Gesundheit im Jobcenter Kreis Gütersloh

Neue Perspektiven für Menschen in schwierigen Lebenslagen

Arbeits- und Gesundheitsberater Hans-Hinrich Diekmann
Hans-Hinrich Diekmann, Arbeits- und Gesundheitsberater im Jobcenter Kreis Gütersloh, sucht für seine gesundheitlich stark eingeschränkten Klienten, neue Perspektiven, um mit der eigenen Situation besser umzugehen und wieder eine Arbeit aufzunehmen. Foto: Kreis Gütersloh.


„Arbeit ist für viele Menschen mehr als nur ein Einkommen. Sie gibt dem Alltag Struktur, schafft soziale Kontakte und vermittelt das Gefühl, gebraucht zu werden. Damit Arbeit wieder möglich wird, muss zunächst die gesundheitliche Situation meiner Klientinnen und Klienten stabilisiert werden“, erklärt Diekmann. Im Team berät und unterstützt er Erwachsene ab 25 Jahren, die nicht nur bereits lange arbeitslos sind, sondern auch noch zusätzliche Probleme haben. Psychische Probleme, Suchterkrankungen oder andere gesundheitliche Belastungen machen den Weg zurück ins Berufsleben zu einer besonderen Herausforderung. 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters kümmern sich verteilt auf die drei Standorte Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück und Halle (Westf.) um insgesamt rund 2.500 Personen. Rund 200 Leistungsberechtigte werden von Diekmann am Standort Gütersloh betreut. Sein Ziel ist es, gemeinsam mit den Betroffenen Wege zu finden, mit den bestehenden Problemen umzugehen. Zusammen wird geschaut, ob und wie eine Rückkehr in das Arbeitsleben möglich ist. Dabei wird überlegt, welche Unterstützung benötigt wird und welche Stärken, trotz aller Schwierigkeiten vorhanden sind. „Jeder Mensch hat Fähigkeiten und Talente. Diese wieder sichtbar und für die Betroffenen sowie für den Arbeitsmarkt nutzbar zu machen, das ist unsere Aufgabe“, erklärt der Gütersloher.

Dank der engen Zusammenarbeit mit seinen Netzwerkpartnern, wie beispielsweise der Arbeitsagentur, verschiedener Bildungs- und Beschäftigungsträger, der Deutschen Rentenversicherung, dem Sozialpsychiatrischen Dienst des Kreises Gütersloh, dem Wertkreis, der LWL-Klinik und vielen anderen, können den Betroffenen verschiedene Hilfen angeboten werden. „Für den einen ist vielleicht zunächst eine Psychotherapie notwendig, für den anderen eher eine Suchtberatung oder eine medizinische Rehabilitation.“ Auch niedrigschwellige und begleitende Hilfen können so ermöglicht werden, wie beispielsweise ein Gesundheitscoaching oder eine Schuldnerberatung. Wann immer nötig, versucht Diekmann behutsam seine Klientinnen und Klienten wieder an einen Arbeitsalltag heranzuführen und eine Tagesstruktur zu etablieren. Das können Arbeitsgelegenheiten sein, wie gemeinnützige Tätigkeiten zum Beispiel bei der Gütersloher Tafel. Diese können dabei helfen, wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurück zu gewinnen und positive Erfahrungen zu sammeln. 

Der Arbeits- und Gesundheitsberater sieht seine Tätigkeit als begleitende Selbsthilfe, die neue Perspektiven für die Betroffenen eröffnet: „Wir begegnen allen Klientinnen und Klienten wertschätzend und versuchen sie dazu zu bewegen, sich mit der eigenen Lebenssituation auseinanderzusetzen sowie Angebote anzunehmen. Unser Ziel ist es, dass sie sich trauen, sich den gesellschaftlichen Anforderungen wieder zu stellen.“ Wie viel Veränderung möglich ist, zeigt das Beispiel eines jungen Mannes, der trotz gesundheitlicher Einschränkungen seinen Schulabschluss sowie eine kaufmännische Ausbildung absolvierte. Als er nach Mobbing und Jobverlust in eine existenzielle Krise mit wochenlanger Klinikbehandlung geriet, konnte er schließlich wieder Mut fassen und die angebotenen Hilfen annehmen. Heute nimmt er engagiert an der ‚Comeback‘-Maßnahme des Jobcenters teil, einem Einzelcoaching zur beruflichen Wiedereingliederung mit Praktikumsangeboten. Diekmann: „Es ist toll zu sehen, wenn Betroffene neue Kraft schöpfen, wieder an sich glauben und neue Ziele entwickeln. Genau dafür mache ich meine Arbeit.“