Wärmeschutz


Grundsätzlich werden an alle beheizten und gekühlten Gebäude aufgrund der Energieeinsparverordnung (EnEV) in der Fassung 2016 bauliche und anlagen- technische Energieeinsparanforderungen gestellt. Sie gelten für jede bauliche Maßnahme oder Erweiterung der beheizten Nutzfläche. Dies gilt nicht für Ställe, Gewächs- häuser und nicht regelmäßig geheizte Gebäude.

Bild: Wärmedämmung

Wärmeschutznachweis

Basis für aktuelle rechtliche Energieeinsparanforderungen an die Gebäudesubstanz im EU-Raum und der damit erzielbaren CO2 Einsparung ist die Novelle der EU-Gebäuderichtlinie 2010/31/EU (energy performance of buildings directive / EPBD). Diese sieht als Gebäudegrundanforderung ab dem 31.12.2020: Niedrigstenergiegebäude - "nearly zero-energy buildings." Sie ist in den Mitgliedsstaaten zu beachten und umzuset-zen. In der BRD werden an alle mit Hilfe von Energie beheizten und gekühlten Gebäude bauliche und anlagentechnische Energieeinsparanforderungen aufgrund der Energieeinsparverordnung (EnEV) in der Fassung vom 24.10.20151 gestellt. Die Verordnung ist auf Basis des Energieeinsparungsgesetzes (EnEG) erlassen, das alle Anforderungen dem Gebot der Wirtschaftlichkeit unterordnet. Gleichzeitig gelten auch die Anforderungen des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG). Die EnEV 2016 ist seit dem 01. Januar 2016 verbindlich anzuwenden. Damit traten die qualitativen Anforderungs-verschärfungen an die Energieeinsparqualitäten des Gesetzes von 2014 als zweite Stufe in Kraft.

Ein Wärmeschutznachweis ist bei der Errichtung oder Änderung von Gebäuden im Anwendungsbereich der EnEV als Bauvorlage den Genehmigungs- bzw. Freistellungunterlagen beizufügen. Er ist mit Ausnahme von Wohnhäusern GK 1-22 von einem staatlich anerkannten Sachverständigen für Schall- und Wärmeschutz (i.d.R. Ihr Architekt) zu erstellen oder zu prüfen. Über die ermittelten rechnerischen Nachweise des Wärmebedarfs hat der Sachverständige einen Wärmebedarfsausweis aufzustellen, der vor Baubeginn grundsätzlich der Bauaufsicht (außerhalb von Genehmigungsverfahren dem Bauherrn) vorzulegen ist. Gleichzeitig ist ein Sachverständiger zu benennen, der mit den stichprobenhaften Kontrollen beauftragt wurde.

Der Wärmeschutznachweis besteht aus:

  1. Erklärung des Architekten
  2. Nachweis des klimabedingten Feuchte- und Wärmeschutzes durch Vergleich der Gebäudekennwerte mit den einzuhaltenden Kenngrößen bezüglich Primärenergiebedarf und Transmissionswärmeverlust
  3. Energieausweis als Dokument wesentlicher Werte
  4. Bescheinigung der stichprobenhaften Überprüfung der Bauausführung durch den staatlich anerkannten Sachverständigen über eine Ausführung entsprechend dem Nachweis (außer bei Wohngebäuden GK 1-2)

Anwendungsbereich der EnEV

Die EnEV beschränkt den Primärenergiebedarf in Gebäu-den, den wir zum Heizen, Wassererwärmen, Lüften und Beleuchten (Nichtwohngebäude) benötigen sowie den Wärmeverlust durch die Gebäudehülle. Das EEWärmeG fordert zusätzlich einen Teil der hierfür benötigten Energie über erneuerbare Energiequellen oder anerkannte Ersatzmaßnahmen zu decken.

Die Anforderungen der EnEv 2016 gelten für jede bauliche Maßnahme oder Erweiterung der beheizten Nutzfläche. Dies gilt nicht für Ställe, Gewächshäuser, unterirdische Gebäude, Zelte, Kirchen, temporär genutzte Wochenend- und Ferienhäuser, nutzungsbedingt niedrig temperierte (unter 12°C) und nicht regelmäßig geheizte Gebäude.

Ebenfalls ist die EnEV nicht anzuwenden für reine Nutzungsänderungen ohne bauliche Änderung am Gebäude (jenseits der Bagatellgrenze) oder des beheizten Volumens. Wird nicht mehr als 10 % der gesamten Fläche eines Außenbauteils der Gebäudehülle energetisch verändert

Definition Energiebedarfe

  • Nutzenergiebedarf = Heizung, Kühlung, Warmwasser
  • Endenergiebedarf = Nutzenergiebedarf + Verluste - solare und interne Gewinne
  • Verluste aus = Transmission, Lüftung, (Licht) Trinkwassererwärmung, fehlender Luftdichtheit, Anlagenbetrieb, …
  • Transmission = Energieverlust an die Außenluft aufgrund ermittelter Dämmwerte der Gebäudehülle
  • UW / UF (W/m²K) = Wärmedurchgangskoeffizienten, Energiedurchlassgrad des Bauteils
  • Primärenergiebedarf = Endenergiebedarf x Primärenergiefaktor Energieträger (kWh/m²x a)

Anforderungsstruktur

Hauptanforderung: Jahresprimärenergiebedarf QP

Nebenanforderungen:


    • spezifischer Transmissionswärmeverlust HT, Indikator für energet. Qualität der Gebäudehülle
    • sommerlicher Wärmeschutz
    • Mindestwärmeschutz nach DIN 4108 Teil 2 (Schimmelvermeidung)

Bei Nichtwohngebäuden:


    • Mittelwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten (Ū-Wert / in W/m²K)
    • Ū-Höchstwerte für die gesamte Wärme übertragende Umfassungsfläche
    • Anforderungen an Außenbauteile werden unter-schieden nach opak (nicht lichtdurchlässig), transparent, Vorhangfassaden sowie nach Glasdächer; Lichtkuppeln, Lichtbänder

Im Bestand



      • Gebäudehülle/Anlagentechnik unverändert: keine
      • bei über 10% Änderungen an Außenbauteilen:

Wohngebäude:



      • Einhalten Wärmedurchgangskoeffizienten für Bestandsbauteile (Bauteilverfahren) oder
      • Jahresprimärenergiebedarf Referenzgebäudes + Transmissionswärmeverlust eingehalten
      • Anbau ≤ 50 m2 beheizte Fläche: Sonderregelung

Nichtwohngebäude:


    • Jahresprimärenergiebedarf des Referenzgebäudes um maximal 40 % überschritten
    • sowie: Nachrüstpflicht für Heizungen älter als 30 Jahre, Dämmen von Warmwasserleitungen unbeheizter Räume, nachträgliches Dämmen der obersten Geschossdecke ...

Energiebedarfsnachweis

Schon ab 2014 war Energieausweise mit zentraler Regist-rierungsnummer des DIBt für Neubauten bzw. für grundle-gende Sanierungen mit Energiebilanzierung unter Verwendung angepasster Skalierungsbänder zu erstellen. Der Primärenergiekennwert ist seitdem bei allen Ausweisen anzugeben. Seit 2016 sind die Anforderungen an den Primärenergiebedarf um 25 % und an die Mindestqualität der Gebäudehülle von Wohngebäuden sowie an die maximalen mittleren U-Werte bei Nichtwohngebäuden je um 20 % verschärft. Der Planer berechnet den Jahres-Primär-energiebedarf des Referenzhauses und multipliziert das Ergebnis mit 0,75. Der erlaubte Höchstwert ist somit um ein Viertel gemindert.

Die einzelnen Außenbauteile wie Wand, Dach, Fenster etc. werden daher sowohl nach Ausrichtung (Himmelsrichtung) bzw. bei Nichtwohngebäuden nach den folgenden Eigenschaften unterschieden:

- opak (nicht lichtdurchlässig)

- transparent

- Vorhangfassaden

- Glasdächer; Lichtkuppeln, Lichtbänder

Ergänzend wird ein vereinfachtes Modellgebäudeverfahren ("EnEV easy" - § 3 (5) EnEV 2013) angeboten.

Dies alternative Bilanzierungsverfahren beinhaltet die Minimierung der Transmissionswärmeverluste (Reduzierung der Wärmebrücken, Wärmedurchgangskoeffizient ist zu minimieren bzw. darf bauteilbezogene Kenngrößen nicht überschreiten) unter Berücksichtigung der Lüftungswärmeverluste, der Solarwärmegewinne, der Gebäudedichtigkeit sowie der zum Heizen verwandten, primärenergetisch gewerteten Energieträger.

Der Primärenergiefaktor für Strom ist aufgrund des steigenden Anteils regenerativer Energien auf 1,8 gesenkt. Zudem sind zu errichtende Gebäude so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche dauerhaft luftundurchlässig entsprechend den anerkannten Regeln der Technik abgedichtet ist (§ 6 (1) EnEV 2016).

Der sommerliche Wärmeschutz ist einzuhalten.

Referenzverfahren

Für beheizte Neubauten bzw. bei einer Erweiterung der beheizten Nutzfläche über 50 m² wird der Primärenergiebedarfskennwert als Obergrenze des Gebäude spezifischen Jahresprimärenergiebedarfs QP im Referenzgebäudeverfahren unter primärenergetischer Bewertung der eingesetzten Energieträger für Heizung und Strom ermittelt. So hat das Referenz-Wohngebäude die gleiche Geometrie, Abmessung, Gebäudenutzfläche und Ausrichtung wie das geplante Wohnhaus. Dabei werden die konkreten Anforderungen, Bewertungen und Verbräuche für Bauteile, Gebäudegeometrie und technischer Bauausführung des geplanten Objektes bestimmten Ausführungsarten gemäß EnEV-Tabellen entnommen. Dies sind konkrete Angaben über U-Werte der Außenbauteile, Wärmebrückenzuschlag, Bemes-sungswert für Luftdichtheit der Gebäudehülle, Berücksichtigungsregeln für den Sonnenschutz, technische Ausstattung von Heizung, Warmwasserzubereitung und Lüftung (ohne vorgesehene Kühlung). Weiter zu berücksichtigen sind Randbedingungen wie Verschattung, solare Wärmegewinne, Gebäudeautomation und Teilbeheizung. Der einzuhaltende Höchstwert des spezifischen Transmissionswärmeverlustes ist objektspezifisch dem Tabellenwert des zuordbaren Haustyps zu entnehmen. Wesentliche zu ermittelnde Werte sind die wärmeabgebende Umfassungsfläche A, das beheizte Gebäudevolumen Ve und die beheizte Gebäudenutzfläche AN 1.

EnEV easy

Bei ungekühlten Wohnhäusern kann der Nachweis ohne das übliche Rechenverfahren erbracht werden, wenn der die Jahres-Primärenergiebedarf des zuordbaren Referenzhauses und die Anforderungen an Gebäudehülle und sommerlichen Wärmeschutz eingehalten werden. Das Modellgebäudeverfahren erfordert dann die Einhaltung spezifischer Kriterien der im Bundesanzeiger vom 21.10.2016 "zur Anwendung von § 3 (5) EnEV" bekanntgemachten benannten Gebäudegruppen (Ziffer 5 bzw. Anlage 1).

ENERGIEAUSWEIS

Der Energieausweis dient der Information über die energetische Gesamtenergieeffizienz des Gebäudes ohne daraus Handlungspflichten abzuleiten (anders beim Wärmebedarfsnachweis). Die Vorlage eines Energieausweises ist verpflichtend beim Neubau, der Vermietung oder dem Verkauf von Gebäuden. In Immobilienanzeigen sind bestimmte Pflichtangaben aus diesem zu übernehmen. Die Ausstellberechtigung bei be-stehenden Gebäuden als Dokumentation zum Zwecke des Verkaufs, der Vermietung oder des Aushanges ist in der EnEV geregelt. Es gibt Formulare in den Grundversionen für Wohngebäude und für Nichtwohnge-bäude. Zudem kann unter bestimmten Umständen die Ausstellung als Bedarfsausweis durch einen Verbrauchsausweis variiert werden. Die EnEV 2016 zielt auf eine Verminderung von CO2-Ausstoß und Energieverbräuchen ab.

Während der bedarfsorientierte Ausweis auch umfassend Auskunft über den Gebäudezustand und die Effizienz der Anlagen zur Heizung, Warmwasserbereitung und Lüftung gibt, beschränkt sich der verbrauchsorientierte Pass ausschließlich auf die Feststellung des ermittelten Energiever-brauchs allerdings ergänzt um Primärenergie-Kennwerte. Der verbrauchsorientierten Ermittlung mit egalisiertem Nutzerverhalten stehen gebäudebezogene Qualitätskennzahlen für den Energieverbrauch (Gebäudezustand, Heizungstechnik, Dämmstandard, Klimazone, sowie Sanierungshinweise) gegenüber. Grundlage ist somit der berechnete Bedarf oder der gemessene Energieverbrauch in drei aufeinander folgenden Abrechnungsperioden. Der Verbrauchsausweis ist zulässig für Mehrfamilienhäuser mit mehr als 5 Wohneinheiten sowie für Wohnhäuser, die schon die Wärmeschutzverordnung von 1977 einhalten.

DDer ermittelte Energieverbrauch bzw. -bedarf eines Gebäudes ist anhand eines Farbbandes mit fließendem Farbwechsel für jedermann verständlich darzustellen. Die Gebäude werden dabei in den Ausweisen anhand ihrer Energiekennwerte in neun Effizienzklassen von A+ (grün / niedriger Energiebedarf) bis H (rot / hoher) eingeteilt.

Ausdrücklich sollen auch gezielt Verbesserungsvorschläge dem Energieausweis zu entnehmen sein. Der bedarfsorientierte Energiepass besteht aus vier Teilen:

1. Allgemeine Gebäudedaten und Art der Bewertung

2. Darstellung des Primärenergiebedarfs bzw. des Energieverbrauchkennwertes

3. Erläuterungen

4. Modernisierungsempfehlungen

Der Energiepass ist nach 10 Jahren erneut vorzulegen.

Bild: Messband Energieeffizienz




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