HEIMAT-JAHRBUCH: AKTUELLE AUSGABE

Wieso gab es 1898 die Revolution von Benteler? Warum hat Versmold eine lange maritime Tradition? Wo haben Heimatforscher im Kreis Gütersloh die virtuellen Welten für sich entdeckt? Und warum verlief der Start der Kreisleitstelle so stürmisch? Die Antworten hierzu und weitere spannende Beiträge finden sich im aktuellen Jahrbuch.

Maria Abeck-Brandes: Harsewinkel blüht auf

Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus)

Unbedachte Zerstörung der Natur kann über lange Zeiträume Gewachsenes schnell zunichtemachen. In die langsam gewachsene, heimische Kulturlandschaft wurde in wenigen Jahrzehnten derart im Zuge von Industrialisierung und Intensivierung der Landwirtschaft eingegriffen, dass es zu einem massiven Rückgangs der Artenvielfalt gekommen ist. Maria Abeck-Brandes zeigt auf, mit welchen Maßnahmen die Lokalen Agenda Umwelt in Harsewinkel – zusammen mit anderen Akteuren – dem entgegensteuert. Die Entwicklung der städtischen Ausgleichsfläche „Kuhteich“ zu einem artenreichen Lebensraum, verändertes Verhalten beim Mähen an Wegrainen und Ufer-Randstreifen sowie die Entwicklung einer Streuobstwiese in Marienfeld haben schon viele positive Ergebnisse gebracht.

Bild: Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus), ein regelmäßiger Gast auf der Kuhteichwiese. (Josef Thomalla)


Manfred Beine: Das Rietberger Notgeld von 1921

Wie viele andere Kommunen auch brachte die Stadt Rietberg nach dem Ersten Weltkrieg Notgeldscheine wegen des Mangels an Münzen heraus. Das Besondere am Rietberger Notgeld von 1921 war seine sehr ansprechende Gestalt. Zwei Rietberger Persönlichkeiten – der Maler Pater Walther Tecklenborg (1876-1965) und der Heimatforscher und Gelegenheitsdichter Professor Georg Seppeler (1847-1936) – schufen hier durch ihr Zusammenwirken kleine Kunstwerke, die ausgewählte Szenen und Momente der Stadt- und Landesgeschichte höchst anschaulich vorführen.


Bild: Vorderseite des Rietberger Notgeldscheines im Wert von 25 Pfennig. (Stadtarchiv Rietberg)


Manfred Beine: Der Umbau des Rietberger Rathauses im Jahre 1915 (II)

Manfred Beine beschäftigt sich mit dem Umbau des Rietberger Rathauses im Jahr 1915. Im ersten Teil seines Beitrages hatte er den Schwerpunkt auf die beeindruckenden Glasfenster der Glasmalereiwerkstatt Ferdinand Müller aus Quedlinburg gelegt, die zu diesem Zweck angeschafft wurden. Der zweite Teil widmet sich nunmehr den weiteren Maßnahmen und Besonderheiten des Rietberger Rathausumbaus zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Im Fokus stehen das beim Umbau gefundene herrschaftliche Wappen Ostfriesland-Rietberg/Salm-Reifferscheidt sowie die erheblichen Kostensteigerungen bei den Baumaßnahmen.


Bild: Das Rathaus Rietberg nach dem Umbau von 1915, Postkarte aus dem Verlag W. Vahle, Rietberg, um 1925. (Stadtarchiv Rietberg)


Michael Bleisch: Familien- und Kirchengeschichte an Ursprungsorten der Reformation in Westfalen – Gütersloh und Rheda (I)

Michael Bleisch setzt seine mehrteilige Reihe von Studien zur Kirchen- und Familiengeschichte im heimischen Raum fort. Der Blick richtet sich zunächst auf Gütersloh. Es war zusammen mit Rheda das einzige Kirchspiel, das seit den frühen Anfängen der Reformation verbunden blieb. Michael Bleisch erinnert an den ersten lutherischen Gottesdienst in Gütersloh und an die Emanzipation des lutherischen Gütersloh von landeskirchlichen Bindungen. Die Familien- und Kirchengeschichte zu Isselhorst und Gütersloh beschreibt er unter anderem im Spiegel von 37 heraldischer Bildern.



Bild: Aus Bielefeld kommend errichtete die Familie Hofbauer 1730 das 1971/82 ins Freilichtmuseum Detmold umgesetzte Haus Am Domhof 4. (Michael Bleisch)


Mareike Bußkamp: LAG GT8: Gemeinsam den ländlichen Raum gestalten

Fünf Buchstaben und eine Zahl: Was haben sie zu bedeuten? Fast jeder, der mit dem Namen LAG GT8 zum ersten Mal in Berührung kommt, kann nicht auf Anhieb etwas damit in Verbindung setzen. LAG ist die Abkürzung von Lokale Aktions-Gruppe, GT steht für den Kreis Gütersloh und die Zahl 8 für die Anzahl an Kommunen, die bei diesem Zusammenschluss mitwirken. Bei der LAG GT8 handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein, der im April 2017 gegründet worden ist, um Fördermittel aus dem Landesprogramm VITAL.NRW in dem Zeitraum von 2017-2022 zu generieren. Gefördert wird beispielsweise die Einrichtung einer Holzmanufaktur in Harsewinkel als externer Lernstandort, die aufsuchende Jugendarbeit in Borgholzhausen, Werther und Versmold, die Anschaffung einer Drohne zum Artenschutz durch den Hegering Rietberg oder aber die Einführung einer Werkvertragsberatung durch die Caritas.

Bild: Holzmanufaktur Harsewinkel: Vermittlung von handwerklichen Fähigkeiten rund um den Werkstoff Holz. (Holzmanufaktur Harsewinkel e.V.


Norbert Ellermann / Gertrud Meyer: Ein Denunziantenfall in Rheda im Jahr 1943

Das Beispiel einer Denunziation während des „Dritten Reichs“ in der Stadt Rheda schildern Norbert Ellermann und Gertrud Meyer. Die Mutter von Gertrud Meyer, Else Krakenberg, wurde Anfang 1943 denunziert. Sie wurde von der Gestapo verhaftet und u.a. wegen des Abhörens ausländische Sender angeklagt. Das Urteil für Else Krakenberg lautete auf drei Jahre Zuchthaus. Nachbarn hatten sie denunziert, nicht etwa aus politischen, sondern aus persönlichen Gründen: Sie wollten die größere Wohnung der Krakenbergs für sich haben.




Bild: Else Krakenberg mit ihrer Tochter Gertrud im Jahr 1942 in Rheda. (Gertrud Meyer, St. Vit)


Johannes W. Glaw: Die Ausgabe von Notgeld im heutigen Kreis Gütersloh

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges bestimmte vielfältiger Mangel das Leben in Deutschland, mit drastischen Folgen für die deutsche Geldwirtschaft. Angesichts knapper Silbervorräte und kontinuierlich steigender Rohstoffpreise übertraf der Silberwert mancher Reichsmünzen bald deren Nominalwert. Folgerichtig wurden in den staatlichen Münzanstalten kaum noch neue Silbermünzen geprägt. Vor diesem Hintergrund gestattete der Staat schließlich 1918 die Herausgabe lokaler Zahlungsmittel als Ersatzgeld, sog. „Notgeld“. Auch der Kreis Wiedenbrück sowie die Städte Rietberg und Wiedenbrück nutzten diese Möglichkeit und brachten eigenes Notgeld heraus. In den folgenden Jahren wurde dann die Inflation in Deutschland zum treibenden Faktor weiterer Notgeld-Ausgaben, unter anderem in Gütersloh und Rheda.


Bild: Notgeldschein der Stadt Rheda im Wert von Zehn Billionen Mark vom 23.11.1923. (Johannes W. Glaw)


Alexander Heim: Die Firma Hans Poppenburg in Borgholzhausen

Für viele Menschen ist der Name Borgholzhausen vor allem mit dem Lebkuchen verbunden. Doch auch Wurstspezialitäten wurden dereinst am Rande des ostwestfälischen Speckgürtels produziert. Die Hans Poppenburg GmbH & Co. KG war eines dieser Unternehmen – und ist in den vergangenen Jahren etwas in Vergessenheit geraten. An diesen Hidden Champion und Global Player, der immerhin sogar Patente in den USA hielt und bis zu 200 Menschen einen Arbeitsplatz in Borgholzhausen bot, erinnert Alexander Heim in seinem Beitrag.



Bild: Die Keimzelle der Firma Hans Poppenburg: Das Haus Borgholzhausen Nr. 64. (Heimatverein Borgholzhausen)


Alexander Heim: Die Corona-Pandemie 2020 betraf den Kreis Gütersloh in ganz besonderer Weise

Mit einem seit Monaten aktuellen Thema beschäftigt sich Alexander Heim. Er nimmt die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Kreis Gütersloh bis zum Sommer 2020 in den Blick. Nicht als Chronik der Ereignisse, sondern als persönlicher Blick auf die turbulenten Ereignisse und die Reaktionen der Menschen aus dem Kreis.




Bild: Abstand halten, bitte: Auf unterschiedlichste Art und Weise wurde (und wird) 2020 darauf hingewiesen, sich nicht zu nahe zu kommen. (Alexander Heim)


Annette Huss: Schule mit „Marterpfahl“

Mit Kunst am Schulbau im Amt Verl in den 1960er Jahren beschäftigt sich Annette Huss. Im Zentrum stehen dabei die heimischen Künstler Heinz Hollenhorst und Hagen Lükewille, die mehrere Kunstwerke für Schulen im Amt Verl geschaffen haben. Was das jedoch mit Marterpfählen zu tun hat, können sie im aktuellen Jahrbuch nachlesen.





Bild: Hagen Lükewilles Relief des Königs und Kaisers Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde an der Elbracht-Schule. (Stadt Schloß Holte-Stukenbrock)


Lukas Koch: Die von Peter August Böckstiegel entworfenen Notgeldscheine der Stadt Hameln

„Habe in Diesen Tagen einen Auftrag für Stadt Hameln Gutscheine für Notgeld zu machen bekommen, alles es sind 6 Scheine sollen bis zum 8. September [1921] dort sein, Da habe ich alle Stunden zu nützen um fertig zu werden.“ Es war das einzige Mal, dass Peter August Böckstiegel Motive für Notgeldscheine entworfen hat. Entstanden sind kleine Meisterwerke mit beeindruckenden Bildern zur Rattenfänger-Sage. Lukas Koch erläutert in seinem Beitrag die Hintergründe für den Auftrag an Peter August Böckstiegel und stellt ausführlich die einzelnen Notgeldscheine vor.



Bild: Der dritte Schein aus der Notgeldserie zeigt den Auszug des Rattenfängers mit den Ratten aus Hameln. Der Flöte spielende und tanzende Rattenfänger steht im Zentrum der Komposition, der ihn umgebende Boden ist mit Ratten übersät. (Kreisarchiv Gütersloh)


Stefan Küppers: Lückenschluss der A33

Mit der Fertigstellung des letzten A33-Teilstücks auf nordrhein-westfälischer Seite hat eine beinahe 60 Jahre dauernde Planungsgeschichte ihr Ende gefunden. Mit einer terminlichen Punktlandung konnte die Autobahn für den Verkehr freigegeben werden. 167 Millionen Euro kostete der knapp zwölf Kilometer langen Autobahnabschnitt zwischen Halle-Künsebeck und Borgholzhausen, 36 Brücken über die Autobahn sowie 5.000 Meter Lärmschutzwälle, 4.450 Meter Lärmschutzwände und 10.3000 Meter Wall-Wand-Kombinationen mit bis zu sieben Meter Höhe wurden gebaut.




Bild: Postweggrünbrücke im Dezember 2016. (Ulrich Fälker)


Knut Langewand: Benteler wird eigenständig (I)

Heute sind sie durch eine Kreis- und die Grenze eines Regierungsbezirks getrennt: die Gemeinde Wadersloh und der Langenberger Ortsteil Benteler. Noch bis 1898 war Benteler allerdings Teil der damaligen, kleineren Gemeinde Wadersloh. Am 1. April 1898 wurde die Bauerschaft Benteler eigenständig. Doch wie kam es dazu? Gab es, wie eine Legende besagt, die „Revolution von Benteler“? Dieses „verwaltungsgeschichtlichen Dramas in mehreren Akten“ nimmt sich der Leiter des Warendorfer Kreisarchivs, Dr. Knut Langewand, in seinem Beitrag an.




Bild: Hermann Knickenberg, Landrat des Kreises Beckum, spielte eine wichtige Rolle bei der Erlangung der Eigenständigkeit Bentelers. (Kreisarchiv Warendorf)


Wolfgang-A. Lewe / Jochen Ossenbrink: Halremund/Hellermont/Hellerforth

Auf die Spuren eines alten Namens begeben sich die beiden erfahrenen Heimatforscher Wolfgang-A. Lewe und Jochen Ossenbrink. Ihre Recherchen nach dem alten Hofnamen Halremund führt sie bis ins 13. Jahrhundert zurück und von Rheda schließlich in die Bauerschaft Liemke.





Bild: Hof Tor Mast (Massmann) in Rheda, der gegen Kleine Helleforth eingetauscht wurde. (Wolfgang-A. Lewe)


Eckhard Möller: In Herzebrock-Clarholz wurde zusammengefügt, was zusammengehört

Der 50. Geburtstag eines Menschen ist fast immer Anlass, mit Verwandten und Freunden zu feiern, auf das Erreichte zurückzublicken und neue Pläne zu schmieden. Auch Firmen, Vereine und Körperschaften pflegen aus Anlass des 50jährigen Bestehens auf ihre Erfolgsgeschichte zu schauen. Genau das macht der ehemalige Gemeindearchivar von Herzebrock-Clarholz, Eckhard Möller. Er beschäftigt sich mit der Gründung der Gemeinde Herzebrock-Clarholz 1970 im Rahmen der kommunalen Neugliederung. Sein Aufsatz zeichnet die „vorgeburtlichen“ Debatten in Herzebrock, Clarholz und Lette in den Jahren 1967 bis 1970 nach und schließt mit einer kurzen Wertung des Autors, wie er die kommunale Neugliederung und die Entwicklung der Gemeinde Herzebrock-Clarholz beurteilt.



Bild: Innenminister Herbert Schnoor (rechts) überreicht Bürgermeister Dieter Mersmann am 25. Mai 1985 in der Zehntscheune die Urkunde, mit der der Gemeinde der Doppelname Herzebrock-Clarholz verliehen wird. (Gemeindearchiv Herzebrock-Clarholz)


Walter Moritz: Bertelsmann druckte Bücher in der Herero- und Namasprache (I)

Ein bisher wenig bekanntes Kapitel der Geschichte des Gütersloher Medienkonzerns Bertelsmann beleuchtet der Missionar und Pastor i.R. Walter Moritz. Denn bei Bertelsmann in Gütersloh wurden seit 1861 Bibeln, Predigtbände, Gesangbücher, aber auch Schulbücher in der Hererosprache für Namibia, das damalige Südwestafrika, gedruckt.




Bild: Biblische Geschichte in Herero (6. Auflage). Die erste Auflage wurde von Missionar Carl Hugo Hahn bearbeitet und von Johanna Gertse Korrektur gelesen. Die Auflage konnte 1861 bei Bertelsmann in Gütersloh gedruckt werden. (Walter Moritz)


Martin Neitemeier: Kreisleitstelle Gütersloh

Über den stürmischen Start der Kreisleitstelle Gütersloh am neuen Standort berichtet Martin Neitemeier. In der Kreisleitstelle werden alle aus den 13 Städten und Gemeinden des Kreises über die 112 eingehenden Notrufe sowie die Anforderungen von Krankentransporten angenommen und durch die Disposition der erforderlichen Einsatzmittel bearbeitet. Im Dezember 2019 bezog die Kreisleitstelle ihr neues Domizil im Neubau der Feuerwehr am Marktplatz Gütersloh. Während das Umschalten der Notruf- und Krankentransportnummern und auch die ersten Monate nach dem Umzug insgesamt sehr gut geklappt haben, begannen die besonderen Herausforderungen auch in der Leitstelle mit der Verbreitung des Corona-Virus in Deutschland.


Bild: Besprechung am Einsatzleitplatz: Brandoberinspektor und Lagedienstführer David Schürmann (links) mit Brandrat Olaf Knop, dem Chef der Kreisleitstelle des Kreises Gütersloh. (Martin Neitemeier)


Doris Pieper: 10 Jahre Theater Gütersloh

Auf eine Erfolgsgeschichte blickt Doris Pieper in ihrem Beitrag zurück. Das Theater Gütersloh besteht nunmehr seit zehn Jahren. Auch wenn coronabedingt die Jubiläumsfeierlichkeiten – etwa die eigens für das Gütersloher Theater geschaffene Gala des Balletts Dortmund – abgesagt werden mussten, wurden in den letzten Jahren doch „alle Erwartungen bei weitem übertroffen“. Doris Pieper zeichnet die wechselhafte Entstehungsgeschichte des Theaters nach, hebt einige der herausragenden Aufführungen hervor und betont die Kreativität der Theatermacher im Umgang mit der Corona-Krise.



Bild: Mit standing ovations wurde Hollywood-Star Bill Murray im Juni 2018 für seinen literarisch-musikalischen Abend gefeiert. Der damals 67-Jährige bot einen Mix aus cooler Socke und altersweisem Spötter. (Doris Pieper)


Dennis Poschmann: Die Firmungsreise des Osnabrücker Weihbischofs Carl Clemens von Gruben

Um nach langer Zeit den Gläubigen der Dekanate Wiedenbrück und Rietberg das Sakrament der Firmung zu spenden, brach der Osnabrücker Weihbischof Carl Clemens von Gruben im Sommer des Jahres 1819 zu einer gut vorbereiteten Fahrt auf, welche in einem Tagebuch festgehalten wurde. Die Reiseroute wird in dem Beitrag von Dennis Poschmann mit den einzelnen Stationen nachgezeichnet, viele der im Tagebuch namentlich erwähnten Personen werden vorgestellt.




Bild: Weihbischof Carl Clemens von Gruben, Lithografie von Chr. Espagne, Münster, angefertigt um 1830. (Hermann Reminghorst, Diözesanmuseum Osnabrück)


Günter Potthoff: Erinnerungen dreier Zeitzeugen geben Einblick in die Geschichte des Sozialwerks Stukenbrock

Mit der Geschichte des Sozialwerks Stukenbrock beschäftigt sich der Heimatforscher Günter Potthoff. Er lässt hierzu drei Zeitzeugen zu Wort kommen: Der damalige Auszubildende Herbert Teichmann, der Schüler Klaus-Jürgen Streck und Pfarrvikar Anton Bangen berichten über ihre persönlichen Erlebnisse im Sozialwerk Stukenbrock, in dem sie zum Teil mehrere Jahre gelebt und gearbeitet haben. Beeindruckend sind die vielen Abbildungen aus dem Alltagsleben des Sozialwerks, einige davon werden zum ersten Mal veröffentlicht.



Bild: Ansichtskarte mit Motiven aus dem Sozialwerk Stukenbrock von 1965. Die auf der Postkarte abgebildeten Fotos stammen von dem Fotografen Norbert Altemeyer aus Hövelriege, Kreis Paderborn. Altemeyer war bis zur Schließung des Sozialwerks Fotograf für Neuankömmlinge (Passfotos). (Fotosammlung Günter Potthoff)


Claudia Quirini-Jürgens / Wilhelm Gröver Das Projekt „Artenreiche Lebensräume“ in der VITAL-REGION GT8

Auch im Kreis Gütersloh ist ein drastisches Artensterben von Tieren und Pflanzen aufgrund der Veränderungen in der Kulturlandschaft zu verzeichnen. Um diesem negativen Trend des großflächigen Artensterbens ein Stück weit entgegenzuwirken, wurde 2013 das Projekt „Artenreiche Feldflur“ ins Leben gerufen. 2019 startete das vom Land Nordrhein-Westfalen und dem Kreis Gütersloh geförderte Nachfolgeprojekt „Artenreiche Lebensräume in der VITAL-Region GT8“ unter der Leitung der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld e.V. Die Projektleiterin Claudia Quirini-Jürgens und der Leiter der Umweltabteilung beim Kreis Gütersloh, Wilhelm Gröver, zeigen die verschiedenen Maßnahmen auf, die das Projekt „Artenreiche Lebensräume“ seitdem unterstützt.


Bild: Nur Regiosaatgut von zertifizierten Anwendern mit einer möglichst breiten Mischung an heimischen Blütenpflanzen kann auch selteneren Insekten helfen. Noch besser ist der Erhalt vorhandener blütenreicher Flächen. (Claudia Quirini-Jürgens)


Hans Jürgen Rade: Das heilige Kreuz in Delbrück

Das Jahr 1671 markiert in der Geschichte der katholischen Pfarrei St. Johannes Baptist in Delbrück (Kreis Paderborn) den Neubeginn der bis heute anhaltenden Verehrung eines Kreuzes, das sich bis in das Jahr 1496 zurückverfolgen lässt. Zu den Pilgern, die Hilfe bei dem als wundertätig bezeichneten Kreuz suchten und fanden, gehörten im 17. und 18. Jahrhundert auch Menschen aus der Herrschaft Rheda, der Grafschaft Rietberg und der Stadt Wiedenbrück. Hans Jürgen Rade stellt in seinem Beitrag die Erfahrungen von elf Frauen, Männern und Kindern vor, die in Delbrück dokumentiert wurden.



Bild: Das Delbrücker Kreuz. Hinter dem Verschlussstein auf der Brust des Korpus befinden sich eine Kreuzreliquie und die anderen 1671 aufgefundenen Reliquien. (Hans Jürgen Rade)


Klaus-Peter Schillig: 25 Jahre PAB-Gesamtschule

Die Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule in Werther und Borgholzhausen hat allen Grund zu feiern. Denn sie kann auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken. Die „PAB“, wie sie von Schülern, Eltern und Lehrern kurz genannt wird, hatte vor ihrem Start vor 25 Jahren nicht nur für hohe politische Wellen gesorgt, sondern auch ein Alleinstellungsmerkmal: die einzige Gesamtschule im Land Nordrhein-Westfalen mit zwei Standorten. Und dann auch noch in Trägerschaft des Kreises Gütersloh. Wie es dazu kam und wie die PAB zu einem Glücksfall für Borgholzhausen und Werther wurde, schildert Klaus-Peter Schillig in seinem Beitrag für das Heimatjahrbuch.


Bild: Am Standort Borgholzhausen musste der Kreis Gütersloh als Schulträger viele Millionen Mark und später Euro in die Hand nehmen, um die vorhandenen Gebäude zu erweitern. Schließlich musste hier auch die Oberstufe mit entsprechenden Fachräumen untergebracht werden. (PAB-Gesamtschule)


Brigitte (Text) und Rolf-Jürgen (Fotos) Spieker: Die Wiedenbrücker Kirchenmalerfamilie Georg und Eduard Goldkuhle

Nachdem Brigitte und Rolf-Jürgen Spieker im letzten Heimatjahrbuch das Leben und Wirken des Bildhauers Heinrich Hartmann vorgestellt haben, widmen sie sich nun den Malern Georg (1849-1900) und Eduard (1878-1953) Goldkuhle. Bei Vater und Sohn überraschen der Umfang und die Breite des künstlerischen Wirkens. Leider sind viele ihrer Arbeiten zwischen 1950 und 1980 übermalt worden, falls sie nicht schon im Zweiten Weltkrieg zerstört worden waren. Die erhaltenen Werke – u. a. Wand- und Deckenmalereien im Hamburger Mariendom – machen ihr beeindruckendes künstlerisches Schaffen aber nachvollziehbar.




Bild: Georg Goldkuhle, Herford: Detail aus dem Altargemälde „Anbetung der Könige“. Maria, auf ihr Kind schauend. (Rolf-Jürgen Spieker)


Rolf Westheider: Die Geschichte der Familie Delius

Warum hat Versmold eine maritime Tradition? Dieser Frage geht Versmolds Stadtarchivar Dr. Rolf Westheider in seinem Beitrag nach. Und sie führt ihn zur Familie Delius. Denn diese war mit der Herstellung und Vertrieb von Segeltuch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgreich. In Versmold, einem Ort, der mit Schifffahrt nun ganz und gar nichts zu tun hatte, entstand so eine Schiffsausrüstung, der neben der Handelsschifffahrt auch die Marine vertraute. Sämtliche spanische Kriegsschiffe etwa segelten mit Versmolder Tuchen. Später gründete die Familie Delius den seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Bielefeld ansässigen Verlag Delius Klasing. Ein wesentlicher Geschäftszweig dieses Verlages besteht in der Publikation von Wassersportliteratur.

Bild: Zwischen Münsterstraße (vorn) und Aabach: die 1863 erbaute Segeltuchweberei. Am rechten Bildrand: das 1875 errichtete Verwaltungsgebäude, dazwischen die heutige Anton-Henrich-Delius-Straße. (Stadtarchiv Versmold)


Andreas Wiedenhaus: Heimatforscher nutzen Internet und Digitaltechnik

Vier Beispiele aus dem Kreis Gütersloh zeigen nicht nur die vielfältigen Möglichkeiten, die moderne Computertechnik und World Wide Web heute bieten, sie machen auch deutlich, wie virtuelle Darstellung neue Perspektiven auf reales Geschehen ermöglicht, welche Austausch- und Kommunikationsmöglichkeiten es gibt und wie neue Zielgruppen erschlossen werden können. Andreas Wiedenhaus stellt das virtuelle Museum Haller ZeitRäume, das Internet-Projekt „Westfalenhöfe“, eine App für eine digitale Stadtführung durch Rheda-Wiedenbrück und das Geschichtsportal Werther vor.