Industriepark auf ehemaligem Militärgelände

Valmiera/Lettland, 23.06.2016. Die Bürgermeister stehen neben einem rostigen Geländer und blicken runter auf Eisenbahngleise und Wald soweit das Auge reicht: Vor ihnen liegt das künftige Erweiterungsgelände für das Industriegebiet Valmieras.

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Diskutierten die Erweiterung des Industriegebiets vor Ort (v.l.): Beverinas Bürgermeister Maris Zvirbulis, die Dolmetscherin Liga, eine Deutschlehrerin aus Brenguli, Wirtschaftsförderer Albrecht Pförtner, Valmieras Bürgermeis-ter Janis Baiks sowie Ulrich Bultmann, Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer Gütersloh, Münster, Warendorf. Fotos: Kreis Gütersloh

Noch traut sich wohl nur der Kampfmittelräumdienst auf das ehemals militärisch genutzte Gelände, wo bereits 39 Sprengkörper gefunden worden sind. Die lettischen Partner nutzten jetzt den Besuch einer Delegation mit Landrat Sven-Georg Adenauer an der Spitze, um die Chancen und Risiken der Erweiterung sowie landwirtschaftliche Konzepte mit zwei Experten zu besprechen: Albrecht Pförtner, Geschäftsführer der pro Wirtschaft GT, der Wirtschaftsfördergesellschaft für den Kreis Gütersloh, und Ulrich Bultmann, Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer Gütersloh/Münster/Warendorf.

 

Rund 60 Hektar groß soll die Erweiterung sein, die sich direkt anschließt an das vorhandene Industriegebiet, in dem unter anderem die Glasfaserfabrik ihren Sitz hat, größter Arbeitgeber in der Stadt Valmeria. Das Besondere an der Erweiterungsfläche: Es liegt eigentlich auf dem Gebiet der 'Großgemeinde' Beverina. Sie haben dort jedoch nicht die Kapazitäten, ein solches Gebiet zu entwickeln und auch für die Ausschöpfung von europäischen Fördertöpfen ist die Nachbarstadt Valmiera besser gerüstet und verfügt über mehr Erfahrung. "Wir arbeiten mit der Stadt Valmiera zusammen und werden unsere Wünsche einbringen", erklärte Beverinas Bürgermeister Maris Zvirbulis die Konstellation. 64 Prozent der Beschäftigten seiner Großgemeinde arbeitet in der Nachbarstadt, lediglich 3500 Einwohner hat die Großgemeinde. Valmiera zum Vergleich offiziell knapp 30.000. Neben der Glasfaserfabrik stehen in Sichtweite der Gemeindegrenze große Komplexe einer Agrar-Genossenschaft.


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Im Rathaus ging die Diskussion weiter, hier Wirtschaftsförderer Albrecht Pförtner (l.) und Valmieras Bürgermeister Janis Baiks vor einer Karte des geplanten Industriegebiets.

Für Wirtschaftsförderer Albrecht Pförtner macht eine strategische Aufstellung eines solchen Gebietes Sinn, eine Leitidee, welche Investoren man anlocken wolle, erklärte er den Letten. Beispielsweise Chemie auf der Seite, Holzverarbeitung auf der anderen. Auch ein Auftritt auf der Expo Real, der Gewerbeimmobilienmesse in München, böte sich an, so Pförtner. Lettland sei dort stets mit einem Stand vertreten. Die Letten haben derzeit das produzierende Gewerbe allgemein im Blick, erläuterten die beiden Bürgermeister Janis Baiks (Valmiera) und Zvirbulis (Beverina). Pförtner, der Tipps zur Vermarktung geben konnte, meinte am Ende: "Die Letten sind hier schon sehr weit." Bis zum beidseitigen Eisenbahnanschluss sei an alles gedacht.


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Fläche gibt es reichlich im dünn besiedelten Lettland: Hier soll links und rechts des Schienenstrangs die Erweiterung des Industriegebiets von Valmiera entstehen. Die Bevölkerungsdichte beträgt in Lettland 31 pro Quadratkilometer, in Deutschland sind es zum Vergleich 229.

Unterschiedliche Sichtweisen wurden am Beverina-Tag von Pförtner und Bultmann beim zweiten bedeutenden Thema deutlich: Die Großgemeinde Beverina verfügt über 750 kleine Hofstellen, die sich über die drei Einzelgemeinden verteilen. Viele bewirtschaften ihre Höfe wie früher, viele haben ihr Land verpachtet, andere lassen es brach liegen. Sandris Barlens, Abgeordneter im Gemeindeparlament, präsentierte seine Idee von einer gemeinsamen Produktion und Vermarktung, um wieder eine wirtschaftliche Perspektive für diese kleinen Höfe zu haben. Idealerweise mit einer Vermarktungsunterstützung in Deutschland durch die Partner aus dem Kreis Gütersloh. Bultmann war skeptisch: Vom Herzen her begrüße er die Idee, sie sei  sehr sympathisch. Aber: "Wir haben jahrelang versucht, in Deutschland die kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betriebe zu stabilisieren." Bekanntlich ohne großen Erfolg, der Trend geht zur Größe. "Ich bin skeptisch, ob sich das Konzept von Barlens realisieren lässt."