Architektentreff thematisiert Klimaschutz

Von Schweden lernen lautet eine mögliche Devise, wenn Bauherrn ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen. Mit welcher Bauweise man die Kohlendioxid-Bilanz einer mittelgroßen Stadt auf 30 Prozent im Vergleich zum deutschen Niveau verbessern kann, erfuhren 80 Archi- tekten beim jährlichen Architektentreff im                                                       Kreishaus Wiedenbrück. Thema war der Holzbau –                                  „Visionen und Machbarkeit“.

Im Holzbau können wir von Schweden lernen

Bernhard Bußwinkel (Kreis Gütersloh) begrüßte stellvertretend für die anwesenden Leiter der Bauaufsichtsbehörden, Matthias Abel (Stadt Rheda-Wiedenbrück), Frank Jungeiliges (Stadt Rietberg) und Martin Venne (Stadt Schloß Holte-Stukenbrock) sowie Frank Scheffer (Fachbereichsleiter Bauen und Umwelt, Kreis Gütersloh), zwei hochkarätige Referenten zum Thema Holzbau: Tobias Schauerte von der School of Technology and Design Växjö University/Schweden und Sylwester Kabat, Brandschutzingenieur des Kreises Gütersloh.

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Bild: Referenten
Die Referenten im Rahmen der Behördenvertreter (v. l.): Matthias Abel, Dietmar Buschmann, Frank Jungeilgies, Sylwester Kabat, Tobias Schauerte, Frank Scheffer und Bernhard Bußwinkel.

Visionäre Impulse gab Tobias Schauerte:

Bild: Tobias Schauerte

Er zeigte an schwedischen Praxisbeispielen den industriellen Holzbau mit hohem Vorfertigungsgrad, der es auch erlaubt, auf diesem Weg 8-geschossige Wohnhausanlagen zu errichten.

Insbesondere in der Auseinandersetzung mit den schwedischen Entwicklungen zeigte er dem Fachpublikum positive Aspekte der Umweltbilanz, der Imagefrage für potentielle Nutzer, sowie die rechtlichen und praktischen Herausforderungen für den deutschen Markt auf. Seit dem baurechtlichen Umdenken 1995 ist in Schweden auch ein 8-geschossiger industrialisierter Holzbau keine Utopie mehr, sondern schon Bestandteil des Alltags geworden.

Der so geöffnete Wettbewerb der Baumaterialien schafft neue Impulse für mehr Gestaltqualität, Nachhaltigkeit beim Bau und schnelles Bauen durch hohe industrielle Vorfertigung. Insbesondere wusste die schwedische Umweltstrategie die Fachleute zu beeindrucken. So konnte die Stadt Växjö, 80.000 Einwohner, schon 2005 den CO²-Ausstoß pro Einwohner und Jahr auf 3,5 t begrenzen und damit den aktuellen deutschen Wert um mehr als 70 Prozent unterschreiten. Als aktuelle Herausforderung wurde der im Bau befindliche Stadtteil Välle Broar vorgestellt, der mit 1000 auf Holzbaubasis geplanten Wohnungen die nationale Strategie auf kommunaler Ebene umsetzt und verankert.

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Erfolgreiche Symbiose von Forschung, Stadtentwicklung und Bauindustrie

Bild: Tobias Schauerte
Neue Techniken

Durch die Weiterentwicklung des mehrgeschossigen Holzbaues sollen Kernkompetenzen auch für vertikale Entwicklungen geschaffen werden.

Für diese Kompetenzsymbiose steht das Beziehungsdreieck von Kommune, Universität und Bauindustrie mit einem jährlichen Forschungsetat von 800.000 Euro.
So wird ein ganzer Stadtteil zu einer lebendigen Forschungs- und Bauausstellung und gleichzeitig Anschauungsobjekt für neueste bautechnische Entwicklungen im nachhaltigen Bauen. In seiner umfassenden Forschungsreihe untersuchte Schauerte auch die Wertigkeit solcher Holzbauprodukte beim potentiellen deutschen Nutzer und Käufer im Sinne einer "Means-End-Methode" in Abhängigkeit von Alter, Einkommen und Region. Dabei stach die hohe Akzeptanz insbesondere der Jahrgänge unter 34 und 49 Jahre sowie im nordwestdeutsche Raum hervor.

Schauerte forderte alle Anwesenden auf, im Sinne nachhaltigen Denkens an die Zukunft der Kinder zu denken und als Fachleute sich stärker dem Bauen mit nachhaltigen Materialien zu widmen. So werden allein bei jeder Wohnung, die in Holz anstatt aus Beton gebaut wird, 200 Tonnen CO² eingespart. Jeder sei willkommen weiterzudenken und sich von dem Modell "Växjö" inspirieren zu lassen.

 

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Der Brandschutz als Nagelprobe:

Bild: Sylwester Kabat
Sylwester Kabat

Als Ergänzung und Abrundung der praxisnahen Bau- und Umweltvisionen betrachtete Sylwester Kabat die schwedischen Vorbilder unter brandschutzrechtlichen und technischen Aspekten.

Diese bestimmen maßgeblich, ob sich die Visionen überhaupt auf Nordrhein-Westfalen NRW übertragen ließen. Angesichts von Musterbauordnung 2002 und Holzbaurichtlinie in Verbindung mit gutachterlichen Aussagen wurde die ganze Fülle der Möglichkeiten aber auch der Grenzen des deutschen Holzbaus aufgezeigt.

Fazit: Holz ist als konstruktives und tragendes Bauteil besser als sein Ruf - aber die Gesamtbilanz der Brandlasten und der Verarbeitung müssen passen. Gerade die Holzbaurichtlinie verlangt im Mehrgeschossbau eine besondere Aufmerksamkeit auf Fugendichtheit und Kapselung der Brandlastpotentiale.


Weitere Ausführungen zu dem komplexen Thema finden Sie ebenso wie den Vortrag von Tobias Schauerte in den nachfolgenden Download-Dateien.

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Lebhafte Diskussion

Zahlreiche Wortmeldungen und Beiträge der anwesenden Architekten spiegelten sowohl das Interesse als auch das Problempotential für die prktische Umsetzung.
So gestand Ulrich Blecke aus Warstein, der Grüße vom Holzfachverband übermittelte, in angeregter Diskussion mit den Architekten und den Referenten ein, dass in Deutschland der reine Geschoßwohnungsbau aus Holz durchaus noch in weiter Ferne sei, dass aber gerade Mischbauweisen enorme Potentiale für individuelle und zukunftsweisende Lösungen böten. Kabat und Schauerte zeigten den Fachleuten, dass auch im Jahr 2007 noch viele Herausforderungen bestehen und dass gerade das fundierte Forschen um alternative Bautechniken die Zukunft lebendiger und lebenswerter macht.

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Bild: Architekten
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