Hörzentrum Valmiera komplett neu: "Wer nicht gut hören kann, der lallt beim Sprechen. Und wer lallt, wird für dumm gehalten."

Valmiera/Lettland, 14.06.2012. Jedes Jahr hätte die Stadt Valmiera/Lettland 20 neue Sozialfälle produziert, wenn nicht vor 19 Jahren durch die finanzielle Unterstützung von Franz-Josef Krane (Rheda-Wiedenbrück) und die Tatkraft seines damaligen Angestellten Robert Möllmann ein Hörstudio in der Hörgeschädigtenschule Valmiera eingerichtet worden wäre.
Robert Möllmann in dem modernen Audimetrie- und Hörgeräte-Anpassraum mit einem kleinen hörgeschädigten MädchenGroßbildansicht
Robert Möllmann in dem modernen Audimetrie- und Hörgeräte-Anpassraum. Hier werden die Hörgeräte genau auf die kleinen und großen Hörgeschädigten angepasst.

Sämtliche Schüler erhalten seitdem ein Hörgerät. "Wer nicht gut hört, lallt beim Sprechen. Und wer lallt, wird für dumm gehalten", erklärt Möllmann, der das Hörstudio inzwischen zu seinem persönlichen Projekt gemacht hat. Und wer für dumm gehalten wird, hat kaum Chancen auf einen vernünftigen Schulabschluss, eine Ausbildung, einen Beruf und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Jetzt hat Möllmann maßgeblichen Anteil an der kompletten Erneuerung des Hörstudios, zwei Drittel der Kosten hat er übernommen.

Die Technik ist komplett neu, die Räume im Erdgeschoss frisch renoviert - vorher saß Leiterin Dina Tanberga mit ihren Mitarbeitern im Keller des Hauses. Offiziell eingeweiht wurde das Hörstudio mit behindertengerechter Auffahrt jetzt während der Reise einer 66-köpfigen Delegation aus dem Kreis Gütersloh mit Landrat Sven-Georg Adenauer an der Spitze. Seit 20 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen dem deutschen und dem lettischen Kreis.

"Eine bessere Technik habe ich in meinem Hörstudio in Ahlen auch nicht", erklärt Möllmann. So befindet sich im so genannten Audimetrie- und Hörgeräte-Anpassraum ein Computer, über den auf einem großen Flachbildfernseher Alltagsgeräusche eingespielt werden können. Kindergarten-Lärm, Straßenverkehr, Konzert - jede nur denkbare Szene lässt sich abrufen. Möllmann: "Das dient dazu, die Hörgeräte richtig einzustellen." Besonderer Vorteil: "Die Kinder akzeptieren das Hörgerät viel besser dank der neuen Messgeräte."

Das Hörstudio, das wie eine Arztpraxis modernen Standards wirkt, wird komplettiert durch ein Büro, eine Werkstatt und einen Besprechungsraum. Ganz neu ist zudem ein medizinisch-ärztlicher Bereich. "Dadurch ist das hier nicht nur ein Hörzentrum, sondern eine staatlich anerkannte Heilanstalt. Das bedeutet Zuwendungen durch den lettischen Staat", unterstreicht Möllmann die Bedeutung. Die von ihm seit fast zwei Jahrzehnten begleitete Institution ist zwar in erster Linie für die Kinder in der Hörgeschädigtenschule sowie für die des angeschlossenen Kindergartens. Aber refinanzieren kann sich die Heilanstalt auf dem freien Markt, indem es auch Erwachsene mit Hörgeräten versorgt und diese repariert. "Deshalb war es so wichtig, dass das Hörzentrum absolut konkurrenzfähig wird. In Lettland ist es jetzt weit vor der Konkurrenz."

Bleibt nur die Frage, warum der Hörgeräte-Experte, der sich 2008 selbstständig gemacht hat und das Hörstudio Möllmann in Ahlen betreibt, das alles macht? Warum er viel Geld und persönlichen Einsatz über fast zwei Jahrzehnte zeigt? "Wegen der Kinder! Das sind die, die hier am meisten Hilfe brauchen." Er stecke nicht nur eigenes Geld in das Projekt, sondern finde auch immer wieder Leute, die das unterstützen.