuchen die im vergangenen Jahr fertig gestellte Schule.

Bokis sprach vor den Gästen aus dem Kreis Gütersloh offen über die seiner Meinung nach größten Probleme: Viele soziale Belange gelten in Lettland immer noch als Privatsache. Der Staat hilft beispielsweise bei Arbeitslosigkeit nur für eine kurze Überbrückungszeit, danach sind die Menschen auf sich allein gestellt. Und das niedrige Einkommensniveau bereitet dem Bürgermeister Sorgen. 250 Lats pro Kopf, zirka 355 Euro, stehen den lettischen Familien im Schnitt zur Verfügung, wobei es noch deutliche regionale Unterschiede gibt. Das Preisniveau aber bewegt sich auf mitteleuropäischem Level, der Liter Milch im Supermarkt kostet etwas mehr als in Deutschland, der Liter Benzin etwas weniger.


Zum Thema: Schulsystem in Valmiera

Valmiera hat zwei Grundschulen, drei so genannte Mittelschulen (Gesamtschulen), zwei Gymnasien und eine staatliche Hochschule mit rund 1.300 Studenten. Eingeschult werden die jungen Letten mit 7 Jahren, Abitur wird nach der 12. Klasse abgelegt. Schulpflicht besteht bis zur 9. Klasse, die Grundschule umfasst die ersten sechs Jahrgänge. Sämtliche Schulen sind als Ganztagsschulen ausgelegt. Die Länge der Sommerferien macht deutsche Schüler neidisch: Drei Monate!


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