„Ärzte- und Pflegeversorgung im ländlichen Raum: Welchen Beitrag kann die Kommune leisten?“

Online Fachaustausch war ein voller Erfolg


Großen Zuspruch erhielten die LAG GT8, die Stadt Gütersloh und die Gemeinde Langenberg als Organisatoren des Online Fachaustausches „Ärzte- und Pflegeversorgung im ländlichen Raum: Welchen Beitrag kann die Kommune leisten?“, der am 16.02.2021 stattfand. Fast 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern – darunter Bürgermeister, kommunale Vertreter, Dienstleister aus der Gesundheitsbranche oder Regionalmanagerinnen und -manager aus LEADER- und VITAL-Regionen in NRW – tauschten sich zur Sicherung der gesundheitlichen Versorgung im ländlichen Raum aus. Die Ergebnisse des mit VITAL.NRW-Mitteln geförderten Projektes „VITAL.Lokal“ schafften eine gute Diskussionsgrundlage, um Antworten auf die Frage zu finden, welchen positiven Einfluss Kommunen auf die dauerhafte Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum nehmen können. Was schnell deutlich wurde, ist die Tatsache, dass es nicht den ländlichen Raum gibt und es individuelle Lösungsansätze gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, Ärzten und Dienstleistern aus der Gesundheitsbranche vor Ort zu entwickeln gilt. „Die Befragung unserer Bürgerinnen und Bürger brachte wertvolle Erkenntnisse. In Langenberg fühlen sich die Menschen sehr wohl, 90% der Befragten nehmen ihren Wohnort als sauber und sicher wahr. Das Angebot an Pflege- und Versorgungseinrichtungen ist aus ihrer Sicht zufriedenstellend. Was eine kleine Gemeinde auszeichnet, ist, dass 92% der Befragten, Personen in ihrem Umfeld haben, auf dessen Hilfe und Unterstützung sie im Bedarfsfall zurückgreifen können,“ so Bürgermeisterin Mittag.

Im Sinne einer „sorgenden Gemeinschaft“ zieht Frau Mittag das Fazit, dass eine Quartiersarbeit mit Blick auf die älterwerdende Bevölkerung proaktiv in verschiedenen Themenbereichen wie Mobilität, Gesundheitsversorgung und Wohnen angestrebt werden sollte. Ein lokales Netzwerk könnte mit Unterstützung der Verwaltung und des Beirates für Seniorinnen und Senioren gegründet werden, in dem neben öffentlichen und gemeinnützigen Akteuren auch privatwirtschaftliche (z.B. Ärzte, Apotheken, Pflegedienste) vertreten sind. „Es wird das Ziel sein, eine hohe Lebensqualität, wozu eine gute Gesundheitsversorgung gehört, in beiden Ortsteilen gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu sichern“.

Bei der Stadt Gütersloh geht man andere Wege. Im Stadtteil Blankenhagen soll perspektivisch ein Gesundheits- und Pflegezentrum, das zugleich als Begegnungsstätte dienen soll, geschaffen werden. Einerseits soll dadurch die Gesundheitsversorgung vor Ort langfristig sichergestellt werden, andererseits die Gemeinschaft in Blankenhagen gestärkt werden. „Wir befinden uns in Gesprächen mit Medizinern und Dienstleistern aus der Gesundheitsbranche“, berichtet Jörg Möllenbrock von der Stadt Gütersloh. „Aktuell arbeiten wir an einer Übergangslösung, um Versorgungsangebote für ältere Menschen in Blankenhagen zu schaffen.“ Erste Angebote gibt es seit August vorigen Jahres. Außerdem führt Möllenbrock als Arztlotse der Stadtverwaltung konkrete Gespräche mit einem jungen Hausmediziner, der sich möglicherweise in Gütersloh niederlassen wird. Güterslohs Bürgermeister Norbert Morkes hebt besonders die Funktion des Arztlotsen hervor: „Die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle innerhalb unserer Verwaltung insbesondere für junge Mediziner ist der erste entscheidende Lösungsansatz, den wir aus dem Projekt ,VITAL.Lokal‘ abgeleitet haben und weiter ausbauen wollen. Jörg Möllenbrock als unser Arztlotse steht im regen Austausch mit Medizinern, die in Erwägung ziehen, sich in Gütersloh niederzulassen. Auch freue ich mich für alle Blankenhagenerinnen und Blankenhagener, dass nach vielen Jahren jetzt ein positiver Impuls mit der kürzlich an den Start gegangenen Beratungseinrichtung rund um Pflege und Prävention entstanden ist. Und das Angebot – so der Plan – soll auch noch ausgebaut werden.“

Auch die Aktivitäten rund um den Gesundheitskiosk in Versmold-Loxten machen deutlich, dass quartiersbezogene Lösungsansätze dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum sicherzustellen. „Wenn wir von Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum sprechen, dann geht es nicht nur um Ärzteversorgung. Im Rahmen der Aktivitäten rund um den Gesundheitskiosk in Loxten geht es darum, Gesundheitsprävention zu verknüpfen mit Versorgungsangeboten wie Apotheken-Bring-Dienst, Bäcker und die Möglichkeit, Lebensmittel des täglichen Bedarfs dort kaufen zu können. In Loxten soll es künftig eine multifunktionale Anlaufstelle geben, die Treffpunkt für Jung und Alt wird.“, so Bürgermeister Michael Meyer-Hermann, der nicht nur in seiner Funktion als 1. Vorsitzender der LAG GT8 den Fachaustausch interessiert verfolgt hat. „Mich freut es sehr, dass wir im Rahmen dieser Veranstaltung auch andere Lösungsansätze kennengelernt haben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gingen auch auf ihre Projekte ein, z.B. auf den Gesundheitskiosk in Lemgo, der sich aktuell in der Planung befindet oder die Aktivitäten der Städte Brilon und Olsberg im Rahmen von „KommaufsLand.Arzt“, so Mareike Bußkamp, die Regionalmanagerin der LAG GT8. Kurzum: Es war ein gelungener Fachaustausch.