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Neue Möglichkeiten der Probenabgabe
Neues Trichinenlabor
Gesetzlich haben Jäger und Jägerinnen das Privileg – nach der amtlichen Beauftragung – die Fleischproben bei Wildschweinen und Dachsen für die Untersuchung auf Trichinen selbst zu entnehmen. Erst nach einem negativen Testergebnis darf der Wildkörper für die Fleischgewinnung freigegeben werden. „Es ist deutlich effektiver, wenn die Jäger die Proben selbst entnehmen“, sagt Decker, der dafür drei Sammelstellen eingerichtet hat beziehungsweise noch einrichten wird. Eine ist beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Hegering Rietberg auf dem Gelände der Tischlerei Honerlage entstanden. Der Metallbauer Mense hat einem handelsüblichen Kühlschrank dafür eine Stahl-Luke verpasst, durch die die Proben eingeworfen werden können. Weitere Abgabepunkte gibt es in Halle/Westfalen und in Schloß Holte-Stukenbrock, der Wildschwein-Hochburg im Kreis Gütersloh. Weiterhin besteht die Möglichkeit, Proben direkt bei der Abteilung an der Avenweder Straße 55 abzugeben beziehungsweise in den dafür vorgesehenen Briefkasten einzuwerfen. Dass eine neue Lösung für die Trichinenuntersuchung notwendig war, lag an der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Mit deren Ausbreitung auch in Deutschland sahen die Schlachthöfe die Untersuchung von Wildschweinproben in ihren Betrieben zunehmend kritisch.
Trichinen kommen nur in fleischfressenden Tieren vor. „Im Labor werden die Proben künstlich verdaut, damit man die Nematoden aus dem Muskelfleisch herausbekommt“, erklärt Decker. Dabei kommen unter anderem Salzsäure und Pepsin zum Einsatz. Beim künstlichen Verdauen steigen Dämpfe auf und deswegen hat sich Decker bei der Einrichtung des Labors an die Schulzeit erinnert. In der Ecke steht ein Laborarbeitsplatz wie aus dem Chemieunterricht, mit Abzug, herunterschiebbarer Glasfront. Hätte so auch in einem Klassenraum der 80er Jahre des vergangenen Jahrtausends stehen können. Und genau da kommt er auch her, Decker hat ihn auf einem Kleinanzeigenportal entdeckt und aufarbeiten lassen. „Es erfüllt seinen Zweck“, meint der Veterinär mit Blick auf die Arbeitssicherheit. Dass sie mal Nematoden bei Hausschweinen finden, ist übrigens eher unwahrscheinlich. Prozentual liegt die Wahrscheinlichkeit bei etwa 0,0 Prozent – rein rechnerisch, nach vielen weiteren Nullen hinter dem Komma käme eine Zahl. Bei Wildschweinen liegt sie immerhin bei 0,003 Prozent. Pferde, so Decker, werden aktuell nicht im Kreis Gütersloh geschlachtet. Die Trichinenuntersuchung ist für sie pflichtig, weil über das Heu Reste von Mäusen – Allesfresser wie Schweine – im Futter landen könnte. Rinder stehen nicht auf der Liste. Dank ihrer vier Mägen haben die Nematoden keine Chance.
