Fachveranstaltung "Sprachsensibel unterrichten - Wie geht das?" Sprachbildung und sprachsensibler Fachunterricht in der Praxis

Rund 70 Lehrkräfte aller Schulformen folgten der Einladung des Kommunalen Integrationszentrums zu einem Workshop von Prof. Josef Leisen, einem langjährigen Experten auf dem Gebiet der Sprachbildung.

"Wenn doch bloß die Sprachprobleme in meinem Unterricht nicht wären!" Das ist ein oft gehörter Ausruf von Lehrkräften. Anhand vieler  praktischer Beispiele und Übungen wurde in dieser Veranstaltung deutlich, Fachlernen und Sprachlernen im Fach erfolgen Hand in Hand und können nicht voneinander getrennt werden. Auf Grund der zunehmenden sprachlichen Heterogenität in der Schülerschaft entstehen neue Herausforderungen in allen Fächern. Die Antwort kann nicht sein, fachsprachliche Anforderungen permanent zu reduzieren. Mit sehr anschaulichen Beispielen aus der Praxis schärfte Leisen den Blick der Lehrkräfte für sprachliche Hürden in Fachtexten und zeigte Methoden auf, Schülerinnen und Schüler bei ihrem "Hürdenlauf" zu unterstützen.

Grafik: Prof. Josef Leisen
Grafik: Prof. Josef Leisen

Hier sind nur 2 Beispiele zu sehen, wie Prof. Leisen sowohl die Herausforderungen als auch mögliche Lösungsansätze in seinem Vortrag sehr bildhaft darstellte und wie er mit Hilfe von anschaulichen Modellen arbeitete. Den Weg von der Alltagssprache zur Bildungssprache verglich er mit einem Hürdenlauf. Dabei kommt es nicht darauf an, die Höhe der Hürden zu verringern. Vielmehr sind Hilfen notwendig, um die Hürden zu überwinden. Die Heterogenität der Schülerschaft verglich er mit Menschen, die sehr unterschiedlich lange Beine haben. Sie alle sollen gleich hohe Stufen überwinden. Auch hier wurde deutlich, dass  jeder einzelne individuell angemessene Unterstützung benötigt, um das angestrebte Ziel zu erreichen und um kontinuierlich Fortschritte zu machen. Sprachsensibler Unterricht ist daher unbedingt erforderlich, um die sprachliche Heterogenität in Bezug auf fachliches Lernen im Unterricht angemessen zu berücksichtigen. Anhand beispielhafter Filmsequenzen stellte Prof. Leisen überzeugend dar, dass sprachliches und fachliches Lernen nur in Verbindung mit wertschätzendem Lehreragieren möglich ist. Denn der Erwerb von Sprache bedeutet Lernen und Lernen ist Anstrengung. Wie alle Menschen sind auch Schülerinnen und Schüler zur Anstrengung bereit, wenn sie Wertschätzung, Erfolg und Autonomie dadurch erfahren.

Foto: Kommunales Integrationszentrum
Foto: Kommunales Integrationszentrum

Ein wichtiger Bereich des sprachlichen Lernens im Unterricht ist das Erlesen eines Textes. Am Nachmittag stellte Prof Leisen sein Lesemodell zum verstehenden Lesen in 6 Schritten vor:

  1. Vorentlastung
  2. orientierendes Lesen
  3. selektives Lesen
  4. intensives Lesen
  5. extensives Lesen
  6. Textnutzung

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten anschließend die Möglichkeit, Leseaufträge zu ihren mitgebrachten Sachtexten für den eigenen Unterricht gemäß der einzelnen Schritte zum verstehenden Lesen zu formulieren.

Durch die pointierte Darstellung der sehr gut vorbereiteten Inhalte und unter Einbezug vieler Praxisbeispiele zeigten sich die Lehrkräfte am Ende der Veranstaltung sehr zufrieden und motiviert, ihren Unterricht sprachsensibel durchzuführen.

 


Erika.Dahlkoetter@gt-net.de
Erika Dahlkötter

Ansprechpartnerin:       

Erika Dahlkötter

Kommunales Integrationszentrum Kreis Gütersloh

Tel.: 05241 / 85-1545

E-Mail: Erika.Dahlkoetter@gt-net.de

Ich stimme zu, dass diese Seite Cookies für Analysen verwendet.