PARTNERSCHAFTSZIMMER IN KOCENI EINGEWEIHT


Gütersloh/Valmiera, 04.07.2013. Um ein paar Tage verpassten sich in diesem Jahr die Delegation aus dem Kreis Gütersloh und Bundespräsident Joachim Gauck. Landrat Sven-Georg Adenauer war zusammen mit einer 28-köpfigen Delegation, darunter eine große Gruppe aus Halle/Westf. mit Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann, einige Tage in der Partnerregion Valmiera/Lettland.

Stana und Adenauer
Vitauts Stana, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins auf lettischer Seite, und Landrat Sven-Georg Adenauer eröffneten das neue Partnerschaftszimmer in der Großgemeinde Koceni unweit von Valmiera.

Am Mittwoch (3. Juli) kehrte die Delegation zurück, am Samstag (6. Juli) besucht das deutsche Staatsoberhaupt drei Tage lang den baltischen Staat und kommt auch nach Valmiera. Dann wieder mit dabei: Hans-Joachim Schwolow, Partnerschaftskoordinator des Kreises Gütersloh. Er wird in der neuen Grundschule Valmieras einen Kurzvortrag vor dem lettischen Staatspräsidenten, Andris Bērziņš, und Gauck halten. "Das ist eine große Ehre und zeigt, dass unsere Partnerschaft Vorbildcharakter hat", freut sich Schwolow.

Beim Präsidentenbesuch dürfte auch die wirtschaftliche Entwicklung ein Thema sein. "Mir imponiert, wie die Letten mit der Wirtschaftskrise umgegangen sind", erklärte Landrat Adenauer. Er hoffe, dass das, was man in den Zeitungen lese, auch irgendwann bei den Menschen ankomme: Denn nach dem großen Einbruch geht es mit dem Wachstum in dem kleinen Land wieder aufwärts.

Olmanis, Stana und Adenauer
Janis Olmanis, Bürgermeister von Koceni, Vitauts Stana, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins auf lettischer Seite, und Landrat Sven-Georg Adenauer vor dem Rathaus der Großgemeinde. Im Gebäude ist das neue Partnerschaftszimmer untergebracht, das dem Verein als Sitzungszimmer dient.

Die Reiseaktivitäten Ende Juni/Anfang Juli zeugen auch von der Lebendigkeit der Partnerschaft: Auf dem Weg nach Lettland nahm die Delegation aus dem Kreis Gütersloh einige Lettinnen und Letten mit zurück in ihre Heimat, die Gäste der Landwirtschaftskammer waren. Und am Mittwoch landete in Düsseldorf Dr. Edgars Grandans, Chefarzt des Krankenhauses Mazsalaca. Er wird sich im Krankenhaus Rheda umsehen, was von der dort nicht mehr benötigten Einrichtung in Lettland noch gute Dienste verrichten könnte.

Das neue Zentrum der Partnerschaft auf lettischer Seite befindet sich seit neuestem in der Großgemeinde Koceni: In der Gemeinde, die quasi ein Vorort der Stadt Valmiera ist, eröffneten Landrat Adenauer und Vitauts Stana offiziell das Partnerschaftszimmer. Als sich aufgrund der kommunalen Neugliederung in Lettland die Kreise auflösten, gründeten die Letten einen Partnerschaftsverein, dem die Stadt Valmiera und die sechs Großgemeinden auf dem Gebiet des ehemaligen Kreises beitraten. Einmal im Monat treffen sich die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Koceni zusammen mit dem Vereinsvorsitzenden Stana und der lettischen Partnerschaftskoordinatorin Rudite Markus.

Stana kündigte an, eine eigene Jugendabteilung des Partnerschaftsvereins zu gründen, um die jüngere Generation stärker in die Partnerschaft einzubinden. Die Idee fängt nicht bei Null an, schon jetzt gibt es regen Austausch unter den Schulen samt Gastaufenthalten.

Landrat Adenauer erinnerte bei der Gelegenheit daran, dass bei dem nächsten Besuch - ein Mal im Jahr besucht eine große Delegation aus dem Kreis Gütersloh die Partnerregion - die Letten bereits mit dem Euro zahlen. "Ich hoffe, dass es die Region und das Land weiterbringt." Die Geschäfte haben teilweise bereits mit der doppelten Preisauszeichnung begonnen, um auf die neue Währung einzustimmen. "Ich hoffe, dass der Euro nicht so teuer wird", sagte Partnerschaftskoordinatorin Markus.

Die Letten sind skeptisch: Der Blick ins Nachbarland Estland reicht als Grund aus. Was vorher zehn Kronen gekostet habe, koste jetzt zehn Euro, erklärte beispielsweise die Lehrerin Hiie Allvee, die bei einem Abstecher nach Viljandi (Estland) als Übersetzerin aushalf. Das sei eine Preissteigerung um ein Drittel.

Zum Thema: Kommunalwahlen am 1. Juni 2013

Purgale
Neue Bürgermeisterin in Beverina: Cilda Purgale.

Im Partnerschaftsraum nehmen künftig auch ein paar neue Gesichter Platz. Die Delegation aus dem Kreis Gütersloh lernte bei ihrem Besuch drei neue Bürgermeister kennen, die aus den Kommunalwahlen am 1. Juni als Sieger hervorgingen. Partnerschaftskoordinatorin Rudite Markus verpasste übrigens den Einzug in den Stadtrat von Valmiera nur knapp.

Cilda Purgale ist neue Bürgermeisterin der Großgemeinde Beverina. Sie ist nicht gänzlich unbekannt, war sie doch bereits Bürgermeisterin der Gemeinde Trikata, die jetzt zur Großgemeinde gehört.

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Straume
Neuer Bürgermeister von Burtnieki: Edvīns Straume.

Edvīns Straume ist in der Großgemeinde Burtnieki als neuer Bürgmeister künftig erster Ansprechpartner für die Freunde aus dem Kreis Gütersloh und in Mazsalaca hat es einen Generationswechsel gegeben: Der erst 26-jährige Harijs Rokpelnis hatte sich dort durchgesetzt.

Landesweit für große Beachtung hat die Großgemeinde Naukseni bei den Wahlen gefunden. In der kleinsten Großgemeinde im ehemaligen Kreis Valmiera, die fünftkleinste des ganzen Landes mit nur 2.100 Einwohnern, hatten die Wähler keine Wahl: Es gab nur eine Liste. Das rief sogar das lettische Staatsfernsehen auf den Plan.

Rokpelnis
Der erst 26-jährige Harijs Rokpelnis ist neuer Bürgermeister von Mazsalaca.

Am Wahltag drehten sie eine Reportage über Naukseni und besuchten den alten und neuen Bürgermeister Janis Zuments. "Ich war gerade beim Rasenmähen", erzählte er der Delegation. Die große Aufmerksamkeit genoss die Gemeinde. "Werbung ist normalerweise teuer, wir hatten sie jetzt ganz umsonst", meinte der Bürgermeister. Dass nur eine Liste zur Wahl antrat begründete er mit der großen Einigkeit in der Gemeinde.

Die Wahlbeteiligung war übrigens die niedrigste aller Zeiten. Erstmals gingen weniger als die Hälfte der Wahlberechtigten zur Urne, die Beteiligung lag lediglich bei 45,99 Prozent.



Delegationsreise in die Region Valmiera: Ideen für schrumpfende Gemeinden gesucht

Gemeindedirektor Sandris
In Beverina versucht Gemeindedirektor Bralens Sandris (vorne mit der Fahne) die Großgemeinde durch Kooperationen für die Zukunft aufzustellen. Hier führt er eine Prozession an, die zu einem Handwerkermarkt auf den alten Schlossberg von Beverina zieht.

Gütersloh/Valmiera. Vor vier Jahren zählte die Großgemeinde Beverina noch 3.500 Einwohner. Jetzt sind es 3.200. Die Arbeitslosigkeit beträgt rund 15 Prozent und die Infrastruktur ist sanierungsbedürftig. Von den 23 Mehrfamilienhäusern sind nur 5 in einem guten Zustand. 100 Kilometer Entwässerungsgräben wurden lange nicht gepflegt. 100 Kilometer Straßen und Sandwege gilt es instand zu halten und zusätzlich 150 Kilometer private Straßen, die die verstreuten Höfe anbinden.

Der Gemeindedirektor Bralens Sandris ließ kein Problem unausgesprochen, als er der 28-köpfigen Delegation aus dem Kreis Gütersloh eine Zukunftsvision präsentierte. Ein Mal im Jahr fährt eine große Delegation unter Leitung von Landrat Sven-Georg Adenauer in die Partnerregion Valmiera. Die Großgemeinde Beverina östlich der Stadt Valmiera stand einen Tag lang im Mittelpunkt des Besuchs.

Wo man dieser Tage im ehemaligen Kreis Valmiera auch hinkommt, das Problem ist überall das gleiche: Die jungen Leute zieht es mangels Perspektive in die Städte oder gleich ins Ausland. Wer einen Ausbildungsplatz sucht, kehrt seinem Dorf häufig den Rücken und kehrt in der Regel nicht zurück.

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Die Delegation in einem Gewächshaus
Die Delegation in einem der Gewächshäuser der Baumschule Strenci.

Die Bevölkerung schrumpft, der lettische Durchschnittslohn liegt offiziellen Angaben zufolge bei 650 Euro, inoffiziellen Angaben nach liegt er bei der Hälfte. Man kann aber auch für deutlich weniger arbeiten. Die Tochter des lettischen Delegationsbegleiters Armands Gumbris verdiente in einem Hotel in Valmiera 150 Euro im Monat. Sie suchte sich in Riga einen neuen Job.

Beverina will durch Zusammenarbeit neue Perspektiven für das Leben auf dem Land entwickeln: 20 größere Bauern und unzählige kleinere Höfe, die jeweils nur wenige Hektar bewirtschaften, gibt es in der Großgemeinde. "Gerade den vielen kleinen müssen wir helfen", so der Gemeindedirektor. Jetzt wurden Kooperationen gebildet, unter anderem auf dem Gebiet der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und dem Handwerk.

In der Baumschule
Betriebsleiter Janis Zvejnieks zeigt der Delegation, wie in der Baumschule Strenci produziert wird. Links im Bild Anne Rodenbrock-Wesselmann, Bürgermeisterin von Halle/Westf., in Mitte Rudite Markus, Partnerschaftskoordinatorin auf lettischer Seite, und im Hintergrund rechts SPD-Kreistagsmitglied Ute Jost.

Die Zusammenarbeit trägt erste Früchte: Ein gemeinsamer Stand auf den Märkten in Valmiera und Riga vertreibt die Produkte von 25 kleinen Höfen. In Valmiera gibt es seit kurzem einen Laden, der handwerkliche Produkte wie etwa Filzhüte und Taschen anbietet. "Wir haben 70 Jahre in der Okkupation gelebt, danach haben wir keine guten Erfahrungen mit der Marktwirtschaft gemacht", erzählte Sandris. Heutzutage sei es auch deswegen schwer, die Bürger zu gemeinsamen Aktionen zu bewegen, sie für Ideen zu begeistern.

Aber es bewegt sich etwas: Nicht nur die Marktstände und der Laden sind erste Erfolge. Die großen Landwirte haben gemeinsam bereits einige Kilometer Sandpiste erneuert und mehrere Anlieger haben sich der Pflege der vier Seen und Teiche angenommen. Und mit der Baumschule Strenci in Trikata, einem Dorf der Großgemeinde Beverina, gibt es ein Vorzeigeunternehmen.

Die größte Baumschule des Baltikums produziert in einer modernen Anlage 30 Millionen Bäume im Jahr, in erster Linie Kiefern, Fichten, Birken und Schwarzerlen. Aber auch Rückschritte müssen verkraftet werden: In Trikata wurde die Käserei dicht gemacht, 30 Leute verloren ihren Job.








Hans-Joachim Schwolow Ehrenbürger von Rujiena

Gladskins und Schwolow
Guntis Gladskins (l.), Bürgermeister von Rujiena, zeichnete Hans-Joachim Schwolow aus. Der Partnerschaftskoordinator des Kreises Gütersloh ist neuer Ehrenbürger der Großgemeinde.

Gütersloh/Valmiera. Der Partnerschaftskoordinator des Kreises Gütersloh, Hans-Joachim Schwolow, ist neuer Ehrenbürger der Großgemeinde Rujiena/Lettland. Der Bürgermeister von Rujiena, Guntis Gladskins, zeichnete Schwolow während der Reise einer 28-köpfigen Delegation aus dem Kreis Gütersloh in die Partnerregion Valmiera aus. Mit der Ehrenbürgerschaft würdigt der Gemeinderat die Verdienste Schwolows in der Partnerschaft.

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Karweger und Purgale
Klemens Karweger übergab der neuen Bürgermeisterin von Beverina, Cilda Purgale, eines der acht Fahrräder.

Mit leeren Händen ist noch keine Delegation aus dem Kreis Gütersloh in die Partnerregion gefahren: Klemens Karweger, ehemaliger Abteilungsleiter Ordnung beim Kreis Gütersloh und seit vielen Jahren in der Partnerschaft aktiv, übergab an die Bürgermeisterin und Bürgermeister acht Fahrräder für den Sozialdienst. Zwei für die Stadt Valmiera und jeweils eines für die sechs Großgemeinden.

"Wir fragen immer, wo wir helfen können", erklärte Karweger, der die Fahrräder beim "Räderwerk" in Rheda-Wiedenbrück erworben hatte. Gute, robuste Fahrräder, die den häufig schlechten Straßen Lettlands gewachsen sind, lautete eine der Antworten aus der Partnerregion Valmiera.

Zuments und Adenauer
Landrat Sven-Georg Adenauer überreicht Bürgermeister Janis Zuments einen Scheck für den Kindergarten von Naukseni. Die Spende stammt von Dirk Holtkamp und Beate Balsliemke.

Und in Naukseni konnte Landrat Sven-Georg Adenauer dem Bürgermeister Janis Zuments einen Scheck über 500 Euro für den dortigen Kindergarten überreichen. Die Spende kam von Dirk Holtkamp, FWG/UWG-Kreistagsmitglied, und Beate Balsliemke, stellvertretende Leiterin des Referats Presse, Kultur und Archiv des Kreises Gütersloh.







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