NSG Hühnermoor

Das Hühnermoor ist das einzige noch erhaltene Hochmoor im Kreis Gütersloh und hat eine herausragende Bedeutung als Rückzugsraum für die typische Moorvegetation.

Moorfläche

Maßnahmen im Hühnermoor

Das Hühnermoor leidet unter Wassermangel. Um diesem entgegen zu wirken, sind mehrere Maßnahmen geplant. Bereits am 31.08.2021 berichtete die Untere Naturschutzbehörde im Ausschuss für Klima und Umwelt über die geplanten Maßnahmen (auf Anfrage der SPD-Fraktion, DS-Nr. 5530). Im Dezember 2021 wurden die Maßnahmen dem Beirat bei der Unteren Naturschutzbehörde und am 01.02.2022 dem Umweltausschuss der Stadt Harsewinkel vorgestellt, hier die Präsentation.

Da das Hochmoor nur von Regenwasser gespeist wird und der Wasserstand nicht mit dem Grundwasser in Verbindung steht, müssen alle Maßnahmen ergriffen werden, um das Wasser im Moorkörper zu halten. Damit sich das Moor langfristig weiter entwickeln kann, ist ein Bündel an Maßnahmen erforderlich: Verschließen eines Entwässerungsgrabens, Fällen der am Rand des Moores stehenden Bäume, die mit ihren Wurzeln direkt Wasser aus dem Moorkörper ziehen, und Einbringen von Bulttorfmoosen, die beim Wachstum das Wasser mit in die Höhe über die stauende Schicht hinaus  ziehen. Die Wasserstände werden zudem mit einem Messstellennetz überwacht.

Über die Maßnahmen wird vor Ort mit Informationstafeln aufgeklärt.

Zur weiteren Information hier eine Präsentation des Büros Hofer & Pautz.

Aktuelle Pressemitteilungen dazu:

PM vom 31.01.2022      

PM vom 07.02.2022

PM vom 14.02.2022

PM vom 02.03.2022


Da das Hühnermoor ein solch besonderes Kleinod in Marienfeld ist, plant die Untere Naturschutzbehörde vorbehaltlich der Corona-Situation im Sommer eine Informationsveranstaltung für alle Bürgerinnen und Bürger, um über das Moor und die Maßnahmen zu informieren.

Die Biologische Station Gütersloh/Bielefeld bietet zusammen mit dem NABU und der Unteren Naturschutzbehörde im Mai eine Exkursion an. Hierzu ist eine Anmeldung erforderlich.


Fragen und Antworten zu den Pflegemaßnahmen 2022


Fragen-Spezial zu den Baumfällungen am Moorrand

  • Wurden Alternativen zur Baumfällung geprüft?
    • Die konkrete Situation im Hühnermoor-  insbesondere unter Beachtung der Folgen des Klimawandels mit wärmeren und trockeneren Sommern -  erfordert es, alle vom beratend beauftragten Planungsbüro vorgeschlagenen Maßnahmen durchzuführen. Die Auswahl einer Alternative alleine würde nicht ausreichend erfolgversprechend sein.
      Die randlichen Bäume sollen gefällt werden, um hier den unmittelbaren Wasserentzug (bis zu 400 l /Tag bei Birken) einzudämmen. Zusätzlich wird ein Graben, der das Gebiet entwässert, abgedichtet. Außerdem wurden Bulttorfmoose eingebracht, die den Wasserstand mit ihrem Wachstum (ganz moortypisch) weiter mit in die Höhe nehmen.
  • Welche Maßnahmen sind geplant?
    • Alle Maßnahmen, die dazu führen, dass das Wasser im Moorkörper gehalten wird, sollen ergriffen werden:
    1. Fällung der randlich am Moor stehenden Bäume, die mit ihren Wurzeln direkt Wasser aus dem Moorkörper ziehen.
    2. Verschließen eines Grabens im Südwesten des Gebietes, der früher zur Entwässerung des Moores angelegt wurde, als dieses abgetorft wurde.
    3. Einbringen von Bulttorfmoosen. Diese haben die besondere Eigenschaft, dass sie mit ihrem Wachstum das Wasser mit in die Höhe über die stauende Schicht im Untergrund ziehen können.
    4. Errichten eines Wasserpegelnetzes, um die Entwicklungen besser verfolgen zu können.
    5. Bereits seit Jahren wird die zentrale Moorfläche von aufkommenden Gehölzen befreit ("entkusselt"). Die Gehölze können hier nur wegen des gestörten Wasserhaushalts Fuß fassen.
  •  Führen die Bäume, die nun gefällt werden sollen, nicht dazu, dass der Wind gebremst und die Sonneneinstrahlung reduziert wird, so dass das Moor weniger austrocknet?
    • Die positiven Effekte der Baumfällung werden überwiegen. Es werden nur Bäume entlang des Moorrandes gefällt (ca. 10 m breiter Streifen). Der übrige Wald bleibt erhalten, ebenso die Hecke, die im Süden des Moores entlang des Wanderweges steht. Daher bleibt der Windschutz erhalten. Das gilt umso mehr für die vorherrschenden Westwinde. Die Verdunstung durch die Bäume (bei einer ausgewachsenen Birke bis zu 400 l Wasser pro Tag) wird gestoppt, der Nährstoffeintrag durch den Laubfall wird verringert. Hochmoore stellen einen extremen Standort dar, der sich auch in ihrer natürlichen Artenarmut zeigt. Nur wenige Spezialisten (vor allem Torfmoose) können in intakten Hochmooren überleben und tolerieren Nährstoffarmut, saures Milieu, hohe Wasserstände, extreme Hitze im Sommer und Kälte durch anhaltende Nachtfröste im Winter. Ein intaktes Hochmoor in unseren Breiten ist baumfrei.

  •  Wird der Artenschutz beachtet?
    •   Ja, die Baumfällungen finden nur außerhalb der Vogelbrutzeit statt. Besondere Horst- und Höhlenbäume werden erhalten.

  •  Ist der das Moor umgebende Birken-Bruchwald nicht ebenfalls schützenswert und sollte erhalten werden?
    •  Ja, auch der Birken-Bruchwald ist ein seltener Lebensraum. Direkt am Moorrand handelt es sich allerdings um einen Bestand aus aufgekommenen Birken, Eichen und Kiefern, wie er in Feldgehölzen oder Hecken in unserer Region häufig vorkommt. Direkt am Moorrand muss das Leitbild des Erhalts und der Entwicklung eines Hochmoores verfolgt werden, das in unseren Breiten baumfrei ist. Mit etwas mehr Abstand zum Moorrand bleibt der dort vorkommende Birken-Bruchwald bestehen. Dieser steht auf eher niedermoorartigem Untergrund.

  • Wann soll mit der Fällung begonnen werden?
    • Die Fällung sollte am 07.02.2022 beginnen und wurde nun zur Aufklärung der kurzfristig an den Kreis herangetragenen Fragen zunächst aufgeschoben. Die Notwendigkeit der Maßnahme besteht aus fachlicher Sicht jedoch ohne Zweifel.


Weitere Fragen

  • Warum ist das Hochmoor so besonders?
    •  Ein Hochmoor ist ein sehr nasser, nährstoffarmer und extrem saurer Standort. Nur wenige hochspezialisierte Arten können hier überleben. Anders als bei Niedermooren wird das Wasser auf einer stauenden Schicht in einer Art Wanne zurückgehalten. Das Moorwasser steht nicht mit dem Grundwasser in Verbindung und wird ausschließlich durch Niederschläge gespeist. Das Hühnermoor ist das einzige Hochmoor im Kreis Gütersloh.
  •  Kann das Wasser im Moor durch die Einleitung von Wasser aus der Lutter ergänzt werden?
    • Nein, das ist nicht möglich. Hochmoore zeichnen sich durch einen eigenen Wasserhaushalt aus, der mit den umliegenden Fließgewässern oder auch dem Grundwasser nicht in Verbindung steht. Das Moorwasser ist extrem nährstoffarm und sauer. Das Wasser der Lutter ist deutlich nährstoffreicher und weniger sauer. Eine Einleitung von Lutterwasser ins Hühnermoor würde die Verhältnisse im Hochmoor verändern, damit würde auch die typische und schützenswerte Flora des Gebiets verändert.
  •  Könnte man Regenwasser auffangen und ins Hühnermoor leiten?
    • Theoretisch ist das ein denkbarer Weg. Tatsächlich aber stellt sich die Frage, wo das Regenwasser gesammelt werden soll. Auf den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen würde es dann für die Bewirtschaftung der Acker- und Grünlandflächen fehlen. Wenn es auf versiegelten Flächen gesammelt wird, müsste zunächst sichergestellt sein, dass von diesen Flächen keine Nähr- oder Schadstoffe ins Moor gelangen könnten. Außerdem wäre der Transport des Wassers zum Moor mit unverhältnismäßig hohem energetischem und organisatorischem Aufwand verbunden. Und es müsste schon eine sehr große versiegelte Fläche sein, von der eine nennenswerte Menge Wasser gesammelt werden könnte. Es würde zudem eines erheblichen Energieaufwandes bedürfen, das Wasser bis zum Hühnermoor zu pumpen. Das würde den Beitrag des Moores zum Klimaschutz in der Bilanz letztlich schmälern.
  •  Ist es nicht besser, die Drainagen angrenzender Flächen zu verschließen?
    • Das Moor hat sich in einer abflusslosen Senke entwickelt und hat einen eigenen Wasserhaushalt. Das Moorwasser steht mit dem Grundwasser nicht in Verbindung. Die bereits eingerichteten Pegel bestätigen das.
      Es gibt eine benachbarte reine Felddrainage, die in keinster Weise mit dem Moor in Verbindung steht. Es existiert ein Drainagesammler, der in großem Abstand vom Moor, parallel zur Lutter, von Ost nach West verläuft und im Zuge unserer Renaturierung nicht angetastet wurde. Das war selbstverständlich, da ansonsten die Lutter in den Sammler entwässert hätte. Lediglich die zwischen Sammler und altem Lutterverlauf befindlichen Sauger wurden außer Betrieb genommen, damit auch hier nicht das Wasser aus dem neuen Lutterverlauf der Drainage zugeleitet wird. Zusammengefasst: Die benachbarte Felddrainage hatte und hat durch die dort zwischen Moor und Drainage sowie den neuen und alten Lutterprofilen befindlichen Bodenschichten keinerlei Verbindung zum Moor und kann keinen Tropfen „Moorwasser“ aufnehmen.

  •  Soll die Maßnahme von einem zweiten Sachverständigen beurteilt werden?
    • Alle geplanten und bereits durchgeführten Maßnahmen beruhen auf einem Maßnahmenkonzept des Büros Hofer & Pautz aus Altenberge. Das Büro ist international im Bereich Moorschutz und nachhaltige Nutzung von Torf tätig und Mitglied unter anderem in der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde e.V..  Die Maßnahmen sind mit der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld, die seit Jahren im Hühnermoor tätig ist, und mit der höheren Naturschutzbehörde bei der Bezirksregierung Detmold abgestimmt.
  •  In großen Hochmooren z.B. in Schleswig-Holstein oder Irland geht man anders vor.
    • Große, intakte Hochmoore sind mit dem kleinen Hühnermoor nicht vergleichbar. Der Randeffekt durch die entwässernden Bäume spielt bei kleinen Hochmoorflächen eine deutlich größere Rolle. Auch herrscht in Irland z.B. eine völlig andere Wasserhaushaltsbilanz, weil hier viel höhere sommerliche Niederschläge niedergehen.
  • Wurde die Maßnahme im Vorfeld auch mit dem BUND oder anderen Naturschutzverbänden abgestimmt?
    • Die Maßnahme wurde im Beirat bei der Unteren Naturschutzbehörde vorgestellt. Der BUND und andere Naturschutzverbände sind im Beirat vertreten.


Entstehung und Entwicklung

Das Moor hat sich in einer abflusslosen Mulde vor etwa 4000 Jahren zwischen zwei Sanddünen gebildet. Bis 1925 wurde es abgetorft, danach hat eine erstaunlich gute Regeneration (Erneuerung) eingesetzt. Da Moore nasse, sehr nährstoffarme und extrem saure Standorte darstellen, können hier nur die Spezialisten unter den Pflanzen und Tieren überleben. Im zentralen Hochmoorbereich findet man große Flächen mit Torfmoos-Schwingrasen, Bulte aus Wollgräsern, die Moosbeere, Glockenheide und den Rundblättrigen Sonnentau.

Feuchte Birken-Bruchwaldbereiche umgeben das Moor. Problematisch ist das Aussamen der Birken auf der Moorfläche. Der Birkenjungwuchs wird regelmäßig abgeschnitten oder herausgezogen, um die typische Moorvegetation zu erhalten.

Auch Nährstoffeinträge von angrenzenden Flächen oder durch Niederschläge stellen eine Gefährdung dar. Vor einigen Jahren hat der Kreis Gütersloh benachbarte Ackerflächen erworben, die nun als Pufferzone dienen. Im Moor ist die voranschreitende Eutrophierung an der Schlangenwurz zu erkennen. Sie dringt vom Rand in das Hochmoor ein und weist auf nährstoffreichere Bedingungen hin.

Anhand der noch erhaltenen Torflager kann man die Vegetationsentwicklung von der Eiszeit bis zum Mittelalter erforschen. Da es im östlichen Münsterland nur noch sehr wenig Hochmoorreste gibt, ist das Hühnermoor für die Wissenschaft von besonderem Wert.

Steckbrief NSG Hühnermoor:

Glockenheide

Lage: östlich von Marienfeld

Größe: 8,6 ha

Kennzeichen: Hochmoorrest mit typischer Moorvegetation

Unterschutzstellung: 28. Mai 1938

Ansprechpartner:
Untere Naturschutzbehörde des Kreises Gütersloh, Frau Rediker-Authmann
u.rediker-authmann@kreis-guetersloh.de, Tel.: 05241/85-2723




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