FUCHS-Projekt 

Pferd Aaron hilft beim Deutschlernen

Kinder mit Pferd und Erwachsenen stehen auf einer Wiese.
Die Kinder holen Pferd Aaron von der Wiese ab und begrüßen ihn. 

Die fünfköpfige Schülergruppe trifft Pferd Aaron nicht in seiner Box im Stall an, sondern auf der Wiese direkt nebenan. Begleitet werden die Kinder von drei pädagogischen Fachkräften: Nadine Dirks als OGS-Leiterin, Kathrin Pickert als Logopädin und Dorothee Gerkmann als Sonderpädagogin mit zusätzlicher Trainerlizenz im Reiten. Gerkmann weiß, worauf sie im Umgang mit den Kindern und dem Pferd zu achten hat. Bevor sich die Kinder auf den Rücken des Pferdes schwingen können, steht die Vorbereitung an: Aaron wird gestriegelt, die Hufe werden ausgekratzt und der Voltigiergurt angelegt. Auch das Reinigen der Stallgasse gehört mit dazu. Erst dann macht sich die Gruppe gemeinsam mit Aaron auf den Weg in die Reithalle.   

Ein Junge hat eine Bürste in der Hand und putzt das Pferd.
Schüler Emo hilft beim Putzen des Pferdes bevor es in die Reithalle geht. 

Im Team arbeiten die pädagogischen Fachkräfte mit den Kindern daran, ihre Sprache zu verbessern. In logopädischen Einheiten, die in der Schule stattfinden, arbeiten Pickert und Dirks mit den Kindern an dem Wortschatz. Begriffe wie Mähne, Schweif, Sattel oder Huf nehmen die Schülerinnen und Schüler auf. In den Einheiten vor Ort wird die Theorie am Pferd Aaron handelnd umgesetzt. Die Reiteinheiten führen Dirks und Gerkmann durch. „Dabei lernen die Kinder nicht nur zu sprechen, sondern auch zuzuhören, zu beobachten, Rücksicht zu nehmen und geduldig zu sein“, erklärt OGS-Leiterin Dirks. So entwickeln sich über das Reiten auch Empathie und Einfühlungsvermögen, die sich positiv auf die sprachliche und soziale Kompetenz der Kinder auswirken.

Schülerin sitzt auf einem Pferd Aaron und wird begleitet. 
Schülerin Deline sitzt auf Pferd Aaron und wird von Nadine Dirks (OGS-Leiterin) begleitet. 

Aaron bewegt sich ganz ruhig und geduldig an einer Longe im Kreis. Auf ihm sitzt Schüler Elias, der sich sicher auf dem Pferd fühlt. Er hebt den linken Arm und fasst sich an die Nase. Mit Abstand und zu Fuß folgt der Rest der Gruppe den Schritten Aarons und wiederholt die Bewegung von Elias. Diese Übung fördert die Konzentration der Kinder – sowohl derjenigen, die gerade auf dem Pferd sitzen, als auch derer, die vom Boden aus mitgehen. Bewegung wirkt sich positiv auf den Spracherwerb aus, denn Kommunikation fällt in Bewegung oft leichter, insbesondere bei Kindern mit Sprachauffälligkeiten. „Die Kinder haben bereits einige Stunden mit Aaron verbracht, ihn kennengelernt und wissen, wie sie sich ihm gegenüber zu verhalten haben“, erklärt Gerkmann. Nach jeder Reitstunde reflektieren die pädagogischen Fachkräfte zusammen mit den Kindern, was sie an dem Tag erlebt haben. Darüber hinaus führen die Kinder ein Lerntagebuch, indem sie sowohl schriftlich als auch bildlich ihre Erlebnisse festhalten. In das Lerntagebuch kleben sie zum Beispiel Heu oder Stroh, wenn die Fütterung eines Pferdes thematisiert wurde. Damit wird das Erlernte schrittweise zusammengefasst und gefestigt.

Das Projekt wird von der OGS, in Trägerschaft des spi-Sozialpädagogischen Instituts Gütersloh, angeboten und zusammen mit der Martinschule umgesetzt. Das Projekt wird durch die Zusammenarbeit von OGS, Schule, Logopädie und dem Reitverein Rietberg-Druffel ermöglicht.

Kinder malen an der Tafel.
In den Einheiten, die in der Schule stattfinden, lernen die Kinder Begriffe wie Schweif, Mähne oder Huf. 

Gestartet ist es kurz nach den Herbstferien im vergangenen Jahr und umfasst jeweils zehn Reit- und Logopädie-Einheiten. Um individuell auf die Förderbedarfe der Kinder eingehen zu können, wurden die Schülerinnen und Schüler in zwei Gruppen mit jeweils fünf Teilnehmenden aufgeteilt.

 

Zum Thema: FUCHS-Projekt

Seit dem Schuljahr 2021/22 werden zugewanderte Grundschülerinnen und -schüler mit dem Projekt ‚FUCHS – Förderung, Unterstützung und Chance für Schülerinnen und Schüler‘ in ihrem Schulalltag begleitet. Ziel ist es, die sprachlichen und sozialen Kompetenzen zu erweitern und sie beim Deutschlernen zu unterstützen. Gefördert wird das Projekt vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Gütersloh, Sachgebiet Integration durch Bildung.

Die Schulen entwickeln ihre eigenen Ideen und Konzepte, um die Sprachförderung über ihren Unterricht hinaus – zum Beispiel am Nachmittag oder in den Ferien – umzusetzen. In diesem Beispiel wird der Spracherwerb mit Bewegung kombiniert, um den Zugang zur Sprache zu erleichtern.