Alkohol - wirtschaftlicher Erfolgsfaktor und soziales Problem

Wie in vielen ländlichen Regionen gehörte die Herstellung und der Genuss von Branntwein fest zur Wirtschafts- und Alltagsgeschichte des heutigen Kreises Gütersloh. 

Mit dem „Steinhäger“ Wacholderbrand stammt eine überregional bekannte Spirituose aus der Region. An der erfolgreichen Vermarktung des Steinhägers lässt sich zeigen, wie die Schnapsherstellung durch Technik und Infrastruktur im 19. Jahrhundert vom bäuerlichen Nebengeschäft zu einem eigenen Industriezweig wurde. Auch Brennereien aus dem heutigen Stadtgebiet von Gütersloh, Rietberg und Halle profitierten von diesem Boom.

Gleichzeitig wuchs mit der Industrialisierung das Bewusstsein für die sozialen Folgen des Alkoholkonsums. Abstinenzvereine und kirchliche Initiativen versuchten zunächst, durch Enthaltsamkeit und gegenseitige Unterstützung Abhilfe zu schaffen. Im 20. Jahrhundert wurde Alkoholismus auch als psychische und somatische Erkrankung erkannt und behandelt. Die 1965 in Gütersloh gegründete „Landesheilanstalt“ für Alkoholkranke war eine der ersten modernen therapeutischen Einrichtungen in Westfalen und legte die Grundlage für die heutigen „Bernhard-Salzmann-Klinik“ des LWL-Klinikums – einen Kompetenzzentrum zur Behandlung von Suchterkrankungen.



Beispielquellen und Bilder 

 

Bestände im Kreisarchiv

Akten der Landräte zur Bekämpfung der „Trunksucht“

Akten der Ordnungsämter zur Rationierung von Alkohol in Krisenzeiten

Baupläne und -anträge lokaler Brennereien 

Pressepspiegel und Jubiläumsschriften von Brennereien und Heilanstalten