HEIMAT-JAHRBUCH des Kreises Gütersloh

Seit 1983 erscheint das Heimat-Jahrbuch des Kreises Gütersloh mit seinen Beiträgen zu Geschichte, Kultur, Umwelt und Wirtschaft im Flöttmann-Verlag. Eine Gesamtübersicht über die bisher im Heimat-Jahrbuch erschienenen Beiträge steht Ihnen unten als Download zur Verfügung. Die meisten Ausgaben des Heimat-Jahrbuchs sind noch über den Flöttmann Verlag, Postfach 1653, 33246 Gütersloh, Tel.: 05241-86080, E-Mail: info@Floettmann.de zu beziehen. Viele öffentlich zugängliche Bibliotheken und natürlich auch das Kreisarchiv Gütersloh halten darüber hinaus die Jahrbücher zur Einsichtnahme für Sie bereit. Das Kreisarchiv beteiligt sich an der redaktionellen Arbeit für das Heimat-Jahrbuch, steuert aber auch regelmäßig eigene Beiträge zu historischen Themen bei.


Aktuelle Ausgabe

Man muss kein Heimat-Fan sein, um die aktuelle Ausgabe des Heimat-Jahrbuches  zu mögen. Es führt uns in die Discotheken-Zeit der 1980er-Jahre in Halle und lässt und mit modernen Archäologen abtauchen in die Geheimnisse des Bodens in Gütersloh und Harsewinkel. Wir sind mittendrin und dabei, wenn im Impfzentrum geimpft wird und wenn vor 100 Jahren die Spanische Grippe im Kreis Gütersloh wütet. Ach, der Bürgerbus Werther wird schon zehn Jahre alt? Und das Gymnasium Steinhagen wird 20 – wie die Zeit vergeht!

„Da muss ich doch auch mal hin“ werden Sie denken, wenn Sie den Beitrag über die neu gestaltete Dalke-Aue lesen. In diesem Band geht es weiterhin um die Teutoburger Wald Eisenbahn, die Digitalisierung in der Lebkuchenherstellung und um ganz großen „Mist“ am Ende des 18. Jahrhunderts. Risiken und Nebenwirkungen der Lektüre: Sie könnten zum Fan werden…


Michael Bleisch: Familien- und Kirchengeschichte an Ursprungsorten der Reformation in Westfalen –

Gütersloh und Rheda (II)

Wappen für Johann v. Bistram (†1685), Droste zu Rheda, aus dem baltischen Zweig eines aus Schlesien hervorgegangenen Geschlechtes.

Michael Bleisch setzt seine mehrteilige Reihe von Studien zur Kirchen- und Familiengeschichte im heimischen Raum fort. Der Blick richtet sich dieses Mal auf Rheda. Es war zusammen mit Gütersloh das einzige Kirchspiel, das seit den frühen Anfängen der Reformation verbunden blieb. Michael Bleisch erinnert an die Ausformung einer evangelischen Landeskirche und an die Durchsetzung der reformierten Lehre. Die Familien- und Kirchengeschichte von Rheda beschreibt er unter anderem im Spiegel von 14 heraldischer Bildern. Quasi als Zusammenfassung der bisherigen Beiträge enthält der Beitrag auch eine umfassende Karte.



Günter van den Bongard und Norbert Ellermann: Straßenbau in Langenberg

Fast wie aus einem Werbeprospekt: Die neue B55 im Jahr 1962 durch Langenberg. Gut für die Autofahrenden die nicht zu übersehende Werbung für die DEA-Tankstelle. Immerhin gibt es auch einen Radweg.

Davon haben die Menschen in Langenberg früher sicher nicht einmal zu träumen gewagt, als sie noch zu Fuß oder mit Pferd und Wagen auf oft schlechten Wegen unterwegs waren: Auf der heutigen durch Langenberg führenden und gut ausgebauten Bundesstraße 55, kurz B55, legen motorisierte Kraftfahrzeuge die Strecke von Jülich über Köln, Bergneustadt, Olpe, Lennestadt, Meschede, Warstein, Erwitte und Lippstadt über Langenberg nach Rheda-Wiedenbrück in einem Bruchteil des früheren Zeitaufwands zurück. Mit dem Straßenbau in Langenberg im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts befassen sich der Heimatforscher Günter van den Bongard und der Historiker Norbert Ellermann.




Hermann Josef Budde: Verein „Dorf aktiv e.V.“ reaktiviert Küsterhaus und

ehemalige Schule

Gesamtansicht des Küsterhauses St. Vit im Schatten der Kirche.

Nachdem der letzte Küster Vitus Poll Ende 2013 verstorben war, wohnte dessen Ehefrau noch bis Mitte 2014 im Küsterhaus. Es stand nun bei der Kirchengemeinde St. Vitus die Frage im Raum, was mit dem Gebäude geschehen soll? Verkaufen mit dem gesamten Gelände, vermieten? Die dafür erforderliche Renovierung des Gebäudes konnte die Kirchengemeinde nicht tragen. Da entstand bei Bewohnern des Ortes St. Vit die Idee, das selbst in die Hand zu nehmen und das Gebäude zum Dorfgemeinschaftshaus umzubauen. Es wurde der Verein „Dorf aktiv e.V.“ im Jahr 2016 gegründet und das Küsterhaus in Erbpacht für 49 Jahre übernommen. Hermann Josef erläutert die künftige Nutzung des Küsterhauses und wirft einen Blick zurück auf seine Geschichte.



Ute und Ulrich Dausendschön-Gay: Die Familien Böckstiegel und Weinberg

Max, Elfriede und Julius Weinberg, ca. 1935.

Der Beitrag von Ute und Ulrich Dausendschön-Gay ist den Ausschnitten aus Briefen Peter August Böckstiegels an seine Ehefrau Hanna gewidmet, in denen er über seine Beziehung zu dem jüdischen Zigarrenfabrikanten Julius Weinberg und dessen Mutter Elfriede berichtet. Ferner wird auf den Briefwechsel zwischen Hanna Böckstiegel und der Familie von Julius‘ Sohn Kurt Weinberg eingegangen, die nach dem Krieg in England lebte. Die in verschiedenen Archiven bewahrten Briefe erlauben es, die Geschichte einer freundschaftlichen Beziehung über mehrere Generationen zu verfolgen, von den Anfängen in den 1920er Jahren bis weit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.




Jan Focken: Corona-Pandemie nach dem Tönnies-Ausbruch

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet unterhalten sich bei ihrem Besuch am 21. Juni 2020 vor dem Kreishaus mit Demonstranten, die unter anderem mit Schweine-Pappköpfen ausstaffiert gegen Massentierhaltung demonstrieren.

Der Kreis Gütersloh ist der einzige Kreis in Deutschland, der im Herbst 2020 auf die dritte Coronawelle zusteuerte. Die zweite Welle im Kreis, der Coronaausbruch bei Tönnies im Sommer, war das größte Einzel-Ausbruchsgeschehen in ganz Deutschland. Selbst in den deutschlandweiten Verlaufskurven des Infektionsgeschehens ist der Gütersloh-Peak zu erkennen. Im Rückblick ist er bei der hohen Zahl der Infizierten, bezogen auf die Schwere der Erkrankung, eher moderat verlaufen und niemand ist in der Ausbruchsphase verstorben. Im Gegensatz zu dem, was danach kam. Jan Focken, Pressesprecher des Kreises, zeichnet schlaglichtartig die Entwicklung der Pandemie im Jahr 2020 nach.




Johannes Gerhards: Lebkuchen von Mensch und Roboter

Jedes dieser Lebkuchenherzen wird in liebevoller Handarbeit individuell und kunstvoll beschriftet. Jetzt könnte ein Teil dieser Aufgabe von Robotern übernommen werden.

Er hat seinen Betrieb schon als „Industrielle Manufaktur“ bezeichnet. Jetzt geht Arne Knaust, in sechster Generation Geschäftsführer von Lebkuchen Schulze in Borgholzhausen, noch einen Schritt weiter. Digitale kollaborative Robotik lautet der Fachbegriff: Im Rahmen eines Bundesförderprogramms soll herausgefunden werden, auf welche Weise „Low Budget Robotik“ im Lebensmittelbereich zum Einsatz kommen kann. Beim Verzieren der Lebkuchenherzen etwa könnte ein interagierender Roboter unterstützend tätig werden. Er soll die menschliche Arbeitskraft nicht ersetzen, sondern mit den Beschäftigten zusammenarbeiten, wie Johannes Gerhards in seinem Beitrag ausführt. Denkbar ist, dass die Randverzierung maschinell erfolgt, während die Mitarbeiter für individuell gestaltete Sprüche auf den Lebkuchenherzen zuständig sind.



Johannes W. Glaw: Die Ausgrabung auf dem Areal „Auf dem Stempel“ in Gütersloh

Prospektion einer Teilfläche B im Baugebiet „Auf dem Stempel“.

Funde mit einem ur- und frühgeschichtlichen Bezug waren eigentlich nicht zu erwarten, als 2016 in Gütersloh-Pavenstädt das neue Baugebiet „Auf dem Stempel“ ausgewiesen wurde. Aber in der Archäologie erlebt man immer wieder Überraschungen, wie Johnanes W. Glaw in seinem Beitrag feststellt! Es konnten u.a. ein Klingenstück und ein Mikrolith gefunden werden, der zur Bewehrung von hölzernen Pfeilen oder Messern verwendet wurde. Damit ist die frühe Geschichte des Gütersloher Raumes in mehrfacher Hinsicht (überraschenderweise) um neue Facetten erweitert worden: Auf dem Areal „Auf dem Stempel“ waren nachweislich wiederholt Menschen anwesend, sowohl in der Zeit der ausgehenden Altsteinzeit wie in der Mittelsteinzeit – und zudem in der frühen Eisenzeit, in der es schon eine Siedlungsstruktur gegeben haben dürfte.



Isabelle Gruschke: Das Impfzentrum Kreis Gütersloh

Das Team, das hinter den Kulissen das Impfzentrum hergerichtet hat, stellt sich vor die Kulissen, hinter denen bald geimpft wird.

Als das Land NRW am 25.11.2020 per Erlass die Einrichtung der Impfzentren festlegte, begann eines der Schlüsselprojekte in der Pandemiebekämpfung. Dieser Meilenstein musste schnell gelegt werden, denn bereits knapp drei Wochen später sollten die Impfzentren einsatzbereit sein. Frank Scheffer, Krisenstabsleiter des Kreises Gütersloh, bestellte die Kreis-Mitarbeiter Henrik Egeler, Leiter der Abteilung Tiefbau, und Bernhard Riepe, Sachgebietsleiter Verkehrslenkung, zu den Projektverantwortlichen. Ihnen zur Seite stand ein zehnköpfiges Organisationsteam, das sich aus Beschäftigten der Abteilungen Umwelt, Soziales, Straßenverkehr, Tiefbau, Arbeit und Steuerung sowie Bevölkerungsschutz des Kreises Gütersloh zusammensetzte. Nach genau zwei Wochen und zwei Tagen waren die Impfstraßen des Impfzentrums Kreis Gütersloh einsatzbereit, wie Isabelle Gruschke in ihrem Beitrag zu berichten weiß.



Ulrich Jagusch: Quo vadis TWE?

Noch ist in Gütersloh-Nord Schluss für die TWE.

TWE? Was ist das, TWE? Diese Frage stellt etwas provokativ unser Autor Ulrich Jagusch. Er freut sich auf die geplante Reaktivierung des Personenverkehrs der TWE zwischen Harsewinkel und Verl mit Gütersloh im Zentrum, der zunächst im stündlichen Takt von 5 bis 23 Uhr gemischt mit dem Güterverkehr gefahren werden soll. Welche Anforderungen an eine solche Reaktivierung gestellt werden, erläutert er ebenso anschaulich wie die Chancen, die sich daraus ergeben.






Frank Jasper: Das Steinhagener Gymnasium feiert runden Geburtstag

Das Steinhagener Gymnasium aus der Vogelperspektive, im Hintergrund der Teutoburger Wald. „Als hätte jemand ein Kongresszentrum auf der Wiese vergessen“, schrieb das SZ-Magazin.

Sollten George Lucas oder Roland Emmerich irgendwann auf der Suche nach einer geeigneten Filmkulisse für ihr nächstes Science-Fiction-Abenteuer nicht fündig werden, wäre es eine clevere Idee, ihre Agenten nach Steinhagen zu entsenden. Auf einer grünen Wiese am Rande der Gemeinde steht längst das riesige Ufo, das ihrem neuen Blockbuster zur Zier gereichen würde. Es könnte beispielsweise in einer Szene als Kaderschmiede für außerirdische hochzivilisierte Intelligenz dienen, und damit wäre die Fiction sogar nah dran an der Realität. Denn in dem spektakulären Gebäude, das spätestens aus der Vogelperspektive wie ein gelandetes Ufo aussieht, werden zwar keine grünen Männchen unterrichtet, aber Menschen aus Fleisch und Blut. Und das seit 20 Jahren. So lange gibt es das Steinhagener Gymnasium nun schon. Frank Jasper, Redakteur für das Haller Kreisblatt, wirft nicht nur einen Blick zurück in die Entstehungsgeschichte, sondern schaut gemeinsam mit Schulleiter Stefan Binder auch in Zukunft des Gymnasiums.



Heinrich Kleinemenke: Unsere heimischen Greifvögel

Im typischen Segelflug lassen sich Mäusebussarde gut beobachten. Hier ein dunkles Exemplar.

Zu einem gesunden und artenreichen Bestand an Vogelarten gehören selbstverständlich auch Greifvögel. Diese heute selbstverständliche Auffassung war bis vor einigen Jahrzehnten eher selten. Zumeist wurden sie als lästige Konkurrenten oder Schädlinge gesehen. Das ging bis in „Naturschutz“-Kreise hinein, welche besonders Habicht und Sperber als schädlich für „nützliche“ Arten sahen. Die meisten Arten erlitten durch sehr starke Verfolgung z.T. katastrophale Bestandseinbrüche. Hinzu kamen chemische Belastungen v.a. durch DDT und DDE, die erst in den 1970er Jahren verboten wurden. Heinrich Kleinemenke stellt den Mäusebussard, den Turmfalken und den Schwarzmilan sowie weitere Artgenossen vor und zeigt auf, wie sich ihre Bestände in den letzten Jahrzehnten im Kreis Gütersloh verändert haben.




Katja und Wolfgang Kosubek: Die Kehlenbrink-Kinder

Kinder auf der Langen Straße in Halle um 1909 im Winter.

Unter einer glänzenden Fassade liegt ein zerrissenes Land – das deutsche Kaiserreich. Wir schreiben das Jahr 1907. Es ist kurz vor Weihnachten, und in den Schaufenstern der Haller Geschäfte liegen wunderbare Geschenke: zarte Porzellanpuppen, weiße Saffianschühchen und Marzipan. Doch für die Familie Kehlenbrink ist an Weihnachtsgeschenke nicht zu denken. Vater Heinrich arbeitet als Tagelöhner in der Lumpensortieranstalt von Phillip Stern, für 2,85 Mark am Tag. Das reicht kaum, um die drei Kinder Karl, Alwine und Marie zu versorgen. Die Mutter ist im Mai gestorben. Katja und Wolfgang Kosubek zeigen das schwierige Schicksal dieser Familie am Existenzminimum, aber auch die Bemühungen des Amtmannes Wolf um eine bessere Unterbringung der Kinder.




Knut Langewand: Benteler wird eigenständig (II)

Georg Hoffmann, Landrat des Landkreises Beckum, musste sich mit den Unabhängigkeitsbestrebungen Bentelers auseinandersetzen.

Heute sind sie durch eine Kreis- und die Grenze eines Regierungsbezirks getrennt: die Gemeinde Wadersloh und der Langenberger Ortsteil Benteler. Noch bis 1898 war Benteler allerdings Teil der damaligen Gemeinde Wadersloh. Am 1. April 1898 wurde die Bauerschaft Benteler eigenständig. Doch wie kam es dazu? Gab es, wie eine Legende besagt, die „Revolution von Benteler“? Dieses „verwaltungsgeschichtlichen Dramas in mehreren Akten“ nimmt sich der Leiter des Warendorfer Kreisarchivs, Dr. Knut Langewand, in seinem zweiteiligen Beitrag an. Ging es im ersten Teil um die Anfänge des Unabhängigkeitsstrebens und die Verschleppung durch den Gemeinderat Wadersloh, so stehen im zweiten Teil nunmehr der Widerstand durch die Gemeinde Wadersloh und das Finale im Fokus der Betrachtungen.




Heinrich Lakämper-Lührs: Die Franziskaner gingen leise im Sommer 2020

Gehört zum Kloster, aber unter eigener Adresse: Das Franziskushaus am Nonnenwall 1 ist das einzige Vollverpflegungsquartier für Gruppen im Kreis Gütersloh.

Die Kreuztracht der Wiedenbrücker Franziskaner am Karfreitag war über drei Jahrhunderte im katholischen Brauchtum der Region eine nahezu unveränderliche Konstante. Seit 1661 stand sie unter der Leitung der hier ansässigen Franziskanerbrüder. Die letzte Kreuztracht der Franziskaner war für Karfreitag 2020 geplant – sie fiel der ersten Welle der Corona-Pandemie zum Opfer. Wie überhaupt der Abschied der Franziskaner 2020 wegen der Corona-Seuche still verlief. Die letzten drei Brüder verließen im Juni 2020 die markanten Gebäude mit dem Patersbogen an der Wiedenbrücker Mönchstraße ohne öffentlichen und offiziellen Abschied. Heinrich Lakämper Lührs zeichnet die Geschichte des Klosters nach und erläutert, was mit dem ehemaligen Kloster zukünftig geplant ist.



Eva Manz und Sven Spiong: Erste Ergebnisse der archäologischen Ausgrabung in Harsewinkel

Schiffsförmiger Hausgrundriss des mittleren Hofes. Die Holzklötze zeigen die ursprünglichen Pfostenlochstandorte an.

Als die Stadt Harsewinkel mit den Planungen für ein neues Baugebiet östlich der Oesterweger Straße begann, vermutete die LWL-Archäologie für Westfalen dort Überreste einer untergegangenen mittelalterlichen Siedlung. Auf einer Gesamtfläche von 9.000 Quadratmetern wurden mehr als 16 Höfe aus vier Jahrhunderten entdeckt. Die Untersuchung entwickelte sich zur bisher größten Ausgrabung einer mittelalterlichen Siedlung im Kreis Gütersloh, wie die Autoren Dr. Eva Manz von  Archäologie am Hellweg eG und Dr. Sven Spiong von der LWL-Archäologie für Westfalen feststellen. Anhand der Grabung wird es möglich sein, die individuelle Baugeschichte jedes einzelnen Hofes zu rekonstruieren. Im Kontext der gesamten Siedlung wird es deshalb möglich sein, Handlungsspielräume einzelner Familien zu ergründen, etwa wie sie ihren Hof strukturierten, in welchen Gebäuden sie wohnten und welchen Tätigkeiten sie nachgingen



Eckhard Möller: Schwarzafrikaner*innen im Gütersloh des 19. Jahrhunderts

Briefmarke der Republik Namibia zur Erinnerung an Johanna Gertze, 1999.

Mit einem bislang wenig beachteten Aspekt der Stadtgeschichte Güterslohs befasst sich unser Autor Eckhard Möller: Schwarzafrikaner*innen im Gütersloh des 19. Jahrhunderts. Im ersten Teil geht es um Johanna Kazahendike, die nach ihrer Heirat den Familiennamen Gertze trug und in der jungen Republik Namibia als eine der bedeutenden Frauengestalten der Geschichte des Landes angesehen und gerühmt wird. In den Jahren 1860 begleitete sie den Missionar Carl Hugo Hahn nach Gütersloh und war damit vermutlich die erste Afrikanerin in der Stadt, sodass der Besuch einiges Aufsehen erregte. Ihre – nicht immer positiven – Erlebnisse schildert Eckhard Möller ebenso wie ihre spannende und wechselvolle Biographie.




Walter Moritz: Bertelsmann druckte Bücher in der Herero- und Namasprache (II)

Missionar Franz Heinrich Kleinschmidt, der 1855 den kleinen Luth. Katechismus in der Wüste druckte.

Ein bisher wenig bekanntes Kapitel der Geschichte des Gütersloher Medienkonzerns Bertelsmann beleuchtet der Missionar und Pastor i.R. Walter Moritz in seinem zweiteiligen Beitrag. Befasste sich der erste Teil mit der Herero-Sprache, widmet sich der zweite Teil nunmehr der Namasprache. Denn bei Bertelsmann in Gütersloh wurden seit 1899 Bibeln, Predigtbände, Gesangbücher, aber auch Schulbücher in der Namasprache für Namibia, das damalige Südwestafrika, gedruckt.





Jochen Ossenbrink: Körner für das Kloster Herzebrock

Ausschnitt aus dem Kornregister für das Jahr 1503 mit den Abgabepflichtigen, ihren Abgabepflichten und den Leistungsvermerken.

In vorherigen Bänden des Heimatjahrbuchs hat Jochen Ossenbrink die Zehnten betrachtet, die das Kloster Herzebrock früher von vielen Bauern und Köttern im ehemaligen Kreis Wiedenbrück und seiner unmittelbaren Nachbarschaft bezog. Nun wirft er einen Blick auf die Ansprüche des Klosters an Bauern und Bürger, die aus unterschiedlichen Gründen zu Beginn des 16. Jahrhunderts alljährlich zur Lieferung von Getreide verpflichtet waren. Er beleuchtet damit die stärkste Säule der Naturalwirtschaft, die das Leben der Klosterfrauen in Herzebrock und ihrer Klosterfamilie trug. Viele Familienforscher werden sich über die mehrseitige Namensliste der Kornlieferanten aus dem Jahr 1503 freuen.




Ralf Othengrafen: Die Spanische Grippe 1918/19 im Kreis Gütersloh

Dr. Matthias Schmitz war von 1905 bis 1943 Pfarrer in Versmold. Er berichtete eindrücklich über die Folgen der Spanischen Grippe in Versmold.


Kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges trifft eine Grippepandemie die Welt, deren Opfer die des Ersten Weltkrieges noch übersteigen wird. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, die Schätzungen schwanken zwischen 20 und 100 Millionen Verstorbenen, also bis zu 5 % der damaligen Weltbevölkerung. Die Pandemie wird mit ihren Nachbeben bis 1919 wüten und dann an Wucht verlieren. Kreisarchivar Ralf Othengrafen hat recherchiert, dass sich die neue Pandemie schnell auch aber im Kreis Gütersloh verbreitet hat. „Besonders wird die Jugend vom 16. bis 20. Lebensjahr dahingerafft“, wie der Haller Schulrektor Christian Frederking konsterniert in seinem Tagebuch feststellte.



Rudolf Pähler: Blühflächen für Insekten

Blühfläche im Rahmen des Projektes des Landwirtschaftlichen Kreisverband Gütersloh und der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz im Kreis Gütersloh e.V.

Der Erhalt der biologischen Vielfalt als Teil der Schöpfung ist ein zentrales umweltpolitisches Ziel. Doch seit Mitte des letzten Jahrhunderts nimmt die biologische Vielfalt in Deutschland kontinuierlich ab. Mitte Januar 2018 wurde daher vom Landwirtschaftlichen Kreisverband Gütersloh und von der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz im Kreis Gütersloh e.V. (GNU) ein „Runder Tisch Artenschutz“ gegründet. Vorrangiges Ziel dieser Interessengemeinschaft ist der Schutz und die Förderung der heimischen Insektenfauna. Als dringendste Aufgabe wurde beschlossen, zusätzliche Nahrungsangebote für Insekten in der Agrarlandschaft zu schaffen. Demzufolge wurden innerhalb des Arbeitskreises verschiedene Blühsamenmischungen ausgesucht und an teilnehmende landwirtschaftliche Betriebe zur Aussaat verteilt. In seinem Beitrag untersucht Rudolf Pähler die Ergebnisse dieses nachahmenswerten Projektes.



Stefan Plogmann und Katja Kosubek: Disko!

Rave-DJ und Mitgründer Dieter Luedtke.

Die „wilden 1968er“ waren kaum vorbei, als sich in Halle (Westf.) eine Szene mit Jugendkneipen und Diskotheken entwickelte, die fast zwei Jahrzehnte Bestand hatte. Viele erinnern sich noch heute an die legendäre Rock-Diskothek Rave, an das eher alternative Halle3 oder die Live-Konzerte im Popeye. Das Publikum kam sogar aus Bielefeld oder den umliegenden englischen und niederländischen Kasernen. Stefan Plogmann und Katja Kosubek tauchen mit vielen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ein in die spannende Haller Musikszene der 1970er und 1980er Jahre.




Günter Potthoff: Die Geschichte des Lehrers Anton Wippermann

Schulklasse der Forellschule im Jahr 1921.

Mit der Geschichte der Forellschule in Stukenbrock-Senne befasst sich Heimatforscher Günter Potthoff. An dieser Schule trat 1826 Johann Anton Wippermann seine Stelle als neuer Lehrer an. Er ahnte wohl nicht, was ihm im Laufe seiner Tätigkeit als Lehrer hier erwartete. Unbekannte schwärzten ihn bei der Königlich Preußischen Regierung zu Minden an, da er angeblich für den Lehrerberuf nicht geeignet sei. Hinzu kamen ständige Reibereien mit dem Pfarrer von Stukenbrock, Heinrich Heidenkamp. Johann Anton Wippermann wurde 1836 nach Herhte im Kreis Höxter versetzt, wo er einige Wochen nach der Versetzung verstarb.





Hans Jürgen Rade: Vom Wohn- und Geschäftshaus der Familie Dreyer in Kaunitz zur

Künstlerwerkstatt Selhorst

Haus Selhorst, Gemälde von Sr. Pientia Selhorst CPS von 1988.

In Delbrück-Nordhagen wird seit 2017 unter der heutigen Anschrift Nordhagener Str. 55 ein Fachwerkhaus restauriert, das ursprünglich in Kaunitz errichtet und 1920 an seinen jetzigen Standort versetzt wurde. Erbaut wurde es laut Inschrift im Deelentorbogen 1818 von dem in Kaunitz lebenden jüdischen Kaufmann Abraham Wolf Dreyer und seiner zweiten Frau Rika Vorreuter; abgetragen und transloziert durch den Kunstschreiner Hermann Selhorst als Wohnhaus und Werkstatt in Nordhagen. Mit der Die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner eröffnet Autor Hans Jürgen Rade den Leserinnen und Lesern einen Blick in unterschiedliche Welten.




Klaus-Peter Schillig: Erfolgsmodell. 20 Jahre Bürgerbus Werther

Der Bürgerbus ist kein Angebot nur für ältere Menschen. Auch Schüler oder Auszubildende nutzen vor allem nachmittags die Möglichkeit, bequem wieder nach Hause zu kommen.

Es ist schon ein ordentliches Stück zu gehen, wenn man auf dem Land wohnt und mal eben zum Arzt oder in die Apotheke möchte. Runde fünf Kilometer aus Häger bis in die Innenstadt von Werther, sogar sechs Kilometer aus Theenhausen. Wer da ohne Auto auskommen will oder muss, hatte früher nur drei Chancen: Fahrrad, jemanden fragen oder ein Taxi rufen. Bis zum 27. Mai 2002. Vor 20 Jahren hat der Bürgerbus seine Fahrten aufgenommen und hat damit die ländlichen Ortsteile näher an die Stadt geholt. Als einziger im Kreis Gütersloh, wie Autor Klaus-Peter Schillig in seinem Beitrag erklärt.




Sebastian Schröder: Mist! Freiherr von Hohenhausen und die kleinen Städte der Grafschaft

Ravensberg am Ende des 18. Jahrhunderts

Stolz präsentierten die Besitzer dieses ansehnlichen landwirtschaftlichen Betriebes in Borgholzhausen ihren Wohlstand: Neben mehreren Pferden sticht dergroße Misthaufen an der Seitenwand des Hofes ins Auge.

Freiherr Sylvius von Hohenhausen war entsetzt, als er am Ende des 18. Jahrhunderts die kleinen Städte der Grafschaft Ravensberg bereiste, die zum Territorienkomplex des preußischen Königs gehörten. Im Auftrag seiner Majestät kontrollierte der in preußischen Diensten stehende Steuerrat regelmäßig den Zustand der Kommunen und erstattete sodann Bericht. Er war aber mitnichten nur für die Erhebung der Steuer zuständig, wie es seine Amtsbezeichnung vermuten lässt. Vielmehr beaufsichtigte er alle städtischen Angelegenheiten im Namen des Landesherrn. Entsetzt war der Steuerrat über die Mistkuhlen, die überall auf den Straßen von den Bürgern anlegen wurden.

.



Hans Schumacher: Karl Kunath | Bildhauer. Sein Leben, seine Kunst

Altar in der Martin-Luther-Kirche in Gütersloh, Entwurf: Karl Kunath.

Hans Schumacher widmet sich dem ereignisreichen Leben des Bildhauers Karl August Andreas Kunath, der am 22. April 1900 in Wehrstedt, Kreis Oschersleben, geboren wurde. Nach seiner künstlerischen Ausbildung ging er als lernender und zugleich freischaffender Künstler nach Berlin. Albert Einstein gehörte dort zu seinem Freundeskreis, er traf den indischen Maler Rabindranath Tagore und den schwedischen Asienforscher Sven Hedin. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er als freischaffender Künstler in Bielefeld tätig. Er war am Wiederaufbau bzw. an der Renovierung zahlreicher Kirchen im Großraum Bielefeld beteiligt. So entstanden auch der Altar, der Taufstein, die Kanzel und ein Standkreuz für Gütersloher Martin-Luther-Kirche nach seinen Entwürfen.



Daniela Toman: Naturraum Auenlandschaft. Renaturierungen entlang der Dalke in Gütersloh

Blick über die Dalkeaue. Im Vordergrund die Schönungsteiche unterhalb des Klärwerks Putzhagen.

Auen sind die natürlichen Überflutungsflächen entlang von Bächen und Flüssen. Hier wechseln sich hohe mit niedrigen Wasserständen ab. Die Auenbereiche sind geprägt vom Fluss und seinen Wassermengen und bieten einen Lebensraum für die in der Region charakteristischen Pflanzen und Tiere. Auch in Gütersloh gibt es Auenlandschaften vor allem entlang der Dalke, die im Rahmen eines Renaturierungsprogramms seit den 1990er Jahren entstanden sind. Die positiven Auswirkungen der Maßnahmen auf die Verbesserung der biologischen Vielfalt und der Gewässerstrukturgüte stellt Daniela Toman in ihrem Beitrag dar.




Michael Wöstheinrich: Die Nöllmannsche Mühle und die Firma Lübbering

Luftbild von der Industriestraße mit der Nöllmannschane Mühle aus dem Jahr 2012.

In den vergangenen beiden Ausgaben des Heimatjahrbuchs für den Kreis Gütersloh hatte Michael Wöstheinrich die Geschichte der „Nöllmannsche Mühle“ in Herzebrock- Clarholz schon in zwei Beiträgen betrachtet. Es ging um die Geschichte der Firmen Miele und Craemer in dem Gebäude an der Industriestraße. Nach dem Auszug von Craemer fanden sich 1983 drei interessierte Firmen, die das Fabrikareal untereinander aufteilten und damit vor dem Abriss bewahrten. Eine dieser Firmen war die Firma Lübbering, die u.a. Kabel-Abrollsysteme (Roll..Profi) oder pneumatische High-Speed Bohrmaschinen herstellt. Michael Wöstheinrich verfolgt das Wachsen der Firma in den folgenden Jahrzehnten, das auch immer wieder zu Umbauten und Erweiterungen an der Nöllmannschen Mühle führte.