HEIMAT-JAHRBUCH des Kreises Gütersloh

Seit 1983 erscheint das Heimat-Jahrbuch des Kreises Gütersloh mit seinen Beiträgen zu Geschichte, Kultur, Umwelt und Wirtschaft im Flöttmann-Verlag. Eine Gesamtübersicht über die bisher im Heimat-Jahrbuch erschienenen Beiträge steht Ihnen als Download zur Verfügung. Die meisten Ausgaben des Heimat-Jahrbuchs sind noch über den Flöttmann Verlag, Postfach 1653, 33246 Gütersloh, Tel.: 05241-86080, E-Mail: info@Floettmann.de zu beziehen. Viele öffentlich zugängliche Bibliotheken und natürlich auch das Kreisarchiv Gütersloh halten darüber hinaus die Jahrbücher zur Einsichtnahme für Sie bereit. Das Kreisarchiv beteiligt sich an der redaktionellen Arbeit für das Heimat-Jahrbuch, steuert aber auch regelmäßig eigene Beiträge zu historischen Themen bei.


Aktuelle Ausgabe

Heimatjahrbuch Kreis Gütersloh 2023


Was hatte denn Tarzan mit der Kreisfeuerwehr zu tun? Wissen Sie, wieso der leibhaftige Satan in Wiedenbrück saß? Wundert es Sie, dass ein französischer Kriegsgefangener einen Bestseller über Borgholzhausen schrieb? Weshalb ist aktuell das Hühnermoor in Harsewinkel für uns so wichtig für den Klimaschutz? Sie möchten wissen, warum man früher an der Emsquelle Eintritt zahlte? Die Antworten hierzu und weitere spannende Beiträge halten Sie mit dem Jahrbuch 2023 in Ihren Händen.

Seien Sie schon jetzt lesend dabei, wenn wir hier im Kreis jubeln: 50 Jahre Kreis Gütersloh, 50 Jahre Kreisfeuerwehrverband, 50 Jahre Schul- und Bildungsberatung des Kreises! 200 Jahre Verkauf der Grafschaft Rietberg und 800 Jahre Kirchweihe der Abtei Marienfeld. Verpassen Sie auch diese Jubiläen nicht: Das MINT-Technikum in Verl wird 10 Jahre alt, die Bürgerstiftung Gütersloh 25.

Feiern Sie mit uns 40 Jahre Heimatjahrbuch für den Kreis Gütersloh. Insgesamt 1.228 Beiträge von 380 Autorinnen und Autoren haben dabei eines gemeinsam: Sie beschäftigen sich mit Menschen, Orten und Geschichten im Kreis Gütersloh und zeigen damit seine große Vielfalt.


Thorsten Austermann: Vor 200 Jahren begann eine bürgerliche Grundherrschaft in Rietberg

Das ehemalige Rietberger Schloss auf dessen Grundfläche die Rietberger Glashütte entstand.


Vor 200 Jahren kaufte Friedrich Ludwig Tenge die Grafschaft Rietberg. Er war ein Pionier, der schon früh ein Gespür für lukrative Geschäfte hatte. Durch den Kauf der Grafschaft wurde er zu einem der größten Grundbesitzer Westfalens, musste aber viel investieren – nicht nur finanziell, sondern auch strukturell und zeigte großen Mut zu unternehmerischem Risiko. Die Familie Tenge (später Tenge-Rietberg) wuchs durch dieses Geschick im Laufe der Zeit zu einer der bedeutendsten Unternehmerfamilien Westfalens heran.




Lena Baron: 50 Jahre Bildungs- und Schulberatung im Kreis Gütersloh. Damit Bildung nie ein Ende findet

Das Team der Bildungs- und Schulberatung unter der Leitung von Ira Herdmann und Dr. Monika Rammert

Bildung beginnt bereits von klein auf. Bei der Erziehung zuhause, im Kindergarten und in der Schule. Aber auch nach der Ausbildung oder dem Studium hören die Bildungschancen nicht auf. Im Idealfall endet Bildung nie. Den Überblick über alle Bildungseinrichtungen und -möglichkeiten zu behalten ist schwierig. Vor 50 Jahren wurde daher die Schul- und Bildungsberatung des Kreises Gütersloh gegründet. Die Beratungsstelle war ein Vorreiter, wie die Autorin Lena Baron erläutert. Eine derartige Stelle gab es zuvor in keinem anderen Kreis in NRW! Zunächst unterstützte die Bildungsberatung Schülerinnen und Schüler bzw. ihre Eltern bei der Auswahl des richtigen Bildungsweges. Inzwischen sind die Aufgaben vielfältiger geworden. Einzelfallberatungen gehören ebenso dazu wie Demokratieförderung, Gewaltprävention oder Krisenmanagement.



Beate Behlert: Naturnaher Gewässerausbau im Kreis Gütersloh. Fluss. Mit-Menschen. Gestalten

Kinder erleben Wasser


Beate Behlert hat einen Beitrag über Renaturierungen von Fließgewässern im Kreisgebiet geschrieben. Und für sie war klar: Sie geht. Sie sucht Entschleunigung, gibt sich Langsamkeit. Für Stunden tritt sie aus dem Zustand des 'um zu‘ aus. Und genau hier liegt das große Geheimnis, das alle, die gehen, miteinander teilen: „Das Leben dauert länger, wenn man geht. Gehen verlängert jeden Augenblick.“ Dieser Beitrag will nicht reiner Sachbericht sein. Er will Impuls sein. Und im besten Fall gibt es Nachahmende, die ebenfalls die renaturierten Fließgewässer im Kreisgebiet ergehen.




Manfred Beine: 800 Jahre Kirchweihe der Zisterzienserabtei Marienfeld

Marienfeld, ehem. Abteikirche, Hauptansicht von Norden mit barockem Portal

Als vermutlich am 4. November 1222 nach einer Bauzeit von nahezu vier Jahrzehnten die Abteikirche Marienfeld konsekriert wurde, war dies der feierliche Abschluss eines kirchlichreligiösen, geistigkulturellen und regionalpolitischen Ereignisses allerersten Ranges.  Bei der Weihe zugegen war nicht nur der zuständige Diözesanbischof von Münster, sondern auch die Bischöfe von Minden und Osnabrück. Als einzigem Überlebenden aus dem Kreis der adeligen Stifter des Klosters war es dem Edelherren Bernhard II. zur Lippe vergönnt, an der Weihezeremonie mitzuwirken. Manfred Beine wirft in seinem Beitrag einen Blick auf die wechselvolle Geschichte von Kirche und Kloster von der Gründung bis in die Gegenwart.




Johannes Bitter: Signal für Bürgersinn. 25 Jahre Bürgerstiftung Gütersloh

Festakt zum 25-jährigen Bestehen der Bürgerstiftung im November 2021 im Theater der Stadt Gütersloh (von links): Vorsitzende Brigitte Büscher, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Vorsitzende des Kuratoriums, Dr. Ernst Wolf

Die Bürgerstiftung Gütersloh ist die erste in Deutschland und feierte am 25. November 2021 unter Vorsitz von Brigitte Büscher und Dr. Ernst Wolf an der Spitze des Kuratoriums das 25-jährige Bestehen im Theater der Stadt Gütersloh. Ehrengast bei der Feier war der erste Mann im Staat, Bundespräsident Franz-Walter Steinmeier. Er betonte in seiner Ansprache, dass von Gütersloh ein Signal ausging: „Der Leitstern dieser Gründung hat viele inspiriert und ihnen den Weg gewiesen. Wir haben heute allen Grund zu feiern. Wir feiern gemeinsam, und jede und jeden Einzelnen, der in den letzten 25 Jahren zum Erfolg dieser Stiftung beigetragen hat. Wir könnten hier sehr viele Namen aufrufen, aber ich weiß, dass Sie sich als ein Wir verstehen und der Verdienst ein gemeinsamer ist. Sie tun Ihrer Stadt und damit zugleich unserem Land gut.“



Margit Brand: Technik-Tandems. Nachhilfe der anderen Art in Werther

Emily Landwehr (links) und Lilly Geis blicken Heinrich Heining über die Schulter und helfen, die Tücken der Technik zu überwinden.

Bücherei zu. Läden genauso. Busfahren nur mit Online-Ticket. Bankschalter erst nach Absprache erreichbar: Die Corona-Lockdowns haben sehr drastisch vor Augen geführt, welche Türen ohne Internet verschlossen bleiben. Und auch abseits der Pandemie geht heute ohne Handy und Computer gefühlt gar nichts mehr. Besonders Senioren fühlen sich da abgehängt. Aber: Wer analog groß geworden ist, muss deshalb noch lange nicht offline alt werden. In Werther gibt es ein Generationen-Projekt, das hilft, die Scheu vor der Technik zu überwinden. Die Begegnungsstätte Haus Tiefenstraße vermittelt Schüler und Schülerinnen des Evangelischen Gymnasiums Werther (EGW) an ältere Menschen, die wissen wollen, wie’s geht. Entstanden sind daraus ganz besondere Patenschaften.



Friedrich Fischer: 40 Jahre Heimat-Jahrbuch. Kitt zwischen den vielfarbigen Facetten des neu geschaffenen Kreises Gütersloh

Die beiden „Bertelsmänner“, Kreisheimatpfleger Werner Lenz und Graphiker Wolfgang Zill (2. u. 3. v. l.), nahmen die druckfrischen Exemplare des Jahrbuches in die Hand, vorgestellt durch Verleger Hans Flöttmann (l.) und Flöttmann-Verlagsleiter Hans-Jörg (Toni) Seiler (r.).


Es ist die historische Vielschichtigkeit unserer heimischen Region, die einer der Ausgangspunkte war für die Entstehung des Heimat-Jahrbuches Kreis Gütersloh. Wir können in 2023 bereits auf eine 50jährige Geschichte des Kreises Gütersloh zurückblicken; zeitgleich besteht das Heimat-Jahrbuch seit 40 Jahren. Grund genug für Friedrich Fischer, einen Blick zurück zu werfen, unter welchen Voraussetzungen diese Schriftenreihe entstanden ist. In seinen Erinnerungen fasst der Autor zusammen, welche Ideen sich mit dem Jahrbuch verbanden.




Klaudia Genuit-Thiessen: Trotz freiem Blick vom Teuto keine schöne Aussicht

Schon im vergangenen Sommer mussten immer wieder einmal Waldstücke gesperrt werden

Immer öfter ein Orkan, drei Jahre voller Dürre, Borkenkäfer-Invasionen und dann noch ein nasser, stürmischer Winter. Alles zusammen tötet Bäume. Viele Hänge des Teutoburger Waldes bieten deshalb im Jahr 2022 einen traurigen Anblick. Deprimierend finden das nicht nur die heimischen Revierförster. An der 312 Meter hohen Haller Egge hat es sogar gewaltige Buchen und Eichen niedergeschmettert. Dort, wo früher Fichten dicht an dicht den Kammweg beschatteten, kann der Wanderer jetzt einen ganz ungewohnten Ausblick in die Ferne genießen. Notgedrungen. Denn die Egge, die zum guten Teil erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts aufgeforstet worden ist, hat viele kahle Stellen.




Johannes Gerhards: Sportstadt Borgholzhausen. Zentrale Geschäftsführung mit Vorbildcharakter

Neben den Eliteläufen gehört das Schoolrunning zum festen Bestandteil im Wettkampfprogramm der Nacht von Borgholzhausen

In Borgholzhausen gibt es elf Vereine, die insgesamt 29 verschiedene Sportarten anbieten. Gemessen an der Einwohnerzahl ist rein statistisch gesehen mehr als ein Drittel der Bevölkerung in einem Sportverein aktiv. Die Kehrseite der Medaille: Auch wenn die Bedeutung des Ehrenamts immer wieder von allen möglichen Seiten lobend hervorgehoben wird, tun sich hier große personelle Defizite auf. Vor diesem Hintergrund hatte Borgholzhausens Bürgermeister Dirk Speckmann die zündende Idee, bestimmte bei den Vereinen nicht unbedingt beliebte Aufgaben an einen zentralen Geschäftsbereichsleiter zu übertragen. Durch die Abgabe von Organisationsaufgaben an eine zentrale Geschäftsführung können sich die Vereine verstärkt auf die Entwicklung von Sportangeboten für alle Altersgruppen konzentrieren.




Johannes W. Glaw: Tod durch den Strang. Die Hinrichtung polnischer „Fremdarbeiter“ während des Nationalsozialismus im Kreis Gütersloh

Grabstätte von Tadeusz Opolski auf dem Friedhof in Herzebrock

Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen begann im September 1939 der Zweite Weltkrieg. Schon bald nach Kriegsbeginn zeigte sich in Deutschland, dass angesichts der Einberufung großer Teile der männlichen Bevölkerung in die Armee dauerhaft Arbeitskräfte im Wirtschaftsprozess des Landes fehlten. Um diesen Mangel zu kompensieren, beschlossen die Nationalsozialisten, in den besetzten Staaten (zunächst also in Polen) neben dem Einsatz von Kriegsgefangenen ein großes Aufgebot an „Fremdarbeitern“ zu rekrutieren und zur Zwangsarbeit nach Deutschland zu deportieren. Der Autor Johannes W. Glaw dokumentiert das Schicksal von drei polnischen Zwangsarbeitern, die in Borgholzhausen, Brockhagen und Herzebrock auf Anordnung der Gestapo hingerichtet wurden.



Annette Huss: Drei Amtmänner Rohden in Verl. Eine kleine „Beamten-Dynastie“ in den Jahren 1851 bis 1919

Amtmann Adolf Rohden

Beinahe 70 Jahre lang, von 1852 bis 1919, dienten Werner Rohden und nach ihm sein Sohn Adolf als preußische Amtmänner in Verl. Dass diese „Ära Rohden“ sogar noch einige Monate früher mit einem weiteren Familienmitglied, Ludwig Rohden, begann, ergaben nun weitere Forschungen. Den Amtmännern oblagen die Angelegenheiten der Schutzpolizei sowie der Gewerbe- und die Baupolizei (im Sinne einer Gewerbe- und Bauaufsicht), dazu Gemeinde-, Schul-, Kirchen- und Armensachen sowie die Gemeindehaushalte. Der Amtmann verkörperte damit die unterste Ebene der preußischen Verwaltung.




Heinrich Kleinemenke. Unheimliche Jäger. Unsere heimischen Eulen

Die kompakte und kleine Form des Steinkauzes ist bezeichnend für die Art

Zu allen Zeiten waren Eulen mythenumwobene Wesen. Das lag wohl zum einen an der nächtlichen Lebensweise, wo wir uns ihnen unterlegen fühlen. Zum anderen ergeben die nach vorn gerichteten Augen ein uns ähnliches Aussehen. Sie sind bei vielen Arten leuchtend gelb oder orange, und erzeugen dadurch einen starken Eindruck. Auch ihre Rufe – oft tiefe, ausdrucksstarke Töne- hören sich aus der Dunkelheit für viele unheimlich an. Diese Laute wurden oft mit dem Tod in Verbindung gebracht. Auch ihr lautloser Flug schafft außer Bewunderung durchaus etwas Unheimliches. Damit können sie nicht nur ihre Beute überraschen. Der Ornithologe Heinrich Kleinemenke betrachtet in seinem Beitrag die im Kreis Gütersloh brütende Arten wie Wald- oder Steinkauz, aber auch die hier durchziehenden Arten.




Nils Krieft: Von Wander-Elektrobaukästen zum außerschulischen Lern- und Erlebnisort. Das MINT-Technikum in Verl

Mit Elektrobaukästen, ähnlich wie diesem, ging alles los

Tüfteln, Experimentieren, Programmieren, Basteln, oder Modellieren – seit mittlerweile zehn Jahren kommen Kinder und Jugendliche in das MINT-Technikum in Verl, um gemeinsam zu lernen, Spaß zu haben und ihre Begeisterung für MINT (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik)-Themen zu entdecken und weiterzuentwickeln. Zehn Jahre MINT-Technikum, ein Meilenstein, den Nils Krieft zum Anlass nimmt, auf die Anfangszeit zurückzuschauen, die ersten Jahre, die Herausforderung ‚Corona‘ und das aktuelle Angebot.





Wolfgang-A. Lewe: Die St. Johanniskirche in Rheda und ihr Zubehör

Gittertor zum Johannisfriedhof von 1859

Zu den auffälligen „Wissenslücken“ der Rhedaer Geschichtsforschung gehört das Gebäude der ehemaligen Sankt Johannis-Kirche auf dem heutigen evangelischen Friedhof. Diese Kirche, die seit Ende des 16. Jahrhunderts als Begräbniskapelle genutzt worden war, wurde 1821 abgetragen. Wenn man bedenkt, dass fast alle Rhedaer Bürger auf diesem Friedhof Jahrhunderte lang ihre Toten bestattet haben, weiß man erstaunlich wenig von dem früheren Aussehen der Kirche. So gibt es keine ausführliche Gebäudebeschreibung, keine zeitgenössische Zeichnung oder andere bildliche Darstellungen. Es gibt noch nicht einmal eine Skizze des Grundrisses der Kirche. Der Beitrag des Heimatforschers Wolfgang-A. Lewe stellt das vorhandene Wissen über die St. Johannis-Kirche zusammen.



Eckhard Möller: Schwarzafrikaner*innen im Gütersloh des 19. Jahrhunderts (II)

Paul Mavanzilla im neuen Anzug

Im ersten Teil seines Beitrags, der im Heimatjahrbuch 2022 veröffentlicht worden ist, hat sich Eckhard Möller mit den Verbindungen der Gütersloher evangelischen Kirchengemeinde zur Rheinischen Missionsgesellschaft in Barmen und dem einjährigen Aufenthalt der Afrikanerin Johanna Gertze in Gütersloh beschäftigt. In diesem Beitrag wird es nun um den Jungen Paul Matjamwo Mavanzilla gehen, der von 1886 bis 1889 das Gütersloher Gymnasium besucht hat. Eine bewegte und bewegende Biographie, die zur deutschen Kolonialgeschichte gehört und aufzeigt, wie sehr die Kolonisierenden in das Leben der Afrikaner*innen eingegriffen haben und wie wenig Gedanken sie sich über ihr Handeln gemacht haben.




Jochen Ossenbrink: Körner im Kloster. Über die Eigenwirtschaft des Klosters Herzebrock im Jahre 1503

Haferfeld

In der letzten Ausgabe des Heimatjahrbuches hat Jochen Ossenbrink schon in das Herzebrocker Kornregister geschaut und die Getreideeinnahmen näher betrachtet, die dem Kloster im Jahre 1503 von Bauern und Bürgern zu liefern waren.  Neben diesen feststehenden gleichbleibenden Einnahmen von Dritten gab es die Erträge aus dem eigenen Getreideanbau in Herzebrock, außerdem das Multerkorn aus der Mühle des Klosters und schließlich die Zugzehnten, bei denen das Kloster die zehnten Garben nach der Ernte von den Feldern seiner Zehntpflichtigen einsammelte und selbst ausdrosch. Diese Einnahmen finden sich einmalig in der besonderen Kornrechnung, die uns Schwester Ursula für das Jahr 1503 hinterlassen hat.




Ralf Othengrafen: Marathonlauf statt Sprint. Der lange Weg zum Kreishaus Gütersloh

Kreishaus Gütersloh aus dem Jahr 2017

Zum 1. Januar 1973 wird der Kreis Gütersloh aus den Kreisen Halle (Westf.) und Wiedenbrück sowie der Stadt Harsewinkel und der Gemeinde Schloß Holte-Stukenbrock gebildet. Damit müssen auch zwei Kreisverwaltungen zu einer verschmolzen werden. Die Verwaltungsleitung sitzt nunmehr in Wiedenbrück auf dem Reckenberg. Die Kreisverwaltung selbst ist in den drei Städten Rheda-Wiedenbrück, Halle und Gütersloh auf neun Standorte verteilt. Dies entspricht keineswegs den Anforderungen an eine moderne Verwaltung. Zudem legt das sog. Bielefeld-Gesetz, das die Gründung des Kreises Gütersloh geregelt hat, unmissverständlich fest: „Sitz der Kreisverwaltung ist die Stadt Gütersloh“. Für die Verantwortlichen besteht also Handlungsbedarf, ein Kreishaus in Gütersloh zu errichten! Es entwickelt sich ein Auf und Ab mit vielen Diskussionen: 25 Jahre Planung und Bau, aber inzwischen auch 25 Jahre Leben und Arbeiten im Kreishaus.



Ralf Othengrafen: Gründung des Kreises Gütersloh. „In Bielefeld der liebe Herrgott persönlich und in Wiedenbrück der leibhaftige Satan“

Vertreter des NRW-Innenministeriums legen dem Kreistag Wiedenbrück ihre Vorstellungen über die Kreisneuordnung dar, 9. März 1971

Im Oktober 1965 leitet die Landesregierung eine umfangreiche kommunale Neugliederung in NRW ein. Im Rahmen der Neugliederungsmaßnahmen wird auch der Kreis Gütersloh aus den Kreisen Halle (Westf.) und Wiedenbrück sowie der Stadt Harsewinkel und der Gemeinde Schloß Holte-Stukenbrock zum 1. Januar 1973 gebildet. Der Kreis kann damit auf sein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Wie es zu dieser Neubildung kam, wer dafür war und wer hartnäckigen Widerstand leistete, erläutert Kreisarchiv Ralf Othengrafen in seinem Beitrag.





Günter Potthoff: Das Emsquellgebiet im Naturschutzgebiet Moosheide in alter Literatur

Schon früher war das Emsquellgebiet mit den Emsquellen ein beliebtes Ausflugsziel. Das Foto zeigt Ausflügler mit Fahrrädern und Motorrad am Quelltopf der Ems im Jahre 1927


Was wurde in der Historie über die Emsquelle und die Ems in Literatur und Lexika berichtet? Erstaunliche Antworten und Erklärungen über diesen Fluss hat Heimatforscher Günter Potthoff dabei gefunden. Auch die Zeitzeugen wissen spannende Details zu benennen. Etwa dass der Hofbesitzer Heinrich Dannenbäumer in den 1930 Jahren das obere Quellgebiet der Ems mit Stacheldraht eingezäunt hat. Gegen ein kleines Entgelt führte er dann die Besucher der Senne zu „seinen“ Quellen. Zahlreiche Bilder geben einen Eindruck vom Emsquellgebiet in den vergangenen Jahrzehnten.



Hans Jürgen Rade: Der Verler Missbrauchsskandal von 1874

Portrait des Wiedenbrücker Landrats Theodor Düesberg, einer der Beteiligten auf staatlicher Seite

In der heißen Phase des Kulturkampfes zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche erregte ein Missbrauchsskandal die Gemüter in der beschaulichen Gemeinde Verl. Da er öffentlich ausgetragen wurde und weit über Verl hinaus publizistische Beachtung fand, zeichnet der Autor Hans Jürgen Rade angesichts der seit 2010 insbesondere im Kontext der katholischen Kirche virulent gewordenen Missbrauchsthematik die Auseinandersetzungen nach. Er geht der Frage nach, wie damals die Beteiligten, nicht zuletzt die involvierten kirchlichen und staatlichen Institutionen, aber auch die Presse und die Öffentlichkeit, mit der Situation umgingen.




Norbert Sievers / Manuela Heinig: „Kultur am Kirchplatz: belebt, vernetzt, bewegt“. Ein Dritte-Orte-Projekt in Steinhagen

Innenhof des Schlichte Carrees

Seit Anfang 2021 hat auch Steinhagen ein vom Land Nordrhein-Westfalen gefördertes „Dritte-Orte-Projekt“. Das Programm reagiert auf spezifische Probleme kleinerer Gemeinden und Städte wie etwa auf den demografischen Wandel, auf die Entleerung öffentlicher Räume, vor allem in den Ortskernen, und den Mangel an Kommunikationsgelegenheiten. Mit dem Steinhagener Dritte-Orte-Projekt soll ein Ensemble kultureller Gelegenheiten geschaffen werden. Im Zentrum steht dabei ein geschützter Platz in der Ortsmitte, der Innenhof im Schlichte Carree hinter der Gemeindebibliothek, weil er verschiedene Funktionen / Einrichtungen (Bibliothek, Museum, Heimathaus, Buchhandlung, Café, Ev. Kirche) räumlich verbindet. Er eignet sich bestens für kulturelle Outdoor-Aktivitäten, durch die die bestehenden Kulturangebote in der Gemeinde hervorragend ergänzt werden können.



Heike Sondermann: Zum 130. Geburtstag von Max Tietz. Ein Künstler zwischen Impressionismus und Expressionismus?

Schlachtensee, Öl auf Leinwand doubliert, signiert und datiert unten links „Max Tietz. 1934.“

Stimmungsvolle Landschaften und teils prächtige Blumenstillleben, das findet man im Oeuvre von Max Tietz. Aber wer war eigentlich Max Tietz? Max Tietz wurde am 11. Februar 1891 in Berlin geboren, wuchs im westpreußischen Bromberg auf, wo er auch seine erste Stelle als Lehrer antrat. 1919 kam er dann als „Ostflüchtling“ nach Werther in Westfalen. Dort arbeitete er bis zu seiner Pensionierung an der Volksschule Werther. Er schuf zahlreiche Gemälde und Zeichnungen, die sich bis heute in vielen Haushalten in Werther befinden. Außerdem engagierte er sich ehrenamtlich mit viel Hingabe im musikalischen Bereich. Die Kunsthistorikerin Heike Sondermann wirft in ihrem Beitrag einen Blick auf das künstlerische Werk von Max Tietz.




Bärbel Tophinke: Kämpfer für das Klima. Das Hühnermoor in Marienfeld

Scheidenwollgras im Hühnermoor

Im Kreis Gütersloh befindet sich das 8,5 Hektar große Naturschutzgebiet Hühnermoor mit dem einzigen noch erhaltenen Hochmoor des Kreises. Erst auf den zweiten Blick ist es versteckt hinter Bäumen zu entdecken. Östlich von Marienfeld gelegen, neben einer 6 Hektar großen Fläche, auf der sich mäandrierend die Lutter neue Wege sucht und eine neue Aue entstehen lässt, zeigt sich die faszinierende, heimische Landschaft von ihrer besonders schönen Seite. Auf einem gut ausgeschilderten Rundwanderweg können Erholungsuchende durch genaues Hinschauen die Schönheit des Ortes entdecken. Die Natur- und Landschaftsführerin Bärbel Tophinke führt uns in die Vegetation des Moores ein und betont seine Bedeutung für den Klimaschutz.




Rolf Westheider: Zwangsarbeit, Flucht und Vertreibung am Beispiel Versmold. Erzwungene Mobilität verbindet Deutschland mit Polen und der Ukraine

Flüchtlingsunterkunft am Füchtorfer Weg in Versmold

Oft ist es belastend, über Geschichte zu schreiben. Noch belastender aber ist es, sie zu erleiden. Flucht und Vertreibung, das sind Menschheitserfahrungen, die es zu allen Zeiten gab und die auch nicht enden wollen. Erneut werden wir in unserer Gegenwart damit konfrontiert. Dr. Rolf Westheider erläutert in seinem Beitrag, dass es zwischen Ukrainern, Polen und Deutschen einen gemeinsamen Erfahrungsraum von erzwungener Mobilität gibt. Am Beispiel Versmold zeigt er, welche historischen Verbindungslinien bestehen. Überraschend ist, dass sie in den aktuellen Diskussionen über Putins Krieg und seine Folgen überhaupt keine Rolle zu spielen scheinen.




Rolf Westheider: Ein französischer Kriegsgefangener schrieb einen Bestseller über eine kleine Landwirtschaft bei Borgholzhausen

Der Hof Steinmann, Barnhausen Nr. 15, im Jahr 1914. Maupas beeindruckten die Höhe des Deelentors und die Größe der dahinter liegenden Diele

Während des Ersten Weltkrieges verschlug es Menschen unfreiwillig an Orte, von denen sie niemals erwartet hätten, dort jemals zu sein. Wie Albert Maupas aus Grignon in Südfrankreich. Den elterlichen Hof hätte er übernehmen sollen, doch dann kam der Erste Weltkrieg dazwischen. Schon bald geriet er in deutsche Kriegsgefangenschaft, arbeitete zunächst in einer Eisenbahnwerkstatt bei Opladen und kam 1917 auf den Hof Steinmann, Barnhausen Nr. 15, im Amt Borgholzhausen. Bei der Unterstützung des Bauern auf dem Hof aber blieb es nicht, vielmehr studierte Maupas die kleine Landwirtschaft bis in alle Einzelheiten, mit ebenso neugierigem wie fachkundigem Blick. Seine Studien und Beobachtungen fasste Albert Maupas in einem Buch zusammen, das nach Ende des Krieges erstmals 1920 in Frankreich erschien: „Ein kleiner deutscher Bauernhof. Theorie und Praxis der Landwirtschaft jenseits des Rheins“.



Andreas Wiedenhaus: Wie Tarzan zur Feuerwehr kam. 50 Jahre Kreisfeuerwehrverband Gütersloh

Zum Fahrzeugbestand der Kreisfeuerwehrzentrale gehört beispielsweise ein Wechsellader, mit dem spezielle Komponenten wie die Abrollbehälter Hygiene oder Wasser zum Einsatzort gebracht werden.

Als im Rahmen der kommunalen Gebietsreform zum 1. Januar 1973 aus den bis dahin selbstständigen Kreisen Wiedenbrück und Halle der Kreis Gütersloh entstand, entschieden sich auch die Kreisfeuerwehrverbände Halle und Wiedenbrück für einen Zusammenschluss. In dem halben Jahrhundert seit seiner Grünung hat sich Kreisfeuerwehrverband Gütersloh zu einem modernen Dienstleister rund um den Bereich Bevölkerungsschutz entwickelt – zum Beispiel durch die Bereitstellung spezieller Fahrzeuge, Ausstattungen und Komponenten. Denn Ausrüstung und Gerät für alle denkbaren Einsatzszenarien vorzuhalten, würde gerade die kleineren Kommunen im Kreis materiell und personell schnell überfordern.