Polizei-Austausch Gütersloh-Valmiera: Fahrräder sind auch in Lettland bei Dieben beliebt

Valmiera/Lettland, 14.06.2012. Im Flur der Polizei Valmiera gibt es ein Regal mit Fotoalben. Zu sehen sind unter anderem alte VW Passats, die die Letten von der Polizei aus dem Kreis Gütersloh bekommen und denen sie das lettische Polizei-Design verpasst haben.
Lettische und deutsche Polizisten vor dem Gebäude der Regionalpolizei Vidzeme in ValmieraGroßbildansicht
Austausch zwischen deutschen und lettischen Polizisten, hier vor dem Gebäude der Regionalpolizei Vidzeme in Valmiera (v.l.): Raimonds Kronbergs (Leiter Kriminalpolizei Vidzeme), Ilze Ungure (stellvertretende Polizeichefin Vidzeme), Imants Mitrosenko (Polizeichef Vidzeme), Wolfgang Niewald (Leiter Direktion Kriminalität Gütersloh), Karsten Fehring (Leiter der Polizei des Kreises Gütersloh) und Gundi Bitmane, Polizistin und Übersetzerin.

Von diesen Zeiten zeugen nur noch alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen. "Wir bewegen uns heute auf Augenhöhe. Das sind selbstbewusste und gut aufgestellte Polizeiorganisationen", zieht Karsten Fehring, Leitender Polizeidirektor Kreis Gütersloh, Bilanz. Einen Tag lang tauschten sich Fehring und Wolfgang Niewald, Leiter Direktion Kriminalität, jetzt mit den lettischen Kollegen von der Polizei Valmiera und der Regionalpolizei aus. Beide waren Teil der Delegation, die aus dem Kreis Gütersloh zum 20-jährigen Bestehen der Partnerschaft nach Valmiera/Lettland gefahren war.

"Die brauchen keine Unterstützung mehr", stellte Fehring fest, nachdem der Tag mit den lettischen Kollegen sich dem Ende neigte. Wenn, dann müsse künftig ein Austausch zwischen der Polizei Gütersloh und der Regionalpolizei Vidzeme erfolgen. "Das macht Sinn." Denn die ist von der Struktur vergleichbar. Nicht nur die Kreise wurden in Lettland zwischenzeitlich aufgelöst, auch die Polizei ist neu organisiert.

Die Polizei für den ehemaligen Kreis Valmiera ist eine von sieben Polizeieinheiten, die der Regionalpolizei unter Leitung von Imants Mitrosenko unterstehen. 243.511 Einwohner zählt die Region Vidzeme (Kreis Gütersloh 354.000), 17.831 Quadratkilometer ist sie groß (Kreis Gütersloh 968) und 556 Polizeibeamte arbeiten dort (Kreis Gütersloh 485 Polizeibeamte, 50 Angestellte).


Wolfgang Niewald mit den beiden MaskottchenGroßbildansicht
Wolfgang Niewald mit den beiden Maskottchen der Polizei Valmiera, die auf Festen und im Unterricht auftreten, um bei Kindern vor allem für Vertrauen in die Polizei zu werben.

Sehr interessierte sich der Chef der Regionalpolizei Vidzeme für die 2007 im Kreis Gütersloh umgesetzte Polizeireform, die mehr Polizisten nachts auf die Straße brachte und im Gegenzug kleine Wachen dafür nicht mehr rund um die Uhr besetzte: Denn als einzige Regionalpolizei in ganz Lettland hat er genau das auch vor. "Ich bin ein wenig stolz, dieses nur fünf Jahre nach Ihnen umzusetzen", erklärte Mitrosenko. Und Gundega Bitmane, Polizistin und Einsatzführerin in Valmiera und ganztägig an diesem Tag als Übersetzerin tätig, ergänzte: "Es ist ja letztlich egal, wo ein Anruf aufschlägt. Wichtig ist doch nur, dass jemand das Telefonat entgegennimmt und sofort ein Streifenwagen unterwegs ist." 

Ähnlichkeiten gibt es nicht nur bei der Struktur der Polizei, sondern auch im Bereich der Straftaten: Fahrrad- und Metalldiebstahl haben hier wie dort Konjunktur. Massiv gehen die Letten derzeit gegen Alkohol am Steuer vor, und gegen illegale Schnapsbrenner und solche, die Schnapsdestilliergeräte für Zuhause vertreiben. "Das ist gleich geblieben. Schnapsbrennen war schon früher hier ein Problem", erinnert sich Fehring.


Gundi Bitmane und Indulis Rusis mit Karsten FehringGroßbildansicht
Polizistin und Dolmetscherin Gundi Bitmane und Indulis Rusis, Leiter der Kriminalpolizei Valmiera, zeigen Karsten Fehring den Raum des Erkennungsdienstes.

Unterschiede gibt es auch: In Lettland gehen Polizisten bereits mit 50 Jahren in Pension (in Deutschland mit 61), arbeiten dann aber in anderen Branchen weiter. Viel gespart haben sie bis dahin in der Regel nicht: 450 Lat, etwa 640 Euro, verdient der Kripo-Chef der Polizei Valmiera, ein Polizeiinspektor 300 bis 350 Lat (430 - 500 Euro). Gundi Bitmane: "Viele nutzen ihren Urlaub nicht, um sich zu erholen, sondern um im Ausland für ein paar Wochen etwas zusätzlich zu verdienen."

Mit einem Chip in einer Tasche am Oberarm der Uniform lassen sich die gesicherten Türen öffnen, erste Dienstfahrzeuge sind mit GPS-Ortung ausgestattet, ein ziviler Subaru hat eine Kamera an der Heckscheibe. Im Hof stehen neue allradgetriebene VW Tiguan-Streifenwagen. Lediglich die Büros der Polizei Valmiera - und vor allem die Zellen - versprühen noch einen Hauch Sowjetunion. Ganz anders das moderne Polizeigebäude der Regionalpolizei, die ebenfalls in Valmiera angesiedelt ist und für die ganze Region Vidzeme zuständig ist: Moderne Einrichtungen und neue Technik prägen das Gebäude.


Streifenwagen vom Typ Renault MeganeGroßbildansicht
Auf dem Hof der Polizei Valmiera: Allein fünf Streifenwagen vom Typ Renault Megane stehen hier, für deren Reparatur kein Geld da ist. Im Hintergrund ein beschlagnahmter Trecker - Verdacht auf Holzdiebstahl.

Am Ende tauschen die deutschen und lettischen Kollegen die Telefonnummern aus: "Wenn Sie mal einen Straftäter aus unserem Land haben und wir Ihnen helfen können, rufen Sie an", meinte Fehring. "Das geht schneller als der Dienstweg über die Ministerien." Und zu einem Gegenbesuch lädt er auch ein. Vielleicht klappt das noch in diesem Herbst. Dann könnte es auch darum gehen, wie das erfolgreiche Mehrländer-Projekt im Bereich der Prävention weiter geht.

Zum Thema: Polizei-Klasse an der Schule

In einem Punkt sind die Letten ihren deutschen Kollegen weit voraus: Die Rekrutierung des Nachwuchses fängt direkt in der Schule an: An der Mittelschule in Valmiera, die von Rudite Markus, der lettischen Koordinatorin der Partnerschaft geleitet wird, gibt es eine Polizeiklasse. Auf dem Stundenplan steht neben Mathe und Geschichte auch Selbstverteidigung. Nach dem Schulabschluss geht es für diese Schüler direkt auf die Polizeiakademie.