- Aktuelles
- Themen
- Tiere & Lebensmittel
- Ordnung
- Bevölkerungsschutz
- Auto, Verkehr & Mobilität
- Geoinformation, Kataster und Vermessung
- Gesundheit
- Anmeldung von Kindertagespflege
- Kinder & Jugendliche
- Pflicht zur Meldung beim Gesundheitsamt
- Förderung Medizinstudierender
- Medizinalaufsicht, Apothekenaufsicht, Masernschutz
- Wegweiser Gesundheit
- Beratung & Information
- BIGS - Gesundheit & Selbsthilfe
- Infektionskrankheiten
- Trinkwasser und Umwelt
- Kommunale Gesundheitskonferenz
- Kommunale Gesundheitsförderung
- Gesundheitsbezogener Hitzeschutz
- Koordinationsstelle für Ernährung und Bewegung im Offenen Ganztag
- Bauen, Wohnen, Immissionen
- Jugend
- Bildung
- Kommunales Integrationszentrum
- Soziales
- Jobcenter Kreis Gütersloh
- Energie & Klima
- Umwelt
- Wasser
- Unser Kreis
- Karriere
Inklusion schwerbehinderter Personen in den Arbeitsmarkt
„Endlich ist es perfekt.“

© Kreis Gütersloh
Freuen sich gemeinsam über die erfolgreiche Arbeitsmarktintegration (v.l.): Katharina Lüking (Jobcenter Kreis Gütersloh), Chantal Koch, Jessica Howells und Waldemar Wolf (alle drei Glaserei Giljohann & Wolf).
Was sich wie ein scheinbar regulärer Bürotag anhört, ist für Jessica Howells lange nicht selbstverständlich gewesen. Denn Jessica Howells sitzt im Rollstuhl. Sie besitzt einen Schwerbehindertenausweis mit einem Grad der Behinderung 100. Das bedeutet: Sie ist auf Unterstützungsmaßnahmen angewiesen. Und es bedeutet auch: Einen Job zu finden, ist mitunter gar nicht einfach. „Ich habe mich immer wieder aktiv beworben, habe aber sehr viele Absagen bekommen“, berichtet Howells. „Meist hieß es ‚Wir haben uns für jemand anderen entschieden.‘ Das ist mit der Zeit frustrierend.“

© Kreis Gütersloh
Jessica Howells und ihr Arbeitgeber Waldemar Wolf im Gespräch.
Bis November 2024 war sie im SGB II-Leistungsbezug. Zwar hatte sie zeitweise auch gearbeitet, die Beschäftigungen waren jedoch nicht von langer Dauer. Um eine Anstellung zu finden und um bei Bewerbungen zu überzeugen, nahm sie das Bewerbungstraining des Jobcenters wahr. Dort wurde sie von Katharina Lüking, Jobcenter Kreis Gütersloh, unterstützt. Gemeinsam erstellten sie ihre Bewerbungsunterlagen und übten mögliche Gesprächsszenarien für Vorstellungsgespräche. Wie präsentiere ich mich dem Arbeitgeber? Welche Formulierungen sollte ich im Vorstellungsgespräch besser vermeiden? Wie bereite ich mich bestmöglich vor? „Das Ziel ist es immer, die Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, sagt Lüking. „So können die betroffenen Personen wieder mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit erlangen.“
Dass sie das Bewerbungstraining dann doch nicht brauchte, war ein glücklicher Zufall. „Meine Mutter hatte bei der Glaserei angerufen, um eine Duschkabine zu bestellen. Da kam sie mit meiner jetzigen Kollegin Chantal Koch ins Gespräch“, berichtet Howells. „Sie hatte meiner Mutter am Telefon gesagt, wie viel sie zu tun hatten und dass sie derzeit nach einer Bürokraft suchen. Ich war zu dem Zeitpunkt auch auf Jobsuche.“ Inhaber Waldemar Wolf ergänzt zufrieden: „Das war für uns perfekt. Wir haben Jessica dann zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, es hat sofort gepasst.“
Um zu testen, ob sowohl die Stelle für Howells‘ Anforderungen und Howells für die Stellenvorgaben geeignet ist, hat die Hallerin zunächst ein vierwöchiges Praktikum in der Glaserei absolviert. „Das Praktikum liefert die Sicherheit, dass es von beiden Seiten stimmt“, erklärt Lüking vom Jobcenter. „Auf diese Weise können Arbeitgeber potenzielle Mitarbeitende unverbindlich kennenlernen und gleichzeitig erfahren, ob die Person ins bestehende Team passt.“ Um den Personen die Arbeitsausnahme zu erleichtern, werden die Fahrtkosten für den Praktikumszeitraum vom Jobcenter übernommen.
Howells, gelernte Bürokraft, arbeitet nun seit November 2024 bei der Glaserei Giljohann & Wolf. Sie ist meist die erste Person, mit der die Kunden des Unternehmens Kontakt haben und kümmert sich um den allgemeinen Telefondienst, das Terminmanagement oder die klassische Büroarbeitet. „Es wird nie langweilig, ständig passiert etwas Neues“, sagt sie zufrieden.
Nicht nur im Bewerbungs- und Kennlernprozess unterstützte das Jobcenter Jessica Howells. Auch nach der Einstellung hörte die Hilfe nicht auf: „Um schwerbehinderten Personen, aber auch Menschen ohne eine Behinderung den Arbeitseinstieg zu erleichtern, übernimmt das Jobcenter für bis zu zwei Jahre einen gewissen Prozentsatz des Bruttogehalts“, erläutert Lüking. „Mit dem Eingliederungszuschuss soll der höhere Einarbeitungsaufwand ausgeglichen werden. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Personen langfristig in den Arbeitsmarkt zu integrieren.“ Die Höhe und Dauer der Förderung richten sich dabei jeweils nach den individuellen Voraussetzungen der eingestellten Person.
Bei schwerbehinderten Personen wie Howells können meist über den jeweils zuständigen Reha-Träger auch die notwendigen Büromöbel gefördert werden. Dazu gehören Schreibtische und Stühle, aber auch sonstige Möbel und Raumausstattungen, die besondere Anforderungen für die Bedürfnisse der schwerbehinderten Personen erfüllen müssen. Als Howells bei ihrem heutigen Arbeitgeber anfing, war das Büro gerade renoviert worden. Alles ist ebenerdig, es wurden neue Schreibtische angeschafft, natürlich höhenverstellbar. Howells‘ Arbeitsplatz war somit bereits eingerichtet, sodass sie die Förderung des Jobcenters nicht in Anspruch nehmen musste.
Auch der Arbeitsweg kann zur Herausforderung werden. Als gehbehinderte Person kann Jessica Howells keinen regulären PKW fahren. Um zur Arbeit zu kommen, benötigt sie ein für ihre Bedürfnisse umgebautes Auto. Als sie ihre Stelle im November 2024 antrat, wurde ein Teil ihres Autos von der Agentur für Arbeit gefördert. „Damit kann Frau Howells‘ Selbstständigkeit gewährleistet werden. Ohne das Auto hätte sie keine Möglichkeit, zur Arbeit zu kommen“, berichtet Lüking.
„Ich finde es schön, nun eine so tolle Stelle zu haben. Endlich ist es perfekt“, freut sich Howells. „Ich habe Spaß am Arbeiten, kann soziale Kontakte pflegen und der Job gibt mir viel Selbstständigkeit zurück.“ Auch Arbeitgeber Wolf freut sich: „Für uns ist sie eine tolle Unterstützung. Sie hat sich super in unser Team integriert, es ist sehr harmonisch.“ Auch Katharina Lüking findet, Howells‘ Fall ist ein tolles Beispiel für gelungene Arbeitsmarktintegration: „Gemeinsam konnten wir Frau Howells langfristig in den Arbeitsmarkt eingliedern.“
Dieses Beispiel von Jessica Howells zeigt, was möglich ist, wenn Arbeitgeber Menschen mit Behinderung eine Chance geben. Jobcenter und Arbeitsagentur können den Weg in eine neue Anstellung in enger Abstimmung begleiten und unterstützen gezielt mit Förderungen. So entsteht eine Win-win-win-Situation: Die Arbeitnehmenden finden eine Tätigkeit, die ihren Fähigkeiten entspricht, gewinnen Selbstständigkeit und werden Teil der arbeitenden Gesellschaft. Der Arbeitgeber profitiert von motivierten und zufriedenen Mitarbeitenden, während das Jobcenter und die Agentur für Arbeit den Weg in ein Leben ohne Abhängigkeit von öffentlichen Leistungen fördern.
Als abschließende Botschaft gibt Howells anderen Arbeitgebern mit auf den Weg: „Unternehmen sollen sich ruhig trauen, auch Menschen mit Behinderungen einzustellen. Wir können und wollen arbeiten und können einen wichtigen Beitrag leisten.“
Fördermöglichkeiten auf einen Blick:
- Unterstützung bei der Suche eines passenden Arbeitnehmers / Arbeit-nehmerin
- Förderung eines Praktikums
- Eingliederungszuschuss für Menschen mit einer Behinderung
- Fördermöglichkeiten von Arbeitshilfen durch die Bundesagentur für Arbeit oder Inklusionsamt
Unternehmens- und Vermittlungsservice des Jobcenters:
Frau Lüking
Telefon: 05241 – 85 4360
Arbeitgeber-Hotline der Bundesagentur für Arbeit:
Hotline: 0800 4 5555 20