20 Jahre Partnerschaft Kreise Valmiera und Gütersloh: Staatspräsident bei Partnerschaftsfeier

Burtnieki/Lettland, 12.06.2012. Nationalhymnen, lettische und deutsche Fahnen – und als Krönung der Besuch des lettischen Staatspräsidenten Andris Berzins: Der Festakt zum 20-jährigen Bestehen der Partnerschaft zwischen den Kreisen Valmiera/Lettland und Gütersloh im Kulturzentrum der Großgemeinde Burtnieki hatte einen würdigen Rahmen.
Landrat Sven-Georg Adenauer, der lettische Staatspräsident Andris Berzins und Hans-Joachim SchwolowGroßbildansicht
Landrat Sven-Georg Adenauer (l.) und der lettische Staatspräsident Andris Berzins (r.) sind beim Visitenkarten-Tausch in der Moderne angelangt: Sie schickten sich, von Hans-Joachim Schwolow beobachtet, ihre Kontaktdaten auf das iphone des jeweils anderen.

Und einen politischen Stargast, der sich unter alten Freunden bewegte und mit ihnen viele Erinnerungen austauschte. Schließlich war es Berzins, der vor zwei Jahrzehnten in einem alten klapprigen Latvija-Bus als Landrat des Kreises Valmiera die erste Reise in den Kreis Gütersloh anführte.

Landrat Sven-Georg Adenauer war mit einer Delegation zum Partnerschaftsjubiläum nach Lettland gereist, die so groß war wie noch nie. 66 Freunde der Partnerschaft begleiteten den Landrat, unter ihnen seine beiden Amtsvorgänger, Ursula Bolte und Franz-Josef Balke. Damit waren alle dabei, die an der Spitze des Kreises Gütersloh die Partnerschaft aufgebaut und begleitet haben. Weitere Mitreisende waren unter anderen Ursula Doppmeier (MdL), Bürgermeisterin Susanne Mittag (Langenberg), Bürgermeister Klemens Keller (Borgholzhausen), Bürgermeister Jürgen Lohmann (Herzebrock-Clarholz), die Kreistagsmitglieder Helmut Feldmann (CDU), Dirk Holtkamp (UWG), Peter Kalley (UWG), Helmut Kaltefleiter (CDU) und Bernhild Köster (CDU) sowie Reiseleiter und Partnerschaftskoordinator der ersten Stunde, Hans-Joachim Schwolow.


Lettische Kinder halten sich an den Händen und tanzenGroßbildansicht
Musik, Tanz - den festlichen Rahmen des Partnerschaftsabends gestalteten auch die Jüngsten aus dem Partnerkreis Valmiera mit.

Die "Latvija-Busse" der Rigaer Autobusfabrik sind inzwischen fast gänzlich aus dem Straßenbild Lettlands verschwunden, die dank seines Motors geschlossene Partnerschaft hingegen blüht. Und sie wird noch sehr wichtig sein, merkte Staatspräsident Berzins an. "Wir werden gemeinsam die freundschaftlichen Beziehungen leben", sagte er, nachdem er auch ernste Untertöne in seiner Rede untergebracht und seinen Landsleuten ins Gewissen geredet hat. "Ich habe das Gefühl, dass wir inzwischen etwas hochnäsig geworden sind. Nur die Eigeninitiative bringt uns weiter und nicht, wenn wir warten, dass jemand etwas für uns tut." Er zog einen Vergleich und stellte klar: "In Deutschland geht es schneller voran." Er sprach damit indirekt die dritte, die aktuelle Phase der Freundschaft an, in der es in erster Linie um den Erfahrungsaustausch geht, von dem die Letten profitieren können.


Dr. Silvana Kreyer und Vitauts StanaGroßbildansicht
Für ihre Verdienste wurden zahlreiche Aktive in der Partnerschaft auf lettischer und deutscher Seite ausgezeichnet: Hier erhält Dr. Silvana Kreyer, Kulturbeauftragte der Partnerschaft, aus den Händen von Vitauts Stana, Vorsitzender des Freundschaftsvereins auf lettischer Seite und ehemaliger Landrat, eine Glas-Skulptur als Anerkennung.

Phase eins, die Zeit der materiellen Hilfe, die Zeit der Hilfstransporte mit dem Notwendigsten, bestimmte den Beginn der Partnerschaft. Aber auch noch heute gibt es immer wieder materielle Unterstützung, nicht zuletzt für die Kinder unter anderem durch den Verein "Kinder in Valmiera". Phase zwei war die Zeit der großen Projekte, von denen Landrat Adenauer in seiner Rede vor allem eins heraushob: Das Hörgeschädigten-Zentrum in Valmiera. Das war am Morgen des gleichen Tages nach einer Komplettüberholung offiziell eröffnet worden: "Robert Möllmann hat mit dem Hörzentrum sein Lebenswerk geschaffen", lobte Adenauer den Hörstudiobesitzer aus Ahlen.

Für die Zukunft hat Landrat Adenauer vor allem den Bereich des bürgerschaftlichen Engagements in der Zivilgesellschaft als Thema im Blick. Das ehrenamtliche Engagement ist in Deutschland deutlich ausgeprägter als in Lettland, einen ersten Erfahrungsaustausch dazu gab es im vergangenen Jahr bereits. Ein Thema, das gegen Ende des Monats vertieft werden kann: Dann kommt die lettische Delegation zum Gegenbesuch.


Zum Thema: Bevölkerungsschwund

Uniformierte Vertreter der Feuerwehr in Feierlaune beim PartnerschaftsabendGroßbildansicht
Zu den wenigen Uniformierten am Partnerschaftsabend gehörten die Vertreter der Feuerwehr (v.r.): Kreisbrandmeister Rolf Volkmann, sein Stellvertreter Dietmar Holtkemper und Uwe Theismann, Sprecher der Werkfeuerwehren im Kreis Gütersloh. Im Hintergrund links in weißer Uniform: Janis Skrastins, Ratsmitglied der Stadt Valmiera und stellvertretender Leiter der Staatlichen Feuerwehr und des Rettungsdienstes in Valmiera.

Die ernsten Worte des lettischen Staatspräsidenten beim Festakt der Partnerschaft haben einen Hintergrund: Lettland war 2008 an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gelangt und konnte diese nur mit Hilfe der IWF und der EU abwenden. Seitdem suchen vor allem junge Letten ihr Glück im Ausland. Nach der Unabhängigkeit 1991 betrug die Bevölkerungszahl knapp 2,8 Millionen. Die Volkszählung im Jahr 2011 kam auf knapp 2,1 Millionen.

Während der Reise der Delegation des Kreises Gütersloh erzählte eine Rathaus-Mitarbeiterin aus Rujiena jedoch, dass die Volkszählung in Wirklichkeit 1,9 Millionen ergab. Die Zahl war jedoch so erschreckend, dass man sie nicht veröffentlichen wollte und so heißt es offiziell: 2,068 Millionen. Diese Aussage blieb unbestätigt.

Der ehemalige Kreis Valmiera, der im Zuge einer Verwaltungsstrukturreform aufgelöst wurde, hat laut Volkszählung 51.285 Einwohner - ehedem waren es rund 60.000 in dem 2373 Quadratkilometer großen Gebiet. Zum Vergleich: Im Kreis Gütersloh leben auf knapp 1000 Quadratkilometern rund 354.000 Einwohner.